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Samstag, 15.07.2017

Was wird mit dem digitalen Nachlass?

Notare und Anwälte aus Sachsen antworten beim SZ-Telefonforum auf Fragen.

Von Gabriele Fleischer

Stirbt ein Mensch, dürfen Hinterbliebene nicht ohne Berechtigung auf seine digitalen Daten zugreifen. Sie gelten als digitaler Nachlass.

Was ist ein digitaler Nachlass?

Das sind Daten, die mithilfe elektronischer Medien generiert oder gespeichert sind – E-Mail-Accounts, soziale Netzwerke, Homepages, Portale, Streaming-Angebote, Cloud-Dienste, Kontakte, Mitgliedschaften, Zugangsberechtigungen zu Online-Banking oder E-Mail-Konten.

Wie gehen Erben damit um?

Um an die Daten zu kommen, können professionelle Datensuchdienste helfen, sagt Manuel Kahlisch von der Notarkammer Sachsen. Diese würden zwar gezielt recherchieren, aber auch ein solcher Dienstleister könne keine Vollständigkeit garantieren und bekomme Einblick in die Privatsphäre. Was er für seine Leistung verlangt, hängt von seinen individuellen Recherchen ab. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Firmen zu nutzen, die mit wenig Daten wie Name und Anschrift des Verstorbenen bei den größten deutschen Online-Unternehmen überprüfen, welche Konten und Verträge existieren.

Wie lässt sich vorbeugen?

„Zu Lebzeiten sollte eine Übersicht aller Accounts mit Benutzernamen und Kennwörtern auf einem verschlüsselten USB-Stick gespeichert werden“, sagt Frank Simon, Fachanwalt für Erbrecht aus Dresden. Die Auflistung müsse regelmäßig aktualisiert werden. Der USB-Stick sollte an einem sicheren Ort wie einem Bankschließfach, deponiert oder an eine Vertrauensperson übergeben werden. In einer Vollmacht sei zu regeln, wer sich um den Nachlass kümmert. „Wichtig ist, dass die Vollmacht, die auch Bestandteil einer Vorsorgevollmacht sein kann, über den Tod hinaus gilt, schriftlich verfasst, mit Datum und unterschrieben ist“, sagt Simon. Sie müsse nicht notariell beurkundet werden. Das ist nur bei wichtigen Rechtsgeschäften wie Grundstücksveräußerungen nötig. Die Kosten hängen laut Notarkammer vom Vermögen des Vollmachtgebers ab. Bei 100 000 Euro seien das mit Umsatzsteuer und Auslagen 165 Euro. Informationen zu Internetaktivitäten und Zugangsdaten können auch auf einem lokalen Datenträger gespeichert werden, der unter einem Master-Passwort verschlüsselt und als Teil der Vollmacht beim Notar hinterlegt wird. (mit dpa)

Fragen zum Erbrecht beantworten drei Notare und ein Anwalt am Mittwoch, dem 19. Juli, von 12 bis 14 Uhr.