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Samstag, 02.01.2016

5 800 Syrer fangen Deutschkurs in Sachsen an

Der neue Sprachunterricht findet viel mehr Teilnehmer als angekündigt. Dabei musste alles sehr schnell gehen.

Von Georg Moeritz

Ein Deutschkurs für Asylsuchende in der Sprachschule inlingua in Dresden.
Ein Deutschkurs für Asylsuchende in der Sprachschule inlingua in Dresden.

© Robert Michael

Dresden. „Mein Name ist Hasan“ – diesen ersten deutschen Satz haben in den vergangenen Wochen 7 885 Flüchtlinge in sächsischen Einstiegskursen gelernt. Drei Viertel von ihnen nannten dabei einen syrischen Namen, denn 5 802 der Kursteilnehmer sind aus Syrien. Damit ist die Ankündigung der sächsischen Arbeitsagenturen weit übertroffen worden, gut 4 000 Deutschkurse für Flüchtlinge zu bezahlen.

Die Sprachkurse werden „im Sinne einer Nothilfe“ finanziert, sagt Klaus Schuberth, Chef der Landes-Arbeitsagentur. Eigentlich darf die Behörde nur berufsspezifische Sprachkurse bezahlen. Doch laut Schuberth können die Deutschkenntnisse „die berufliche Integration und damit auch die Integration der Asylbewerber in die Gesellschaft“ unterstützen. Das Angebot richtet sich an Menschen aus vier Staaten: Syrien, Eritrea, Iran und Irak. Bei ihnen wird vorausgesetzt, dass sie nicht aus einem sicheren Herkunftsstaat stammen.

Die Deutschkurse dauern acht Wochen, mit je 40 Schulstunden zu 45 Minuten. Bildungsfirmen und Volkshochschulen mussten die Klassen selbst zusammenstellen und hatten dafür wenig Zeit: Im Oktober wurden die Vorschriften im Bundesgesetzblatt verkündet, bis Silvester mussten die Kurse beginnen. Spätere werden nicht mehr bezahlt, betont die Arbeitsagentur – das Angebot sei eine Ausnahme gewesen.

Berufskenntnisse erfasst

Die Arbeitsagentur will die Sprachkurse auch dazu nutzen, die beruflichen Kompetenzen der Teilnehmer festzustellen. Dazu gehen Mitarbeiter der Behörde von Kurs zu Kurs und fragen nach Kenntnissen: „Wir müssen wissen, wer was kann“, sagt Behördenchef Schuberth. Erst dann könne mit jedem „der Fahrplan zur Integration in Arbeit“ aufgestellt werden.

Gut vier Fünftel der Teilnehmer sind Männer, dabei gibt es kaum Unterschiede zwischen den vier Herkunftsländern. 44 Prozent der Schüler sind jünger als 25 Jahre, 52 Prozent zwischen 24 und 49 Jahre alt. Dresden hat die meisten Kurse zusammengestellt mit insgesamt 1 887 Teilnehmern. In Leipzig sind es 1 222, in Bautzen 960 und in Pirna 251.

Die Deutschkurse mit Geld der Arbeitsagentur sind nicht die einzigen Angebote in Sachsen. Viele Ehrenamtler bringen Flüchtlingen Deutsch bei, etwa über die Vereinigung Damf Dresden. Zudem sind im Dezember „Wegweiserkurse für Asylsuchende in Erstaufnahmeeinrichtungen“ angelaufen, organisiert von Volkshochschulverband und Verein Arbeit und Leben Sachsen. Diese Kurse dauern eine Woche und enthalten außer Deutsch auch kulturelle Hinweise, die von Einwanderern in verschiedenen Sprachen gegeben werden.