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Dienstag, 12.01.2016

700 Fahrkarten mit fremden Kontodaten bezahlt

Ein 31-Jähriger hat die Bahn um 116 558 Euro geprellt. Nun bot der Informatiker seine Hilfe an, diese Lücke zu schließen.

© Symbolfoto: dpa

Ein wuscheliger Lockenkopf, schwarze Brille, ein offenes, sympathisches Gesicht – so sieht also der Mann aus, bei dem jahrelang Bahnfahrkarten zum Schnäppchenpreis zu haben waren. Angeblich hatte es sich herumgesprochen, dass „der Tunesier“ einen wirklich guten Preis macht. Der Haken daran: Der 31-Jährige hatte die Tickets mit den Daten gestohlener Kreditkarten bezahlt. Seit Montag steht er wegen Computerbetruges in 700 Fällen und wegen Handels mit Drogen vor dem Landgericht Dresden.

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte das Fahrkarten-Geschäftsmodell zwischen Juni 2012 und April 2015 betrieben. Darunter gab es Tickets Dresden–Hamburg schon ab 11,50 Euro. Eine Fahrt von Berlin nach Paris und zurück kostete dagegen mehr als 800 Euro. Der Schaden der Deutschen Bahn AG beläuft sich auf 116 558 Euro, sagte Staatsanwalt Till von Borries. Mindestens 38 000 Euro soll der Angeklagte verdient haben. Außerdem habe er dreimal bis zu 100 Gramm Marihuana in Berlin erworben und die Drogen, abzüglich seines eigenen Konsums, in Dresden verkauft. Nach der letzten Fahrt wurde er erwischt und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Die Strafkammer stellte dem bereits vorbestraften Angeklagten eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb bis vier Jahren in Aussicht. Danach gab der 31-Jährige alle Vorwürfe zu. Er sei meist per SMS angefragt worden und habe die Tickets dann im Namen seiner Auftraggeber gebucht – meist am heimischen PC oder in einem Internetcafé am Wiener Platz. 15 bis 20 Euro habe er für einen Satz ausgespähter Kreditkarten bezahlt. Diese fremden Daten habe er ein- bis zweimal einsetzen können.

Mohamed K. hat in Tunesien Informatik studiert und lebt seit 2011 in Dresden. Weil sein Asylantrag abgelehnt wurde, sei er untergetaucht. Der Handel mit den Fahrkarten sei seine einzige Geldquelle gewesen, sagte er. „Ich wollte aufhören. Ich weiß, dass es nicht richtig war.“ Er habe der Bahn inzwischen sogar anbieten wollen, „einen Algorithmus zu schreiben“, um einen solchen Missbrauch künftig zu verhindern. Der Prozess wird fortgesetzt. (lex)