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Misst die SZ mit zweierlei Maß?

Ihre Zeitung veröffentlichte einen Kodex für Leserzuschriften. Keine Beleidigungen, keine Verächtlichmachungen. In einem SZ-Artikel wurden aber Pegida-Anhänger in die Nähe von Tieren gebracht. Hier gebe es Herden von „Öhs“, die sich mit primitiven Lauten verständigen. Leser legen Sie an die Leine, Redakteuren lassen Sie freien Lauf. MfG, Peter Spindler

25.03.2017

Sehr geehrter Herr Spindler,

legen wir die Leser an die Leine und geben selbst unserem Affen Zucker? So ist es nicht. Weder lassen sich Leser an die Leine legen, noch wollen wir das. Unsere Erfahrungen der vergangenen zwei, drei Jahre besagen allerdings, dass sich ein sehr kleiner Teil der Leser darin gefällt, sich mit ehrverletzenden, vor Hass geradezu triefenden Beiträgen zu Wort zu melden – oft auch noch anonym. Dies hat dazu geführt, dass die Kollegen von sz-online bei bestimmten Themen immer mal wieder die Kommentarfunktion abschalten mussten, weil die SZ für Hassmails, die sie nicht beseitigt, zur Verantwortung gezogen werden kann. Zudem haben wir gemeinsam mit dem Leserbeirat die Regeln für Leserpost entwickelt. Regeln sind nicht notwendig, um Hassmails zu verhindern – unsere Redakteure können solche Post gut allein in den Papierkorb befördern. Diese Regeln sind dazu da, Transparenz herzustellen.

Gelten diese Regeln nur für die Leserpost? Zunächst einmal schon. Für redaktionelle Veröffentlichungen gelten viel umfangreichere Regeln. Neben gesetzlichen Bestimmungen sind die vor allem im Kodex des Deutschen Presserates definiert. Den Kodex finden Sie auf der Webseite des Presserates. Dort ist festgelegt, woran sich Journalisten zu halten haben. Jeder Leser kann sich beim Presserat beschweren und prüfen lassen, ob ein Beitrag gegen den Kodex verstößt.

Beim genannten Artikel handelt es sich um einen Meinungsbeitrag im Feuilleton, die Rubrik „Zugabe“ spitzt gern satirisch zu. Für solche Beiträge gelten, dies ist auch die Auffassung des Presserates, sehr weit gesteckte Grenzen. Wenn der Autor Pegidisten als „ÖHS“, also „öffentlich herumpöbelnde Sorgenbürger“ bezeichnet, ist das noch nicht einmal besonders satirisch überhöht. Auf jeden Fall zulässig. Allenfalls über den Begriff „Herde“ aus der Tierwelt mag man streiten.

Aber was hätte die SZ getan, wenn ein Leser Gegendemonstranten als Herde herumpöbelnder Typen bezeichnet hätte? Sie hätte den Leserbrief sehr wahrscheinlich gedruckt. Wir legen da durchaus die gleichen Maßstäbe an.

Ihr Olaf Kittel

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