erweiterte Suche
Dienstag, 26.01.2016

Angriff mit Samurai-Schwert

Sieben Flüchtlinge sind in Zeithain überfallen worden. Der Bürgermeister ist besorgt. Wie sicher ist es noch im Dorf?

Von Antje Steglich

Bild 1 von 2

Die Ruhe am Nikopol in Zeithain trügt.
Die Ruhe am Nikopol in Zeithain trügt.

© Sebastian Schultz

  • Die Ruhe am Nikopol in Zeithain trügt.
    Die Ruhe am Nikopol in Zeithain trügt.
  • Mit einem Samuraischwert – ähnlich diesem auf dem Foto – und einem Baseballschläger sind in Zeithain sieben Flüchtlinge angegriffen worden.
    Mit einem Samuraischwert – ähnlich diesem auf dem Foto – und einem Baseballschläger sind in Zeithain sieben Flüchtlinge angegriffen worden.

Zeithain. Die Situation in Zeithain ist eskaliert. Nach einem sexuellen Übergriff eines Marokkaners auf eine Netto-Mitarbeiterin und einer NPD-Kundgebung wurde am Montagnachmittag eine Gruppe Asylbewerber in der Nikopoler Straße angegriffen. Die Polizei spricht von einem fremdenfeindlichen Hintergrund. Das Kommissariat Staatsschutz der Dresdner Kriminalpolizei hat die weiteren Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung aufgenommen. Mit einem Zeugenaufruf sucht man jetzt nach den Tätern.

Es ist gegen 15  Uhr am Montag, als sich die sieben Männer aus Marokko, Syrien und dem Irak etwas zu essen aus dem nahe gelegenen Dönerimbiss holen und sich in die kleine Parkanlage an der Nikopoler Straße setzen. Auch zwei der späteren Angreifer sitzen dort und fangen an, die Asylbewerber, die zurzeit in dem ehemaligen Elektrolager im Zeithainer Gewerbegebiet untergebracht sind, zu beleidigen. Es gibt viele Augenzeugen. „Ausländer raus“, sind noch die harmlosesten Worte, sagen sie. Schließlich entflammt zwischen den Gruppen ein lautstarker Streit, die zwei deutschen Männer ziehen sich zurück – nur um wenig später mit Verstärkung wiederzukommen. Mittlerweile zu sechst rennen sie auf die Flüchtlinge zu. Sie rufen Beschimpfungen und halten ein Samurai-Schwert, einen Baseballschläger sowie Bierflaschen in den Händen.

Die Gruppe sei im Dorf bekannt, sie wohnen in der Nikopoler Straße, erzählt man. Normalerweise sei gut mit ihnen auszukommen, doch heute scheinen sie durch den Alkohol nicht sie selbst zu sein. Sie jagen die Flüchtlinge regelrecht vor sich her. In Richtung Gewerbegebiet. Ein 31-jähriger Marokkaner ist nicht schnell genug und wird schließlich von einem Baseballschläger getroffen und leicht verletzt. Nur der Sturz des Angreifers verhindert Schlimmeres. Mittlerweile haben Augenzeugen die Polizei gerufen. Als die jedoch mit drei Einsatzwagen anrückt, sind die Angreifer in Richtung Nikopoler Straße verschwunden.

Die Polizei fahndet nun unter anderem nach dem Mann mit dem Baseballschläger: Er ist Anfang dreißig, etwa 1,80 Meter groß und schlank, er hat kurze blonde Haare sowie einen kurzen blonden Vollbart. Der Mann mit dem Samurai-Schwert sei etwa 28 Jahre alt, knappe 1,70 Meter groß und schlank. Er hat ebenfalls kurze blonde Haare sowie mehrere Piercings im Gesicht und trug eine schwarze Hip-Hop-Hose.

Durch den Vorfall sieht sich Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos) darin bestätigt, dass sich die Situation in dem Dorf immer mehr aufschaukelt. Viele Einwohner äußern ihm gegenüber Sicherheitsbedenken, sagt er. Dennoch sei für ihn der neueste Vorfall nicht zu tolerieren: „Straftäter ist Straftäter“, erklärt er. Bereits am Dienstag traf er sich mit dem Leiter des Riesaer Polizeireviers Hermann Braunger, um über die aktuelle Lage in Zeithain zu sprechen. Zudem gab es bereits zahlreiche Gespräche mit dem Landkreis über die Flüchtlingsunterkunft im Elektrolager. Zusammen mit dem Gemeinderat will Ralf Hänsel nun darüber diskutieren, ob eventuell eine Bürgerversammlung die Wogen wieder etwas glätten könne.

Die Polizei sucht Zeugen zu dem Vorfall: Tel.:  0351 4832233