erweiterte Suche
Freitag, 26.06.2015

Auf Tillich-Besuch folgt Rangelei

Seit Tagen protestieren Asylgegner vor einem Flüchtlingsheim in Freital und liefern sich primär verbale Attacken mit Gegendemonstranten. Nach dem kurzen Besuch des Ministerpräsidenten tauchen am Abend rechte Provokateure auf und kassieren Anzeigen.

32

Bild 1 von 5

Ministerpräsident Stanislaw Tillich vor der Asylbewerberunterkunft.
Ministerpräsident Stanislaw Tillich vor der Asylbewerberunterkunft.

© dpa

  • Ministerpräsident Stanislaw Tillich vor der Asylbewerberunterkunft.
    Ministerpräsident Stanislaw Tillich vor der Asylbewerberunterkunft.
  • Ankunft.
    Ankunft.
  • Begrüßung.
    Begrüßung.
  • Erklärung.
    Erklärung.
  • Abgang.
    Abgang.

Dresden. Nach tagelangen Protesten und teils gewaltsamen Auseinandersetzungen macht Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) den Streit um eine Asylbewerberunterkunft in Freital zur Chefsache.

Am späten Nachmittag erreichte die Limousine des Ministerpräsidenten wie angekündigt die Asylunterkunft. Um pünktlich zu sein, musste die Polizei zuvor den Verkehr erheblich regeln, denn der Andrang von Demonstranten und Schaulustigen hatte in den vorangegangene Stunden konstant zugenommen. Die Polizei ist seit Tagen mit einem großen Kontingent von Beamten vor Ort, um einer möglichen Eskalation der Situation vorzubeugen.

Den zahlreichen Journalisten gegenüber verwies Tillich auf den „enormen Zustrom“ an Flüchtlingen, der auch andernorts in Deutschland und Europa eine große Herausforderung sei. „Völlig inakzeptabel sind aber Drohungen, Hetze und Gewalt gegen Bürgermeister und Landräte, die sich engagieren, für eine menschenwürdige Unterkunft zu sorgen“, sagte Tillich. Laut Innenministerium hatte es zuvor Drohungen gegen Freitals Oberbürgermeister Klaus Mättig (CDU) gegeben. Hier würden „Recht und Gesetz ihre volle Anwendung finden“, sagte der Ministerpräsident.

Zur aktuellen Flüchtlings-Situation sagte er, dass täglich 140 neue Asylbewerber in Sachsen unterzubringen seien, und die Zahl werde wohl weiter steigen. Tillich schüttelte zwar einigen Asylbewerbern die Hände, verzichtete aber auf einen Kommentar zu den verbalen Attacken gegen die Flüchtlinge in Freital oder anderswo in Sachsen. Er verwies lediglich auf die Gewährleistung fairer Asylverfahren in Verbindung mit einer konsequenten Abschiebepraxis, sollten die Bescheide negativ sein.

Die Opposition hatte der Staatsregierung und insbesondere Innenminister Markus Ulbig (CDU) vorgeworfen, durch Nichtanwesenheit in Freital ihre Aufgaben zu vernachlässigen. Tillich ging auf die Vorwürfe ein und sprach von Kommunikationspannen im Vorfeld der Umnutzung des Asylbewerberheims. Seit Montag dient das ehemalige Leonardo-Hotel als eine von sechs Außenstellen der sächsischen Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz. Die gilt als völlig überfüllt und musste die Neuankömmlinge zuletzt in Zelten unterbringen.

Um diesen Zustand zu beenden, verfügte die verantwortliche Landesdirektion, die Aufnahmekapazität des Asylbewerberheims in Freital zu erhöhen und das Haus als neue Außenstelle von Chemnitz zu nutzen. Die anderen fünf Häuser befinden sich in Grillenburg (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge), Schneeberg (Erzgebirge), Böhlen (Landkreis Leipzig) sowie in Meißen und Görlitz. Insgesamt sind dort fast 3 000 Flüchtlinge untergebracht. Für die Zukunft versprach Tillich eine bessere Informationspolitik.

Am Donnerstag war die Unterkunft in Freital nach Angaben der Landesdirektion mit 279 Flüchtlingen, die sich noch im Stadium der Erstaufnahme befinden, nahezu voll belegt. Außerdem hat der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge dort weitere 100 Asylbewerber untergebracht.

