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Freitag, 06.10.2017

Abgesperrt? Mir doch egal!

In Oderwitz sind Rettungskräfte bei ihrer Arbeit am Unfallort gestört worden. Das kommt immer öfter vor.

Von Mario Sefrin

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Am Montag war die B96 in Oderwitz nach einem Unfall voll gesperrt. Manche Verkehrsteilnehmer wollten jedoch von Absperrungen nichts wissen – und die Unfallstelle passieren.
Am Montag war die B 96 in Oderwitz nach einem Unfall voll gesperrt. Manche Verkehrsteilnehmer wollten jedoch von Absperrungen nichts wissen – und die Unfallstelle passieren.

© Feuerwehr Oderwitz

Als am vergangenen Montagnachmittag zwei Autos auf der Bundesstraße 96 in Oderwitz zusammenstießen, war die wichtige Bundesstraße mal wieder für den Verkehr dicht. Die beiden Autos waren frontal zusammengeknallt, zwei Insassen wurden schwer, zwei weitere leicht verletzt. Beide Autos waren nach dem Aufprall nicht mehr fahrbereit – nichts ging mehr.

Die Rettungskräfte hatten am Unfallort eine Menge zu tun. Zwar sei beim Eintreffen der Feuerwehrleute der Rettungsdienst bereits am Unfallort gewesen und habe sich um die vier Fahrzeuginsassen gekümmert, sagt der Gemeindewehrleiter der Oderwitzer Feuerwehr, Alexander Pollier. Doch auch für seine Leute gab es vor Ort viel Arbeit: ausgelaufenes Öl musste entfernt werden, außerdem galt es, den Brandschutz zu gewährleisten, so Pollier. Und die Bundesstraße musste auf einem Teilstück im Bereich zwischen der Kreuzung Ruppersdorfer Straße bis Rosenstraße gesperrt werden. Unterstützung bekam die Feuerwehr dabei durch Polizeibeamte. Die Absperrungen sind wichtig: Immerhin muss der Verkehrsunfalldienst der Polizei Spuren am Unfallort sichern, außerdem müssen oft nicht mehr fahrbereite Unfallfahrzeuge sicher abgeschleppt werden können.

Manche Leute haben dafür jedoch kein Verständnis, wie Alexander Pollier beim Unfall am Montag auf der B 96 feststellen musste. „Bei unseren Einsätzen gibt es ja immer wieder Unverbesserliche, die sich nicht an Absperrungen halten. Doch bei dem Unfall am Montag wollte ein Autofahrer aus dem Landkreis direkt am Polizeiwagen, der die Bundesstraße sperrte, vorbeifahren, um die Unfallstelle passieren zu können“, sagt Alexander Pollier. Auch in der Diskussion mit Feuerwehrleuten habe sich der Autofahrer nicht von seinem Vorhaben abbringen lassen. „Der Mann sagte, es sei doch noch genug Platz zum Vorbeifahren“, erzählt Pollier. Erst das Erscheinen von Polizeibeamten überzeugte den Autofahrer, zu wenden und davonzufahren.

Alexander Pollier erlebt solche Situationen bei Einsätzen immer wieder. Dabei fallen nicht nur Autofahrer auf, sondern auch Radfahrer und Fußgänger. Zwar sei die Zahl der Leute, die Absperrungen missachten, klein, so Pollier. Doch für ihn stellt im Einsatzfall jede Person, die nichts am Unfallort zu suchen hat, eine Gefahr dar – für die Rettungskräfte, aber auch für die Fremden selbst. „Da stehen viele Geräte herum, auch liegen gerade bei Verkehrsunfällen oft überall Glasscherben. Außerdem können die Retter in solchen Situationen nicht noch auf Fremde achten“, so Pollier.

Das wird auch im Landratsamt Görlitz so gesehen. Die Missachtung der Absperrung von Einsatzstellen sei immer wieder ein Problem, heißt es im Amt für Brandschutz/Katastrophenschutz und Rettungswesen. „Dabei werden nicht selten Einsatzkräfte, die verunfallten Personen sowie die Personen, welche die Absperrung missachten, unnötig in größte Gefahr gebracht“, schreibt das Amt. Absperrmaßnahmen sind jedenfalls wichtig: „Die Einsatzkräfte benötigen ausreichend Platz und den Fokus auf die eigentliche Einsatzstelle.“

Aus Sicht der Rettungskräfte habe die Missachtung von Absperrungen zugenommen, heißt es im Landratsamt. Ebenso die Tatsache, dass Einsatzkräfte verbal attackiert werden, obwohl im Hintergrund das Unfallfahrzeug deutlich zu erkennen sei. Wie lange Absperrungen aufrechterhalten werden, sei nicht festgelegt. Dies hängt von der Einsatzlage ab, schreibt das Amt. Erst wenn keine Gefahr mehr für Einsatzkräfte und andere Leute bestehe, werde die Sperrung aufgehoben. Es gibt aber laut Landratsamt Unterschiede in der Art der Sperrung: Während die Polizei den Verkehr an einer Einsatzstelle vorbeileiten darf, dürfen Rettungskräfte lediglich eine Vollsperrung durchführen. Darum ist bei Unfällen in den ersten Minuten eine Vollsperrung die Regel. Sobald es die Lage zulässt, sei die Polizei – in Zusammenarbeit mit den Rettungskräften – bemüht, den Verkehr an der Einsatzstelle vorbeizuleiten. Das bestätigt Alexander Pollier. „Wir sind daran interessiert, Unfallschäden schnell zu beseitigen“, sagt der Oderwitzer Wehrleiter. Er erwartet aber, dass seine Männer ordentlich arbeiten können. „Wir können nur an alle appellieren, gebührenden Abstand zu halten. Das ist wichtig. Es ist auch ein Zeichen des Respekts, den die Leute uns und unserer Arbeit entgegenbringen“, findet er.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 12 Kommentare

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  1. Hugo

    Vielleicht mal ganz sachlich? Ohne AFD, Rechtsstaat und Lutz? Für Sandra und noch andere: stellen Sie sich vor, Sie selbst hätten einen schweren Unfall gehabt. Wären Sie nicht froh, wenn durch Rettungskräfte ohne Behinderung Ihr Leben gerettet werde könnte? Oder Verletzungen sofort behandelt werden? Oder die Beseitigung der Ölspur einem anderen eine schweren Unfall erspart? Oder die Scherben von der Strasse geräumt werden müssen? Ich jedenfalls habe Hochachtung vor den Rettungskräften und den Leuten, die Ihnen den Rücken frei halten!

  2. entejens

    @Radebeuler #4: WTF hat die AfD (oder eine andere Partei) damit zu tun, daß der eine oder andere Mitbürger seine eigenen Interessen höher stellt als die Notwendigkeiten, die ein Unfall so mit sich bringt? Nix - aus diesem Grund ist die zweite Hälfte Deines Beitrages einfach nur Unfug. @Sandra #6: Aha, weil es vielleicht einige Absperrungen ohne im jeweiligen Moment ersichtlichen Grund gibt, ist also erstmal jede Absperrung anzuzweifeln, erst recht wenn die Einsatzwagen zu sehen sind. Tolle Logik, die eigentlich nur auf großem Egoismus beruht - so wie das im Artikel beschriebene Handeln.

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