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Samstag, 05.03.2016

Achtung Kontrolle in Ebersbach-Neugersdorf!

Ebersbach-Neugersdorf testet mit einer mobilen Anzeige die Disziplin seiner Autofahrer. Die Ergebnisse sind erstaunlich.

Von Romy Kühr

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Die mobile Messtafel der Oberlandstadt steht jetzt in der Rudolf-Breitscheid-Straße. Konsequenzen für die Autofahrer hat die Tempomessung nicht, Erkenntnisse für alle Beteiligten gibt es trotzdem.
Die mobile Messtafel der Oberlandstadt steht jetzt in der Rudolf-Breitscheid-Straße. Konsequenzen für die Autofahrer hat die Tempomessung nicht, Erkenntnisse für alle Beteiligten gibt es trotzdem.

© SZ/Thomas Eichler

Die gelben Zahlen leuchten auf. „Sie fahren 31 km/h“ steht auf der Anzeigetafel. Das ist innerorts voll im vorgeschriebenen Limit. An verschiedenen Stellen im Stadtgebiet von Ebersbach-Neugersdorf haben sich Autofahrer in den vergangenen Wochen über eine solche Geschwindigkeitsanzeige gewundert. Jetzt zeigt sie an der Rudolf-Breitscheid-Straße an, wie schnell Autos fahren.

Mit einem Bußgeld muss niemand rechnen. Die Anzeigentafel registriert zwar die Geschwindigkeit, geblitzt wird damit aber nicht. Das Gerät misst von beiden Seiten, also auch die Autofahrer, die ihre eigene Geschwindigkeit gar nicht angezeigt bekommen. Die Tafel hat aber noch einen anderen Effekt. Sie zählt die vorbeifahrenden Fahrzeuge – auch die im Gegenverkehr. Und sie speichert die Geschwindigkeiten die gefahren wurden.

„Das soll eine rein erzieherische Maßnahme sein“, sagt Uwe Nikodem, Leiter des Ordnungsamtes in Ebersbach-Neugersdorf. Die Stadtverwaltung hat vor kurzem die mobile Messtafel angeschafft. Damit will sie für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen. Fahrer sollen vor Augen geführt bekommen, wie schnell sie gerade fahren und das Bewusstsein für Gefahren schärfen, erklärt der Amtsleiter. Der große Vorteil des Geräts ist laut Uwe Nikodem vom Ordnungsamt, dass es mobil ist und einfach auf bestehende Masten am Straßenrand montiert werden kann.

Zuletzt war die Tafel, die seit Mitte Januar in Betrieb ist, an der Georgswalder Straße in Ebersbach stationiert. Hier hat die Stadt auf dem letzten Teilstück in Richtung tschechischer Grenze unlängst die Einbahnstraßen-Regelung aufgehoben und wollte nun wissen, wie sich Autofahrer verhalten. Auch an der Hainbergstraße in Ebersbach und an der Neuwalder Straße im Ortsteil Neugersdorf hat das Gerät schon jeweils etwa zwei Wochen lang den Verkehr beobachtet. Außerdem ist es am Spreequell-Kaufhaus in Neugersdorf zum Einsatz gekommen.

Hier ging es nicht um die Geschwindigkeit der Autos, sondern um das zählen der vorbeifahrenden Fahrzeuge. „Das war an der Spreequellstraße unser Anliegen“, erklärt Nikodem. Die Stadtverwaltung wollte herausfinden, wie hoch hier das Verkehrsaufkommen ist – auch im Hinblick auf die geplanten Umbaumaßnahmen des Einkaufscenters. Die Daten der Messanlage sind nicht nur in diesem Fall für die Behörde sehr hilfreich. Die Anlage wertet auch aus, zu welchen Tageszeiten wie viele Fahrzeuge eine bestimmte Straße benutzen.

Insgesamt hat die Messtafel an ihren bisherigen Standorten in Ebersbach-Neugersdorf bereits gezeigt, dass die Autofahrer recht vernünftig unterwegs sind und sich an die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten halten. Zwar gebe es immer wieder ein paar Ausreißer, so Uwe Nikodem. Allerdings hat die Messtafel einen Haken: Sie misst die Geschwindigkeit, registriert aber nicht, wer gefahren ist. „Es kann also auch mal sein, dass es ein Rettungswagen oder ein anderes Einsatzfahrzeug war, das zu schnell gefahren ist.“ Das ließe sich anhand der gespeicherten Daten nicht nachvollziehen, so der Chef vom Ordnungsamt. Dennoch gebe die Messtafel einen guten Überblick, wie die Autofahrer unterwegs sind und wo es gefährlich werden kann.

Der Einsatz der Geschwindigkeitsanzeige an der Georgswalder Straße ist schon wieder beendet, das Gerät wurde diese Woche abgebaut. Die Daten werden jetzt ebenfalls ausgewertet. Der neue Standort der Tafel ist seit gestern an der Rudolf-Breitscheid-Straße in Neugersdorf. Die Stadtverwaltung will damit dem Hinweis eines Anwohners nachgehen. Er sorgt sich, weil Autos hier oft sehr schnell fahren würden – und die Kita „Spreequellspatzen“ an der Straße liegt.

Dass sich eine solche Kontrolle durchaus lohnt, zeigen die Ergebnisse aus den bisherigen Messungen: Die größten Ausreißer lagen bei 88 und 74 Kilometern pro Stunde – auf Nebenstraßen in der Ortschaft. Welche Konsequenzen das hat, ist noch nicht klar. Eine Möglichkeit wäre laut Uwe Nikodem aber zum Beispiel, Vorfahrtsregelungen zu ändern und die Rechts-vor-Links-Regel einzuführen. Dann würde automatisch langsamer und umsichtiger gefahren. In verschiedenen Bereichen in der Stadt – vor allem auf Nebenstraßen – ist das bereits eingeführt worden.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Pauli

    Fast jedes zweite tschechische Dorf hat solche Tafeln fest installiert und die wirken! Sie haben nur einen "Nachteil" - sie bringen der Gemeinde kein Geld ein. Deswegen ist deren Zukunft hierzulande in Sachsen fraglich...

  2. Dieter

    Finde ich als preiswerte Bedarfsermittlung für einen echten Blitzer sinnvoll. Wobei das etwas weniger gut sichtbar noch sinnvoller wäre.

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