Vor seiner Abreise sah es kurz so aus, als würde Tillich das Gespräch mit den Demonstranten suchen. Doch dann schwenkte sein Tross zu den Autos und die Stippvisite war beendet. Zurück blieben viele Polizisten und Demonstranten, die sich in gewohnter Weise weiter belagerten. Plötzlich aber tauchten einige Männer vor dem Hotel auf, offensichtlich aus der rechten Szene. Sie gingen auf die Männer mit den Deutschlandfahnen los und lieferten sich ein kurzes Handgemenge mit den Asylgegnern, dessen Auslöser unklar bleibt. Dabei kam es laut Polizei zu einer Körperverletzung, als eine 31-jährige Frau einem 21-jährigen Mann einen Kopfstoß verpasste.

Die demoralisierten Asylgegner zogen sich danach zurück. Die Angreifer stellten sich anschließend provozierend vor den Polizisten auf und zumindest einer von ihnen rief „Sieg heil“. Wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen muss sich der 36-Jährige nun gegenüber der Justiz verantworten, meldet die Polizeidirektion Dresden. Ansonsten sei es der bisher ruhigste Abend der Woche gewesen, die 100 Asylgegner und die 100 Asylbefürworter hätten sich friedlich verhalten, und als es dunkel wurde, fuhren alle wieder heim. (szo)

Leser-Kommentare

Seite 1 von 7

Insgesamt 32 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. UGDWRST

    ...da kann ja der feine Herr sich mal von seiner christlich geprägten Seite präsentieren und gleich paar von den jungen männlichen Wirtschaftsasylanten aus den Urlauberländern Marokko, Tunesien usw. gleich mit nach Dresden in sein neues Heim nehmen und persönlich integrieren. Würde mich mal interessieren ob dieser abgehobene Ministerpräsident dann immer noch mit tatkräftiger Unterstützung seines unfähigen Handlangers Ulbig alle Türen nach Sachsen offenhält... Oder am besten gleich noch heute Nachmittag ein ganzes Asylantenheim mit 150 Leuten vor seine feine Haustür setzen ohne ihm das vorher zu stecken!! bitte dazu auch mal das Interview mit dem Landrat Geisler lesen. der Inhalt spricht Bände zum Verhältnis Staatsregierung-Landratsämter. Einfach nur das Letzte!!! Aber es ist ja für Tillich & Co. doch viel einfacher alle Bedenkenträger und mündigen Bürger, Anwohner usw. in die rechte Ecke zu stellen. Furchtbar primitiv diese Bande....

  2. pro Asyl

    Denn nur DISTANZ schafft TOLERANZ

  3. egal

    von der Wurstverkäuferin bis zur Bäckersfrau, von der Nichte bis zum Großonkel usw. Keiner wurde gefragt, ob er es will. Diese Flüchtlingsheime gefüllt mit jungen kräftigen Männern aus Afrika. Alle lehnen das ab. Fremdenfeindlichkeit nicht hochschaukeln ? Die Politik tut alles, damit das geschieht.

  4. Rob

    Das Haus ist für diese Art der Verwendung nicht geeignet! 380 Asylbewerber, davon 280 mit völlig ungeklärtem Status und häufig wechselnder Belegung in einem relativ abgeschlossenen und abgelegenen kleinen Wohngebiet mit kaum mehr Einwohnern - wie soll das gut gehen? Was denken sich die Verantwortlichen des Freistaats dabei - Hauptsache nicht vor meiner Haustür..?

  5. Kalle

    Es ist einfach nur eine Schande, wie sich Mitbürger gegenüber den Flüchtlingen verhalten - gerade weil man auch diese Mitbürger 1989 freundlich aufnahm, was man im Konsumrausch wohl schnell vergessen hat. Aber ach was, was heißt hier aufnahm? Selbst ist man ja noch nicht mal geflüchtet, sondern hat fein abgewartet, bis die D-Mark und die Reisefreiheit zu einem nachhause gebracht wurden. Selbst seit 25 Jahren Profiteur des Sozialstaates, wird futterneidisch auf noch ärmere geschimpft.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 7

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 22:00 Uhr abgegeben werden.