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Donnerstag, 12.10.2017

Ansturm auf freie Schulen in Sachsen

Die Zahl der Schüler an Privatschulen ist auf einem Höchststand seit 1990. Neugründungen müssen jedem offenstehen.

Von Andrea Schawe

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© dpa (Symbolfoto)

Dresden. Christliche Grundschule, Internationales Gymnasium, Montessorischule: Noch nie haben in Sachsen so viele Kinder an einer freien Schule gelernt. Fast jeder siebte Schüler besuchte im Schuljahr 2016/17 eine Schule, die nicht von der Kommune getragen wird. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes sind 64 740 Schüler an einer freien allgemein- oder berufsbildenden Schule gemeldet. Noch vor fünf Jahren waren es etwa 5 000 weniger.

Auch die Zahl der Schulen steigt wieder. Im laufenden Schuljahr sind 399 der insgesamt 1 755 Schulen in Sachsen Privatschulen: 85 sind Grund- und 20 Förderschulen, 70 Oberschulen und 40 Gymnasien. Das sei ein Höchststand seit 1990, so das Kultusministerium. Allein in diesem Jahr kamen sieben neue Schulen dazu, unter anderem die Christliche Grundschule in Oßling, die Tüv Rheinland Oberschule in Dresden und die Evangelische Oberschule in Klipphausen. Die Zahl der privaten Berufsschulen nimmt dagegen ab.

Das Spektrum ist groß: Viele Schulen sind kirchlich verbunden, etwa die evangelische Grundschule in Radebeul oder das St. Benno-Gymnasium und die Kreuzschule in Dresden. Dazu kommen etwa Waldorf- und Montessori-Schulen oder Werks- und Laborschulen mit altersgemischten Gruppen. Etwa 100 Euro zahlen Eltern im Schnitt pro Kind und Monat, an der International School können es bis zu 900 Euro sein.

Trotzdem stehen die sogenannten Ersatzschulen nicht außerhalb des Schulsystems. „In aller Regel orientieren sich die Träger bei der Schulgründung an den Vorgaben der sächsischen Lehrpläne für die jeweilige Schulart“, erklärt Petra Nikolov von der Sächsischen Bildungsagentur. Das Grundgesetz erlaubt Privatschulen nur in engen Grenzen, sie müssen prinzipiell jedem offenstehen und in den Lernzielen sowie in der Ausbildung der Lehrer mindestens den Standard an öffentlichen Schulen erfüllen. Das Kultusministerium entscheidet über die Zulassung freier Schulen – und kann diese auch entziehen, wenn Zweifel am Leistungsniveau der Schüler aufkommen. Derzeit kämpfen die Aktive Schule Dresden und die Natur- und Umweltschule um ihr Bestehen.

Der Freistaat unterstützt die freien Schulen mit einem Beitrag pro Schüler und Jahr. In diesem Jahr sind das voraussichtlich etwa 340 Millionen Euro. 2016 waren es noch rund 327 Millionen Euro, im nächsten Jahr rechnet das Kultusministerium mit etwa 351,9 Millionen Euro. Seit Jahren fordern freie Schulen eine Erhöhung dieser Hilfen – auch weil die Gehälter der Lehrer an freien und staatlichen Schulen immer mehr auseinander gehen. Trotzdem steigt die Zahl der Lehrer an Privatschulen stetig: 2016/17 waren es mehr als 5 300.

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. A.K.

    Die Natur- und Umweltschule kämpft nicht deshalb um ihr Bestehen, weil es Zweifel am Leistungsniveau gibt. Es gibt Zweifel, ob Unterricht draußen gemacht werden kann und ob ein besonderes pädagogisches Interesse vorliegt. Alles in allem hinterlässt der Rechtsstreit doch eher den Eindruck, dass die Sächsische Bildungsagentur um jeden Preis Recht behalten will.

  2. Max

    Wenn ich Bildungsminister(in) wäre, könnte ich nachts nicht mehr schlafen: Dass sich immer mehr Eltern und Schüler von öffentlichen Schulen abwenden und lieber Geld für private Schulen ausgeben, sollte mir (und uns alle) sehr zu denken geben. Aber das Hinterfragen von solchen und anderen gesellschaftlichen Entwicklungen wird leider zunehmend "abgewürgt" -- oder findet jemand dazu auch nur einen Satz im Artikel?

  3. Mutter

    Warum gibt es so viele freie Schulen? Weil sich der Freistaat Sachsen vor etlichen Jahren mit staatlichen Schulen aus dem ländlichen Raum zurück gezogen hat. "Das Kultusministerium entscheidet über die Zulassung freier Schulen – und kann diese auch entziehen, wenn Zweifel am Leistungsniveau der Schüler aufkommen." - würde man diese Qualitätskriterien auch an staaltichen Schulen anwenden, gäbe es bald ein Menge arbeitsloser Lehrer und Schüler ohne Schule!

  4. anna müller

    Wenn eine Pivatschule (fast) billiger ist, als der Kindergarten und mehr verspricht als eine Staatsschule - für mein Kind will ich ja nur das Beste... Nur was will der TÜV Rheinland in Schulen? Kann man am Ende doch Geld noch Geld damit verdienen?

  5. G.

    Ich wünsche mir besser recherchierte Artikel von den Journalisten der SZ. In diesem sachlich richtigen Artikel werden vor allem Zahlen genannt und anhand derer wird eine Einschätzung über den Anteil freier Schulen in der sächsischen Bildungslandschaft gewagt. Vielleicht hat die Autorin Interesse darzustellen, wie sich die Genehmigung freier Schulen in Sachsen in den letzten 25 Jahren verändert hat. Die Schwierigkeit aktuell eine freie Schulen zu gründen (es sei denn, ein finanzkräftiger Träger steht im Hintergrund) ist aktuell größer denn je. Dabei ist zu beobachten, dass eine fachlich kompetente Beurteilung von Seiten der SBA nicht so erfolgt, wie es in den Leitlinien der SBA steht. Auch dazu empfehle ich der Autorin eine Recherche.

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