erweiterte Suche
Freitag, 26.02.2016

Asylbewerber finden nur schwer Arbeit

Nur wenige Flüchtlinge besitzen die nötige Qualifikation. Landkreis und Arbeitsagentur werden jetzt aktiv.

Von Jana Ulbrich und Constanze Knappe

Ein Job als Holzmechaniker wäre für Abdulhkim Khuzai aus Syrien ein Traum. Ob er ihn bekommen könnte bei Sachsenfenster in Rammenau? Lackierer Jens Förster erklärt ihm jedenfalls schon mal die Arbeit. Aber bisher lassen sich arbeitende Asylbewerber im Landkreis Bautzen an einer Hand abzählen.
Ein Job als Holzmechaniker wäre für Abdulhkim Khuzai aus Syrien ein Traum. Ob er ihn bekommen könnte bei Sachsenfenster in Rammenau? Lackierer Jens Förster erklärt ihm jedenfalls schon mal die Arbeit. Aber bisher lassen sich arbeitende Asylbewerber im Landkreis Bautzen an einer Hand abzählen.

© Steffen Unger

Bautzen. Ali Al Shame Bashar strahlt, als seine Finger über das glatte Holz streichen. Einen Job bei Sachsenfenster in Rammenau, das wäre für den 21-Jährigen ein Traum. Der Syrer ist gelernter Tischler und hat Möbel gebaut. Seit acht Monaten ist er jetzt in Deutschland und würde gern in seinem Beruf arbeiten. Abdulhkim Khuzai ist in Syrien zwar Taxi gefahren, aber Fenster bauen, das würde auch ihm gefallen, sagt der 40-Jährige, seit sieben Monaten in Deutschland. Seit anderthalb Monaten lernen die beiden Syrer in einem Intensivkurs in Dresden Deutsch. Die Dresdener Arbeitsagentur hatte sie diese Woche nach Rammenau geschickt. Sachsenfenster-Chef Andreas Langhammer kann sich vorstellen, einen Asylbewerber einzuarbeiten und bei Eignung auch zu beschäftigen. Der Antrittsbesuch ist vielversprechend.

Aber er ist auch die absolute Ausnahme. Bisher lassen sich die Asylbewerber, die im Kreis Bautzen einen regulären Job gefunden haben, an einer Hand abzählen. Offiziell sind es gerade mal zwei: Ein Syrer arbeitet im medizinischen Bereich am Seenland-Klinikum in Hoyerswerda, einer in einem Hoyerswerdaer Friseursalon. Dann sind da noch vier junge Leute aus Kamenz, die gerade einen Berufsvorbereitungskurs absolvieren, um im Sommer eine Lehre in einem Handwerksbetrieb beginnen zu können. Das sind dann auch schon alle.

Eine Illusion

„Asylbewerber schnell und unkompliziert in Arbeit bringen zu können, das ist eine Illusion“, sagt Lars Eibisch, Chef des Bautzener Ausländeramts, ganz ohne Umschweife. „Wenn überhaupt, dann wird das viele Monate, wenn nicht Jahre dauern.“ In seiner nüchternen Einschätzung ist sich Eibisch auch ganz klar mit Thomas Berndt, dem Chef der Bautzener Arbeitsagentur, und Mathias Bielich, dem Chef des Bautzener Jobcenters, einig. „Versuchen wollen wir aber trotzdem alles“, sagt Eibisch. „Wir wollen auch alles tun, was wir können.“

Schon seit über einem halben Jahr treffen sich die drei Behördenchefs regelmäßig, um ihre Arbeit zu koordinieren und gemeinsame Projekte auf den Weg zu bringen. Ihre Initiative dürfte einmalig sein. Erster großer Erfolg der Zusammenarbeit: Seit November sitzen 900 Asylbewerber aus dem Kreis Bautzen freiwillig bei verschiedenen Bildungsträgern in offiziellen Sprachkursen. Die Ausländerbehörde organisiert die Kurse, die Arbeitsagentur bezahlt sie. „Das Interesse hat unsere Erwartungen weit übertroffen“, sagt Lars Eibisch. Gerechnet hatte die Behörde anfangs mit 300 bis 400 Teilnehmern.

Hindernis Sprache

Die Sprache ist das größte Hindernis auf dem Weg in den Arbeitsmarkt. Von den 380 Asylbewerbern, die im Arbeitsagenturbereich Bautzen gemeldet sind, haben 320 keinerlei Deutschkenntnisse, und nur wenige sprechen wenigstens Englisch. „Aber ohne Sprache ist eine Vermittlung so gut wie unmöglich“, weiß Agenturchef Berndt. Er geht davon aus, dass die Sprachkurse mindestens ein halbes Jahr, wenn nicht noch länger dauern werden. Und dass sich an die Sprachkurse auch noch Integrationskurse anschließen müssen, ehe ein Asylbewerber überhaupt vermittelbar wird.

Wenn ein Flüchtling leidlich gut Deutsch spricht, hat er noch lange keinen Job. „Wir wissen meistens so gut wie nichts über die tatsächlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Leute“, sagt Thomas Berndt. Nur die wenigsten könnten Abschlüsse, Zertifikate und Zeugnisse vorweisen. Auch sei die Ausbildung und Qualifikation in ihren Heimatländern oft nicht mit der in Deutschland vergleichbar.

Von den derzeit 3 100 Asylsuchenden im Landkreis hat nach Einschätzung des Ausländeramts die Hälfte eine Bleibeperspektive. Wer das Aufenthaltsrecht erhält und keine Arbeit hat, landet beim Jobcenter. Dessen Chef Mathias Bielich rechnet allein in diesem Jahr mit 1 000 Neuzugängen aus den Asylbewerberheimen, die dann auch weiterhin auf Sozialleistungen angewiesen sein werden.

Große Skepsis herrscht zudem bei den potenziellen Arbeitgebern im Kreis. Bisher gibt es nur wenige wie den Rammenauer Sachsenfenster-Chef, die sich überhaupt erst einmal auf einen Versuch einlassen. Denn sie sehen noch ein anderes Problem: Sobald Asylsuchende ihre Anerkennung in der Tasche haben, erlischt für sie die Residenzpflicht. Die meisten bleiben dann nicht im Kreis Bautzen, sondern machen sich auf und davon in die Ballungsgebiete.