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Donnerstag, 07.09.2017

Tschüss Schnuller!

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Ich gebe ihn nicht her!
Ich gebe ihn nicht her!

© dpa-tmn

  • Ich gebe ihn nicht her!
    Ich gebe ihn nicht her!
  • Prof. Dr. med. Veit Rößner
    Prof. Dr. med. Veit Rößner

Frage: Unsere zweieinhalbjährige Tochter hat noch einen Schnuller. Bald soll sie aus der Krippengruppe in den Kindergarten wechseln. Spätestens dann soll er weg sein. Wie gelingt die Entwöhnung?

Antwort: Ein günstiger Zeitpunkt zur Entwöhnung scheint für Experten die Vollendung des ersten Lebensjahres, spätestens jedoch der zweite Geburtstag. Üblicherweise geben Kinder in diesem Alter den lieb gewonnenen Wegbegleiter nicht von selbst auf. Vielmehr müssen Sie als Erwachsene den Abschied ankündigen und umsetzen.

Wählen Sie günstigstenfalls einen Zeitraum, in welchem Ihre Tochter keinen zusätzlichen Belastungen wie Geburt eines Geschwisterkindes oder Trennung ausgesetzt ist, beziehungsweise gleichzeitig ein bedeutender Entwicklungsschritt wie das Sauberwerden ansteht. Um den Abschiedsprozess vorzubereiten, stehen mittlerweile anschauliche Kinderbücher zur Verfügung. Je älter das Kind ist, desto besser kann man ihm erklären, worin die Nachteile des „Schnullerns“ liegen. Neben einer besseren Verständlichkeit der Sprache kann ein gut sichtbares Lächeln oder der Verweis auf das Kindergartenalter hilfreich sein. Verzichten Sie jedoch generell auf Strafen oder bittere Tinkturen, die den Schnuller unattraktiv machen sollen. Grundsätzlich stehen Ihnen beim Ablauf zwei Vorgehensweisen zur Verfügung.

Im Sinne einer gestuften Entwöhnung können Sie zunächst die Nutzung des Schnullers begrenzen. Mindestens sollte Ihre Tochter jedoch ohne Schnuller sprechen. Verweigert sie dies, signalisieren Sie bitte deutlich, sie „leider nicht verstanden“ zu haben. Führen Sie beispielsweise in einem ersten Schritt ein, dass Ihre Tochter den Schnuller nur noch zu bestimmten Zeiten, wie beim Einschlafen, nutzen darf. Auch ein Abkommen, den Schnuller zunächst nur noch zu Hause, später nur noch im Kinderzimmer und zum Schluss nur noch nachts zu nutzen, kann gelingen. Alternativ können auch schnullerfreie Tage bzw. Nächte am nächsten Morgen mit einem kleinen Geschenk belohnt werden. Mit all diesen Optionen bleibt jedoch nach der Entschlussfassung einer Entwöhnung das Thema noch lange im Alltag bestehen.

In den ersten Tagen schwierig, meist aber als nachhaltiger beurteilt, ist im Gegensatz dazu ein radikaler Cut, das heißt, alle Schnuller verschwinden von einem Tag auf den anderen. Beispielsweise können Sie dem Nikolaus oder Osterhasen mitgegeben werden. Modern ist auch die sogenannte Schnullerfee, die den Schnuller mitunter gegen ein kleines Geschenk eintauscht. Alternativ kann der Schnuller auch im Rahmen einer neutralen Abschiedszeremonie gemeinsam entsorgt werden. Über den Schmerz kann ein Kuscheltier oder Vorleseritual trösten. Gemeinsam können Sie den Schnuller auch symbolisch an ein Neugeborenes verschenken. Erklären Sie, dass dieses Baby jetzt einen Schnuller braucht. Loben Sie für ihre Hilfsbereitschaft.

Haben auch Sie eine Frage an den Kinderpsychiater Prof. Dr. med. Veit Rößner vom Dresdner Uniklinikum? Schreiben Sie an die Sächsische Zeitung, Nutzwerk, 01055 Dresden oder eine Mail an expertentipp@redaktion-nutzwerk.de

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