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Mittwoch, 20.09.2017

Wenn das Kind Fieber hat

Die Temperaturen sinken, die Gefahr einer Erkältung steigt. Schnell greifen Eltern dann zu Medikamenten. Was Ärzte raten – und wie gut rezeptfreie Mittel wirklich sind.

Von Ricarda Terjung

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Manche Kinder leiden mehr unter Fieber, andere weniger. Auch auf Medikamente reagieren die Kleinen unterschiedlich.
Manche Kinder leiden mehr unter Fieber, andere weniger. Auch auf Medikamente reagieren die Kleinen unterschiedlich.

© dpa-tmn

Die Stirn des Kindes fühlt sich warm an – sofort sind Eltern in Sorge. Sollen wir dem Kleinen ein Schmerzmittel geben? Die Antwort auf die vermeintlich einfache Frage ist allerdings gar nicht so leicht: „Es gibt nicht die eine Körpertemperatur, ab der man Kindern fiebersenkende Medikamente geben sollte“, sagt Professor Reinhard Berner, Direktor der Kinderklinik am Universitätsklinikum in Dresden.

Dass die Körpertemperatur ansteigt, wenn Kinder nicht ganz gesund sind, habe sogar sein Gutes, ergänzt Daniel Waldschik. Er ist Redakteur bei der Zeitschrift Öko-Test, die unlängst Fiebermittel für Kinder mit den Wirkstoffen Paracetamol und Ibuprofen getestet hat. Waldschik erklärt: „Viren und Bakterien vermehren sich bei höherer Temperatur weniger. Die Krankheitserreger haben es dann schwerer, sich im Körper auszubreiten.“

Ab 38,5 Grad Celsius sprechen Ärzte bei Kindern von Fieber, bei Säuglingen ab 38 Grad, so Waldschik. Aber wann sollten Eltern zu fiebersenkenden Mitteln greifen? Klinikdirektor Berners Antwort: „Wenn sie das Gefühl haben, dass das Kind erheblich unter dem Fieber leidet.“ Erst bei einer Körpertemperatur von 40 Grad oder mehr empfiehlt er unbedingt den Einsatz von Medikamenten – und den Gang zum Arzt.

24 fiebersenkende Säfte und Zäpfchen, die rezeptfrei erhältlich sind, hat Öko-Test unter die Lupe genommen. Etwa zwei Drittel der getesteten Mittel enthalten Paracetamol, der Rest Ibuprofen. Beide wirken schmerzlindernd, Letzteres auch antientzündlich. Es darf aber bei Kindern unter sechs Monaten nicht angewendet werden.

Grundsätzlich gilt laut Waldschik: Wenn die Eltern sich entschieden haben, ihrem Sohn oder ihrer Tochter ein Medikament zu geben, sollten sie sich auf einen Wirkstoff festlegen und nicht zwischen beiden wechseln. Denn das Pendeln führe recht schnell zu einer Überdosierung, erklärt Klinikchef Berner. „Dann drohen Leberschäden“, sagt er. Ohnehin vertrügen die meisten Kinder einen der beiden Wirkstoffe besser als den anderen.

Die Wirksamkeit der getesteten Medikamente ist in allen Fällen belegt. Die meisten davon können Eltern ihren Sprösslingen bedenkenlos geben. Sie haben den Test mit „sehr gut“ bestanden. Bei vier der Mittel haben die Tester jedoch Mängel bei den Hilfsstoffen festgestellt und deshalb nur ein „gut“ vergeben. In fünf Medikamenten fanden sie problematische Konservierungsstoffe: in drei Fällen Polyparaben, in zwei Fällen Natriumbenzoat.

Polyparaben, das etwa im „Ibuprofen AL 2 % Saft für Kinder“ enthalten ist, steht laut Waldschik im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken. Als Inhaltsstoff von Lebensmitteln sei es daher nicht zugelassen. Bei Natriumbenzoat handele es sich um eine Substanz, die Kinder unter zwei Jahren nicht verstoffwechseln können. Wenn sie sich im Körper anreichere, könne sie schlimmstenfalls das Hirn schädigen. Aber: Bei den üblicherweise zur Konservierung eingesetzten Mengen bestehe nur ein sehr geringes Risiko.

Zwei der getesteten Mittel enthalten bedenkliche Farbstoffe, die Unverträglichkeitsreaktionen wie Hautausschläge auslösen können. Wenn diese Farbstoffe in Lebensmitteln verarbeitet werden, so Waldschik, müsse der Hinweis „kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“ auf der Verpackung stehen.

Günstige Mittel (Auswahl)

  • Die günstigsten Säfte mit sehr gutem Testergebnis und ohne bedenkliche Inhaltsstoffe sind der Paracetamol AL Saft und der Paracetamol Saft – 1A Pharma. 100 Milliliter kosten je 3,12 Euro.
  • Die günstigsten Zäpfchen mit sehr gutem Ergebnis und ohne bedenkliche Inhaltsstoffe sind die Paracetamol AbZ 250 mg Zäpfchen und die Paracetamol AL 250 Zäpfchen. Preis pro 10 Zäpfchen: je 1,26 Euro.
  • Die einzige Lösung der getesteten Präparate ist die Paracetamol-Ratiopharm Lösung. Sie enthält keine bedenklichen Inhaltsstoffe. Testergebnis: sehr gut. Die Lösung kostet 3,14 Euro pro 100 Milliliter. (rict)

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. EausD

    Immer gleich zu Medikamenten greifen finde ich nicht richtig. Warum wird in solch einem Artikel nicht darüber gesprochen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt. Kinder mit leichtem Fieber fühlen sich nicht wohl. Sie brauchen mehr Zuwendung. Wadenwickel, kühlende Getränke, durchaus auch mal ein Eis, Obst, ruhiger Aufenthalt an frischer Luft sind ebenso wirksam. Warum immer gleich der Gang zur Apotheke? Bequemlichkeit? Mangelnde Informationen?

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