erweiterte Suche
Donnerstag, 14.02.2013

Schnelleres WLAN zu Hause – nicht nur der Provider macht’s

Wenn das drahtlose Netzwerk schwächelt, kann man sich oft selbst helfen.

Von Clemens Schöll

Der richtige Router-Standort.Foto: dpa
Der richtige Router-Standort.Foto: dpa

Internet auf dem Sofa, am Küchentisch und sogar auf dem Klo: Im Vergleich zum klassischen Kabelnetz ist WLAN praktischer. Was aber, wenn die Videos aus dem Internet ruckeln? Eventuell ist daran der Provider schuld. Auf Webseiten wie www.speedtest.net können Nutzer überprüfen, wie schnell der Breitbandanschluss wirklich ist. Holger Skurk vom IT-Verband Bitkom rät, den Test zweimal zu machen: einmal am Netzwerkkabel und einmal über das drahtlose Netz. „Wenn letzteres schlechter ist als über Kabel, wird es wohl am WLAN liegen“, sagt der Experte.

Ist der Provider unschuldig, sollten sich WLAN-Nutzer zuerst mit der Schaltzentrale beschäftigen. Wichtig ist zunächst, welche Drahtlosstandards der Router unterstützt. Die schnellste aktuelle Variante ist 802.11n, die Standards a, b und g sind deutlich langsamer. Theoretisch existiert auch schon der Standard 802.11ac für noch höhere Übertragungsraten. Router oder Endgeräte gibt es dafür bisher aber kaum.

Entscheidend für das WLAN ist aber nicht nur, was der Router kann, sondern auch, wo er steht. „Er sollte gut sichtbar für den Rechner, aufgestellt sein“, erklärt Skurk. Auch das Gerät oder die Antennen zu drehen, könne nie schaden. Wirkung zeigt das aber meist nur, wenn die Entfernung zwischen Sender und Empfänger nicht mehr als ein paar Meter beträgt. Die Stärke des Funksignals zwischen Router und Rechner lässt sich an der Balkenanzeige in Windows ablesen. „Allerdings geht die Signalstärke nicht notwendigerweise mit der Übertragungsrate einher“, warnt Skurk. Wenn diese Grundlagen überprüft sind, wird es grundsätzlicher. Der Frequenzbereich für WLAN in Europa ist in 13 Kanäle aufgeteilt, damit sich nahe beieinanderliegende Netzwerke nicht stören. „In einem Mietshaus mit sechs Nachbarn, die alle WLAN nutzen, wird es schnell eng“, warnt Ernst Ahlers, Redakteur der Computerzeitschrift „c’t“. Mehr als drei Netze sind kaum störungsfrei nebeneinander zu betreiben. Der Grund: Die Funkkanäle liegen eng beieinander und kommen sich dadurch in die Quere.

Die meisten Router suchen sich selbst einen freien Kanal. Wenn das nicht funktioniert, sollte man die Automatik abstellen und den Kanal manuell wählen. „Das kann aber ein Katz-und-Maus-Spiel werden“, warnt Ahlers. Manche Nutzer stellen ihre Router ab, wenn sie das Haus verlassen. So herrschen abends plötzlich ganz andere WLAN-Bedingungen als am Tag.

Eine mögliche Lösung des Problems sind Dual-Band-Router, die sowohl auf dem herkömmlichen 2,4-Gigahertz-Band als auch auf dem 5-Gigahertz-Band funken. „Dort ist noch viel frei, und die Kanäle überschneiden sich nicht“, erklärt Skurk. Allerdings werde das Funksignal beim 5-Gigahertz-Band stärker durch Wände und andere Hindernisse gedämpft. Außerdem reicht es nicht, wenn nur der Router die Alternativfrequenz unterstützt – auch der Computer und andere Empfänger müssen damit klarkommen. Dual-Band-Router gibt es ab etwa 90 Euro, sagt Ernst Ahlers.

In einem Einfamilienhaus ist manchmal auch einfach die Distanz vom Sender zum Gerät zu groß. Hier kann der Einsatz eines sogenannten Repeaters helfen, der die Reichweite des Signals im Idealfall verdoppelt. „Die Datenrate sinkt dabei aber auf die Hälfte oder weniger, weil jedes Datenpaket zweimal durch die Luft geht“, sagt Ahlers und rät, stattdessen ein Kabel bis zum Repeater zu legen. Bei alten Routern kann es sich auch lohnen, die Firmware zu aktualisieren.

Meistens gibt es in den Verträgen keine Geschwindigkeitsgarantie, sondern nur eine Formulierung, dass beispielsweise bis zu 16 000 Kilobit pro Sekunde erreicht werden, erklärt Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Rechtliche Ansprüche seien daher schwierig. Chancen gibt es höchstens, wenn der Provider seine Angebote nach Geschwindigkeiten staffelt, also etwa DSL 2000, 6000 und 16 000 anbietet. „In diesem Fall sollte die Übertragungsrate des Tarifs zumindest über dem des nächstgünstigeren Angebots liegen“, sagt Bradler. Ob sich der Anbieter darauf einlasse, sei nicht sicher. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.