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Dienstag, 11.03.2014

Deutscher Nationalpreis für Leipziger Montagsdemonstrationen

Sie gelten als Helden der friedlichen Revolution von 1989: Der Deutsche Nationalpreis 2014 geht zum 25. Jubiläum des Mauerfalls an Repräsentanten der Leipziger Montagsdemonstrationen.

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Der Deutsche Nationalpreis 2014 geht an die Repräsentanten der Leipziger Montagsdemonstrationen zur Erinnerung an die friedliche Revolution in der DDR und den Fall der Mauer vor 25 Jahren.
Der Deutsche Nationalpreis 2014 geht an die Repräsentanten der Leipziger Montagsdemonstrationen zur Erinnerung an die friedliche Revolution in der DDR und den Fall der Mauer vor 25 Jahren.

© dpa

Hamburg. Der Deutsche Nationalpreis 2014 geht an die Repräsentanten der Leipziger Montagsdemonstrationen zur Erinnerung an die friedliche Revolution in der DDR und den Fall der Mauer vor 25 Jahren. „Der Preis würdigt Menschen, deren revolutionärer Mut und deren Gewaltverzicht den Einsturz des DDR-Regimes und den Fall der Mauer bewirkten“, sagte der Vorstand der Deutschen Nationalstiftung, Dirk Reimers, am Dienstag in Hamburg. Die mit 60.000 Euro dotierte Auszeichnung gehe stellvertretend an die ehemaligen Pfarrer Christian Führer (Nikolaikirche), Christoph Wonneberger (Lukaskirche) und den Bürgerrechtler Uwe Schwabe und zur anderen Hälfte an das „Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.“.

„Der Mauerfall am 9. November prägt für Westdeutsche den Herbst 1989, weil da die Trabbis kamen. Dieses wunderbare Ereignis überstrahlt aber zu Unrecht den 9. Oktober, ohne den es die plötzliche Maueröffnung nicht gegeben hätte“, sagte der Vorstandsvorsitzende Prof. Richard Schröder. An diesem Montag sollte die Demonstration gewaltsam beendet werden. „Es kamen aber viel mehr als erwartet. Deshalb wagten die Sicherheitskräfte den Angriff nicht“, meinte Schröder. Diese Kapitulation habe den Rücktritt Honeckers am 18. Oktober nach sich gezogen und die Maueröffnung erst ermöglicht. „Die Preisträger haben gezeigt, das jeder Mensch Geschichte schreiben kann“, sagte der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung.

Christian Führer (71) wurde 1980 Gemeindepfarrer der Nikolaikirche in Leipzig und verantwortete dort bis zur Revolution Friedensgebete, Fürbitt-Andachten für Verhaftete und Gesprächskreise für Ausreisewillige. Christoph Wonneberger (70) ist der Initiator der von vielen Gemeinden in der DDR übernommenen Friedensgebete. Anfang 1987 koordinierte er die Friedensgebete als Gemeindepfarrer der Leipziger Lukaskirche. Aus ihnen entwickelten sich die Montagsdemonstrationen. Bürgerrechtler Uwe Schwabe (52) gehörte zu den Gründern des Neuen Forums in Leipzig und des „Archivs Bürgerbewegung Leipzig e.V.“, deren Vorstandsvorsitzender er heute ist.

Die 1993 von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) gegründete Deutsche Nationalstiftung will das Zusammenwachsen Deutschlands fördern, die nationale Identität der Deutschen bewusst machen und die Idee der deutschen Nation als Teil eines vereinten Europas stärken. Zu den bisherigen Preisträgern gehörten auch die Initiative zum Wiederaufbau der Frauenkirche und das Neue Forum. Der Preis wird am 24. Juni in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin verliehen. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Micke

    Dankeschön für diesen Eintrag hier. Ja, die Zeit vergeht und viele Jugendliche wissen nichts mehr mit diesem Ereignis anzufangen. eigentlich schade.

  2. Peter Schubert

    Gut und richtig. Doch - zum friedlichen Verlauf gehören natürlich beide Seiten. Also auch das besonnene Verhalten führender Leute der DDR-Staatsmacht. Am 8. Oktober in Dresden verhandelte OB Berghofer mit den Demonstranten, natürlich mit Rückendeckung von Modrow. Und am Montag, dem 9. Oktober 1989 gehörten zu den sechs prominenten Leipzigern, die den Aufruf "Keine Gewalt!" verfassten, außer Kurt Masur und dem Kabarettisten Bernd-Lutz Lange eben auch die Sekretäre der SED-Bezirksleitung Meyer, Pommert und Wötzel. Und am 13. Oktober 1989 nötigten Egon Krenz und Fritz Steletz den noch amtierenden Honecker zur Unterschrift unter den Befehl Nr. 9/89 - "Schusswaffeneinsatz ist grundsätzlich verboten" - und der unterschrieb! Das alles ist durchaus nicht selbstverständlich - siehe Platz des Himmischen Friedens, Syrien, Ukraine ... Ich meine, für dieses Verhalten in den entscheidenden Tagen - nicht insgesamt - hätten mindestens auch Egon Krenz und Hans Modrow Auszeichnungen verdient.

  3. Martin H.

    @ Peter Schubert: Ihre Argumentation zieht einem die Schuhe aus. Sie machen Täter zu Opfern und verharmlosen ein verbrecherisches Regime. Noch 20 Jahre weiter und die Demonstranten sind Verbrecher die ein "legitimes" Regime beseitigt haben? Mir wird schlecht! Wenn jemand ein Dieb ist, bleibt er ein Dieb, auch wenn er nicht bei jeder Gelegenheit klaut. Wenn sich die genannten Personen, die den Unterdrückungsapparat jahrelang willfährig unterstützt haben, sich einmal "ordentlich" verhalten, macht sie das noch nicht zu Heiligen. Oder um es Ihnen drastisch vor Augen zu führen. Ein KZ-Wächter wird nicht dadurch zum Menschenfreund, weil er sich einem Insassen einmal gegenüber korrekt verhält. Jedes Gericht würdigt bei der Bewertung einer Person sein gesamtes Verhalten, nicht nur ein singuläres Ereignis.

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