Dienstag, 13.11.2012

Welche Bettdecke passt zu mir?

Kamelhaar, Synthetik oder Daune: Wer das falsche Modell wählt, schwitzt, friert – oder riskiert Zoff mit dem Partner.

Von Gian-Philip Andreas

Bettdecken sollten regelmäßig ausgeschüttelt und gelüftet werden – das wusste schon Frau Holle aus dem Märchen der Gebrüder Grimm. Denn wir schwitzen jede Nacht mindestens einen Viertelliter Flüssigkeit aus.Foto: dpa
Bettdecken sollten regelmäßig ausgeschüttelt und gelüftet werden – das wusste schon Frau Holle aus dem Märchen der Gebrüder Grimm. Denn wir schwitzen jede Nacht mindestens einen Viertelliter Flüssigkeit aus.Foto: dpa

Wozu das Schlafzimmer heizen, wenn es eine warme Bettdecke gibt – so denken viele Verbraucher. Doch nicht immer wärmt die Decke genug. Oder sie heizt so stark ein, dass der Schweiß fließt. Schwitzt der Gatte und friert seine Frau – seltener andersherum – kann ein unterschiedliches nächtliches Temperaturempfinden zu Streit führen. Hier helfen getrennte Decken: „Wenn die Frau nachts 60 Watt Energie erzeugt und der Mann 100 Watt, werden diese individuellen Ansprüche heute eben mit verschiedenen Zudecken bedient“, sagt Martin Auerbach, Chef des Verbandes der Deutschen Heimtextilien-Industrie. Doch wie findet man die passende Decke?

Daune ist am wärmsten

Wer sich neu eindecken möchte, hat die Auswahl zwischen diversen Füll- und Bezugsmaterialien – abgestimmt auf das eigene Temperaturempfinden. Eine Decke muss aber mehr als nur Wärme spenden. Sie muss Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. „Der Körper verliert pro Nacht mindestens einen Viertelliter Flüssigkeit, und 80 Prozent davon landen in der Bettdecke“, erläutert Auerbach.

Wie schlafe ich? Wie ist mein Temperaturempfinden? Das müssen Verbraucher beim Kauf von Decken beachten, sagt Friedrich Verse vom Verband der Deutschen Daunen- und Federnindustrie (VDFI) in Mainz. Aber es zähle auch, ob der Nachbarn nachts die Heizung laufen lässt und sie Wärme abgibt. Oder ob man gerne bei offenem Fenster schlafe.

Es gibt vor allem drei Füllungen: Daunen, Synthetikfasern und Naturhaare. „Am wärmsten wird es immer noch mit Daunen“, sagt Verse. „Sie sind anschmiegsamer und wärmer als synthetische Produkte.“ Sanfter als Entendaunen seien Gänsedaunen, am edelsten und teuersten die Daunen des Eiders, einer Meerente aus Skandinavien.

Meist werden Daunendecken mit Federbeimischungen verkauft. Aber erst ab einem Anteil von 60 Prozent Daunen in der Füllung darf von Daunendecken gesprochen werden. „Tatsächlich werden mittlerweile wieder mehr 80- oder 90-prozentige Daunendecken gekauft als noch vor Jahren“, sagt Verse.

Aber die Industrie hat sich etwas einfallen lassen: „Hochwertige Funktionsfasern sind inzwischen in der Lage, nahezu alle Eigenschaften der Daunen nachzuahmen“, sagt Barbara Schmidt-Zock vom Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie. Auch seien sie teilweise sogar leichter als die Daunendecken. Aber es gebe große Unterschiede zwischen den verschiedenen synthetischen Fasern.

Synthetikfaserfüllungen haben einen großen Vorteil: Sie sind waschbar – teils sogar in der Kochwäsche. Das nützt Hausstauballergikern. Denn erst hohe Waschtemperaturen können den Allergenen im Kot der Hausstaubmilben zusetzen. Allerdings können heute auch viele Daunendecken bei 60 Grad gewaschen werden.

Wirklich sicheren Schutz vor Milben bieten sogenannte Encasings. Das sind milbendichte Bezüge, die über die Decke sowie Kissen und Matratze kommen, so das Informationsportal bettwaren-beratung.net. Für kleinere Kopfkissen gibt es auch einen Hausfrauentipp: „Die kommen 24 Stunden lang ins Gefrierfach, dann sind die Milben tot“, rät Thomas Müller vom Hersteller Badenia.

Als eine gute Alternative zu Daunen und Synthetikfasern gilt Schafschurwolle. Sie kann Feuchtigkeit besonders gut aufnehmen. Auch hochwertige und damit kostspielige Naturhaare sind beliebt. Das exotische Kamelhaar etwa gilt als temperaturausgleichend. Edler noch ist feine Wolle aus dem Unterfell der Kaschmirziege. Beide haben aber einen Nachteil, sagt Müller: „Weder Kaschmirwolle noch Kamelhaar kann man waschen. Damit muss man in die Reinigung.“ Andere Naturmaterialien sind Kapok und Hanf.

Auch das Deckenmodell ist entscheidend. Fachmann Verse rät von Vierjahrszeiten-Decken ab, die je nach Saison aus mehreren Lagen bestehen können. „Es liegen dabei vier Stoffschichten auf dem Schlafenden, und das macht die Decke schwer.“ Auch Auerbach empfiehlt, unter leichten Decken zu schlafen: „Je größer der Druck, desto schlechter schläft man.“ Leichter und damit angenehmer sind laut Verse Einziehdecken, wo eine wärmeisolierende Luftschicht die Lagen trennt.

Letztendlich, empfiehlt die Zeitschrift Ökotest, bleibt dem Verbraucher nur, sich im Fachhandel gut beraten zu lassen – und auszuprobieren. „Eine einheitliche Kennzeichnung, wie stark Bettdecken Wärme isolieren, gibt es leider nicht“, bedauert Ökotest. „Die Hersteller verwenden unterschiedliche Systeme mit Wärmeklassen, zum Beispiel von eins bis fünf, oder machen gar keine Angabe.“ Die Folge: Eine Decke, unter der ein molliger junger Mann bei 18 Grad Celsius Zimmertemperatur schwitzt, kann für eine schlanke ältere Dame durchaus zwei Stufen zu dünn sein.

Ob man friert oder schwitzt, beeinflusst außerdem die Bettwäsche. Für Laken und Bezüge sei im Winter Flanell eine gute Wahl, rät Schmidt-Zock. „Besonders empfehlenswert ist Biber.“ Das dichte, flanellartige Baumwollgewebe, das mit dem Fell des gleichnamigen Nagetiers nichts zu tun hat, ist an einer oder beiden Seiten aufgeraut. „Das fühlt sich beim Schlafen wärmer und weicher an.“

Im Sommer empfiehlt Schmidt-Zock glattere Baumwollqualitäten, Satin, Batist, Seiden oder Seersucker. Letzteres ist ein Gewebemix aus glatten und gerafften Stoffreihen, der besonders aus einem Grund beliebt sei: Er muss nicht gebügelt werden. (dpa)