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Dienstag, 05.01.2016

Wenn Keime die Blase entzünden

Es gibt mehrere Risikofaktoren – vor allem für Frauen. Oft helfen nur noch Antibiotika.

Von Sabine Meuter

Dauernd aufs Klo – ein erstes Warnzeichen.
Dauernd aufs Klo – ein erstes Warnzeichen.

© 123rf.com

Immer wieder Druck auf der Blase. Und dann – endlich auf der Toilette. Doch es schmerzt und brennt. So äußert sich eine Blasenentzündung. Leichtere Fälle können Betroffene mit viel Trinken, Wärme und Ruhe selbst therapieren. Tritt nach zwei Tagen keine Besserung ein, sollte man unbedingt zum Arzt gehen. Dann muss die Entzündung eventuell mit Antibiotika behandelt werden.

„In 95 Prozent aller Erkrankungen sind Frauen betroffen“, erklärt Christian Albring vom Berufsverband der Frauenärzte. Denn bei Frauen ist die Harnröhre kürzer. Zudem liegt ihr Harnröhrenausgang nah am After. „Beim Mann ist eine Blasenentzündung fast immer mit einer Entzündung der Prostata verbunden“, sagt Wolfgang Bühmann, Sprecher des Berufsverbandes der Deutschen Urologen.

Blasenentzündungen – „akute Zystitis“, so der Fachbegriff – werden meist durch Keime hervorgerufen. „Häufigste Ursache ist die Verschleppung von Bakterien aus dem Darm zur Harnblase“, erläutert Albring. Auch andere Erreger können der Auslöser sein. Sie werden etwa über Sexualkontakte übertragen. Meistens sind es jedoch Scheidenbakterien, die durch die Bewegungen beim Geschlechtsverkehr zur Blase transportiert werden – also keine Bakterien vom Partner.

Risikofaktoren sind Kälte und Nässe, hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren, ein schwaches Immunsystem oder Stoffwechselstörungen wie Diabetes. Albring weist auch darauf hin, dass viele Frauen mit zunehmendem Alter immer weniger trinken. „Dadurch werden erstens aufsteigende Keime beim Wasserlassen nicht herausgespült, und zweitens wird die Blasenschleimhaut durch den konzentrierteren und damit aggressiveren Urin zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen.“

Baumwollunterwäsche beugt vor

Mögliche Beschwerden lindern „können pflanzliche Arzneimittel, die auch ohne Rezept erhältlich sind“, sagt Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. „Schwangere, Männer, Kinder sowie Frauen mit chronischer Blasenentzündung sollten schon bei den ersten Beschwerden zum Arzt gehen.“

Gleiches gilt, wenn sich im Urin Blut befindet oder die Betroffenen Schmerzen im unteren Rückenbereich haben. Verschrieben wird dann in aller Regel ein Antibiotikum. Ohne eine solche Therapie besteht die Gefahr, dass die Keime aus der Blase über die Harnleiter aufsteigen und die Nieren befallen. „Im schlimmsten Fall kann dies zu bleibenden Nierenschäden führen“, warnt Bühmann. Sich auf einer Toilette zu infizieren, die zuvor jemand mit Blasenentzündung aufgesucht hat, ist unwahrscheinlich. Keime, die sich möglicherweise noch in der Toilettenschüssel befinden, können schließlich „nicht springen“, erklärt Bühmann.

Ebenfalls unwahr ist dem Urologen zufolge die Annahme, die Keime für eine Blasenentzündung könne man sich in einem Schwimmbecken holen: „Das Chlor tötet Bakterien ab.“ Dagegen ist es möglich, dass feuchtes Badezeug, das nach dem Schwimmen nicht gewechselt wird, die Intimregion auskühlen lässt und den Abwehrmechanismus schwächt.

Grundsätzlich einer Blasenentzündung vorbeugen kann man, indem man viel trinkt und die Blase regelmäßig leert. Außerdem sollte man gerade im Winter nicht zu knappe Baumwollunterwäsche tragen, um den Unterleib gut gegen Minustemperaturen zu schützen. Auch die Füße hält man besser warm. Und: „Der Analbereich sollte immer von vorne nach hinten gesäubert werden, um ein Eindringen von Darmbakterien in die Harnröhre zu verhindern“, betont Bühmann. (dpa)