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Freitag, 10.05.2013

Veganer sind keine Kostverächter

Blass und kränklich: Solch ein Bild haben Fleischesser oft vor Augen, wenn sie hören, dass jemand tierische Produkte meidet. Doch wer auf intelligente Nährstoffzufuhr achtet, kommt auch als Veganer gut durchs Leben.

Von Nicola Menke, dpa

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Wer seinen Speiseplan schlau zusammenstellt, kommt auch ohne tierische Produkte gut durchs Leben (Symbolfoto).
Wer seinen Speiseplan schlau zusammenstellt, kommt auch ohne tierische Produkte gut durchs Leben (Symbolfoto).

Berlin. Der Durchschnittsdeutsche ist ein Fleischliebhaber: Er verzehrt im Schnitt 150 Gramm Fleisch und Wurst pro Tag. Da ist es kein Wunder, dass ein „Nein“ zum Fleisch gelegentlich belächelt wird - auch wenn es hierzulande mittlerweile sechs Millionen Vegetarier gibt. Auf noch mehr Unverständnis stoßen Menschen, die auch auf Milch und Eier und alles, was daraus hergestellt wird, verzichten - sogenannte Veganer. „Es wird immer gleich an dürre, kränkliche Genussverweigerer gedacht. Dabei ist veganes Essen gesund und lecker“, sagt Christian Vagedes.

Der 39-Jährige hat 2010 die Vegane Gesellschaft Deutschland in Berlin gegründet. Er lebt seit mehr als zehn Jahren vegan und ist weder abgemagert noch gesundheitlich angeschlagen. Seine Blutwerte und sein Nährstoffhaushalt, die er regelmäßig beim Arzt checken lasse, seien ebenfalls gut.

Tatsächlich sind es nicht nur überzeugte Veganer wie Vagedes, die tierproduktfreie Ernährung positiv beurteilen: „Es spricht absolut nichts dagegen, sich vegan zu ernähren. Wenn man auf eine ausgewogene Nährstoffzufuhr achtet, ist es sogar sehr gesund“, erklärt Prof. Johannes Wechsler, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Ernährungsmediziner. So seien Veganer seltener übergewichtig und hätten durch ihre fett- und cholesterinarme Pflanzenkost ein geringeres Risiko, an Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck zu erkranken.

Möglicherweise hemmt vegane Kost auch die Entstehung von Krebs. Einer der Gründe dafür ist der Fleischverzicht: „Besonders den Konsum von rotem Fleisch hat man in Studien als Risikofaktor für Krebs erkannt“, erklärt Wechsler. Als Krebshemmer gelten dagegen die in Obst und Gemüse reichlich vorhandenen Antioxidantien. „Das sind Stoffe, die die Zellen vor Schäden schützen und ihre Entartung verhindern. Und als Veganer nimmt man sie in besonders hohem Maße auf“, erklärt Zehra Karadeniz vom Verband der Oecotrophologen.

Nicht einfach drauflos zu essen

Voraussetzung für ein gesundes, veganes Leben ist, nicht einfach drauflos zu essen. „Wenn ich vegan lebe, aber nur Junkfood zu mir nehme, ist das natürlich nicht gesund. Man muss sich schon ausgewogen ernähren“, betont Vagedes. Im Grunde heißt das das Gleiche wie bei Nichtveganern: viel frisches Obst und Gemüse, damit der Vitalstoffhaushalt stimmt. Hochwertige Kohlenhydrate - etwa aus Vollkorngetreide und Kartoffeln -, ungesättigte Fette und ausreichend Eiweiß. Das bekommen Veganer etwa aus Hülsenfrüchten und Soja.

Durch den Wegfall der tierischen Nahrungsmittel können sich aber Defizite ergeben: „Es kann zu einem Mangel an Eisen, Kalzium, Vitamin B12 und Vitamin D kommen“, sagt Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik. Kümmern sich Veganer nicht um Ausgleich, habe das Folgen - etwa chronische Müdigkeit bei fehlendem Eisen oder brüchige Knochen bei Kalziummangel. Veganer sollte ihren Nährstoffstatus daher regelmäßig vom Arzt prüfen lassen.

Mit dem nötigen Hintergrundwissen wird aus dem Nährstoffminus aber wieder ein Plus: „Man kann fast jeden Bedarf komplett über pflanzliche Lebensmittel decken. Zum Beispiel kriegt man Eisen aus Nüssen und Vollgetreide und Kalzium aus dunkelgrünem Gemüse wie Rucola und Sojaprodukten“, erläutert Oecotrophologin Karadeniz.

Oft geht es aber nicht allein darum, einen Nährstoffausgleich zu schaffen, sondern um pflanzliche Alternativen zu bestimmten tierischen Produkten. Während das vor einem Jahrzehnt oft noch schwierig war, wenn es nicht gerade um den Butterersatz Margarine ging, ist das heute anders. Es gibt Milch aus Soja oder Getreide, Tofusteaks und -würste und zahlreiche vegane Käsesorten. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Antonietta

    Vegan ist eine hauptsächlich ethisch begründete Lebens- und Ernährungsweise, die es ermöglicht, möglichst wenig Tierleid zu verursachen. In der Praxis sieht es so aus, dass der Veganer und die Veganerin sich rein pflanzlich ernähren und tierliche Produkte meiden. Die Produktion von vegetarischen, tierlichen Produkten, Eier, Milch, Wolle, Seide, Daunenfeder, ist in der heutigen üblichen Praxis mit erheblichem Tierleid verbunden.

  2. Homojoteloiton

    Danke für Ihren Beitrag, Antonietta! - Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

  3. Andi

    Auch wenn der ethische (ökologische usw) Aspekt in diesem Artikel gar nicht zur Sprache kommt, ist er ziemlich gut. Solche Artikel würde ich per E-Mail an alle meine voreingenommenen Bekannten schicken, wenn es denn nicht wieder heißen würde, ich missioniere!

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