Mittwoch, 09.01.2013

Neue Siegel für glückliche Hühner

Mit den Labeln wollen Tierschützer den Konsumenten ein gutes Gewissen vermitteln. Doch wer sieht da am Ende noch durch?

Von Nina C. Zimmermann

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Glücklich ist, wer scharren kann: Hühner sollen viel Auslauf, Tageslicht und Beschäftigungsmöglichkeiten haben. Foto: dpa/Vier Pfoten Deutschland
Glücklich ist, wer scharren kann: Hühner sollen viel Auslauf, Tageslicht und Beschäftigungsmöglichkeiten haben. Foto: dpa/Vier Pfoten Deutschland

  • Glücklich ist, wer scharren kann: Hühner sollen viel Auslauf, Tageslicht und Beschäftigungsmöglichkeiten haben. Foto: dpa/Vier Pfoten Deutschland
    Glücklich ist, wer scharren kann: Hühner sollen viel Auslauf, Tageslicht und Beschäftigungsmöglichkeiten haben. Foto: dpa/Vier Pfoten Deutschland
  • Sterne für mehr Tierschutz: So sehen die neuen Siegel aus.Fotos: dpa
    Sterne für mehr Tierschutz: So sehen die neuen Siegel aus.Fotos: dpa

Stammt das Fleisch auf der Theke aus Massentierhaltung, oder ist es artgerecht erzeugt? Für Supermarktkunden ist das bislang kaum zu erkennen. Der Deutsche Tierschutzbund und die Tierschutzorganisation Vier Pfoten wollen jetzt Abhilfe schaffen: Sie vergeben Siegel für tierfreundlich hergestelltes Fleisch. Ab diesem Jahr sollen entsprechend gekennzeichnete Produkte bundesweit im Handel sein. Verbraucherschützer begrüßen die Idee zwar, kritisieren aber eine drohende Labelflut, der Kunden bald gegenüberstehen könnten.

Vorgeschrieben bei beiden Zeichen ist mehr Raum pro Tier, ein tiergerecht beschaffener Stall sowie die Möglichkeit zur Beschäftigung und zum Auslauf. Auch kürzere Transporte zum Schlachthof und eine wirkungsvolle Betäubung vor dem Schlachten sind Pflicht. Anders ist das laut Vier Pfoten bei Bio-Fleisch, bei dem sich die Standards ausschließlich auf die Haltung bezögen, nicht auch auf Transport und Schlachtung. Beide Organisationen bieten zwei Stufen ihrer Siegel an, um auch auf niedrigem Niveau Anreize für den Einstieg in die artgerechte Haltung zu schaffen. Für viele konventionelle Fleischerzeuger wäre schon das ein großer Schritt.

Der Tierschutzbund vergibt sein Siegel „Für mehr Tierschutz“ zunächst für Produkte von Masthühnern und Mastschweinen. Etwa 15 Höfe mit Schweinen des Handelsunternehmens Vion und 27 Geflügelhöfe des zum Unternehmen Wiesenhof gehörenden Privathof-Konzepts seien derzeit im Zertifizierungsprozess, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.

Schon bei der „Einstiegsstufe“ seien die Anforderungen deutlich höher als die gesetzlichen Regelungen, erläutert der Tierschutzbund. Für großindustrielle Tierhaltung sei das Label aber nicht erreichbar, weil es Gentechnik nicht erlaube und Obergrenzen für die Zahl der gemeinsam gehaltenen Tiere festlege. Die „Premiumstufe“ entspreche den aktuellen Erkenntnissen im Tierschutz und sei Ziel für alle Tiere. Nach den Kriterien des Vereins Neuland erzeugtes Fleisch erfülle schon jetzt diese besonders hohen Anforderungen.

Bereits seit Mitte November sind in Ostdeutschland Hähnchenfleisch-Produkte der Marke FairMast mit der Einstiegsstufe des Vier-Pfoten-Labels „Tierschutz-kontrolliert“ im Handel. Seit dieser Woche sind sie in allen Kaufland-Läden auch bundesweit erhältlich. Geplant ist das Label auch für Mastschweine und -rinder.

Die „Ein Stern“-Einstiegsstufe ist der Organisation zufolge ein Kompromiss, der auch Ansätze in der konventionellen Landwirtschaft unterstützt, die in Richtung mehr Tierwohl gehen. Stufe zwei, als „Drei Sterne“ bezeichnet, sieht darüber hinaus zum Beispiel vor, dass die Hühner auch Auslauf im Freien haben. Anders als beim Tierschutzbund gibt es bei beiden Stufen etwa Vorgaben zum Futter der Tiere; ein schlachtreifes Hähnchen muss mindestens 56 Tage alt sein.

Grundsätzlich sei es eine sinnvolle Sache, Kriterien für die tiergerechte Erzeugung festzulegen und diese dem Verbraucher klarzumachen, sagt Hartmut König von der Verbraucherzentrale Hessen. „Es ist gut, wenn Tiere mehr Platz, besseres Futter und weniger Antibiotika bekommen. Negativ ist aber, dass das wohl nicht die einzigen Tierwohl-Zeichen bleiben werden.“ Ein Wust von Zeichen könnte entstehen und die Verbraucher verwirren, befürchtet er.

König sieht in den neuen Labeln daher eher den Profilierungsversuch einzelner Organisationen, Hersteller und Handelsunternehmen. „Uns wäre eine gesetzliche Regelung lieber mit klaren Kriterien, die eingehalten werden müssen“, sagt der Verbraucherschützer. Das sei zum Beispiel der Vorteil des europaweit gültigen Bio-Siegels: Alle Anbieter müssen sich an die damit verbundenen Vorgaben halten. Laut dem Tierschutzbund bringen Bio-Betriebe außerdem die Grundvoraussetzungen mit, um neben dem Bio-Label auch das neue Label zu tragen. (dpa)

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