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Mittwoch, 25.10.2017 Kolumne: Kinder, Kinder!

Mein Sohn raucht

Von Prof. Veit Rößner

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Was tun, wenn das Kind raucht?
Was tun, wenn das Kind raucht?

© dpa

  • Was tun, wenn das Kind raucht?
    Was tun, wenn das Kind raucht?
  • Professor Dr. Veit Rößner, Leiter der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie an der Uniklinik Dresden.
    Professor Dr. Veit Rößner, Leiter der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie an der Uniklinik Dresden.

Unser Sohn (16) raucht neuerdings ab und an. Wir würden es ihm eigentlich gern verbieten, aber halten Sie das für sinnvoll? Er würde es dann doch wahrscheinlich heimlich tun.

Sie haben recht. Bei einem fast Erwachsenen ist es in aller Regel unwahrscheinlich, mit erzieherischen Maßnahmen eine rasche Verhaltensänderung zu erreichen. Im späten Jugendalter sollten wir Eltern den Löwenanteil der Erziehungsarbeit bereits geleistet und diese weitgehend abgeschlossen haben. Denn für einen Jugendlichen steht nun das Streben nach Freiheit, eigenen Entscheidungen und Abgrenzung im Vordergrund. Elterliche Verbote sind jetzt nur noch bedingt zielführend und können genau das Gegenteil bewirken: Heimlichkeit, Abwehr oder Protesthandlungen.

Dies bedeutet aber keinesfalls, dass Sie unerwünschtes Verhalten Ihres Sohnes akzeptieren, oder ihn gar sich selbst überlassen sollten. Äußern Sie im Gegenteil unbedingt nachdrücklich und authentisch Ihre Bedenken zum Thema Rauchen. Vermitteln Sie Ihrem Sohn klar, dass Sie nicht möchten, dass er raucht.

Fragen Sie ihn nach seinen Beweggründen, ohne dabei Druck aufzubauen oder Vorwürfe zu äußern. Möglicherweise wird Ihr Sohn trotzdem erst mal weiterrauchen. Jedoch wird es, eine gute Beziehung vorausgesetzt, für ihn unbewusst einen Unterschied machen, ob er das mit Ihrem Wohlwollen tut oder nicht.

Gestalten Sie zudem die Rahmenbedingungen des Vergnügens unangenehm, indem Sie ihn zum Beispiel die nach Rauch stinkenden Klamotten selbst waschen lassen oder diese aus dem Haus „verbannen“. Lassen Sie ihn nicht zu Hause oder im Garten rauchen. Halten Sie an diesen klar formulierten Regeln fest.

Obgleich es generell wenig Sinn hat, Ihrem Sohn das Rauchen generell zu verbieten, dürfen Sie in Ihrem Haus die Regeln festlegen, an die er sich halten muss. Berufen Sie sich bis dahin unterstützend auf gesetzliche Rahmenbedingungen. Denn laut Jugendschutzgesetz dürfen Jugendliche unter 18 Jahren weder Zigaretten kaufen, noch in der Öffentlichkeit rauchen. Erklären Sie es als Ihre elterliche Pflicht, Ihren Sohn bei der Einhaltung dieser Regeln zu unterstützen. Umso wichtiger ist dies, wenn es jüngere Geschwister gibt, damit diese erleben, dass Regeln nicht willkürlich sind. Sprechen Sie Konsequenzen aus, wenn sich Ihr Sohn nicht an die entsprechenden Absprachen hält.

Dieses Wechselspiel funktioniert natürlich umso besser, je stabiler Ihre Beziehung ist. Letztlich bereiten Sie Ihren Sohn damit auch noch auf den letzten Metern gut auf sein bevorstehendes eigenverantwortliches Leben vor, in dem viele soziale Grenzen und Konsequenzen auf ihn warten.

Teilen Sie auch eigene Erfahrungen mit Ihrem Sohn, wenn die Vertrauensbasis stimmt. Denn während jüngere Kinder ihre Eltern noch als starke, klar führende Leitplanke benötigen, können Sie sich bei Ihrem jugendlichen Sohn ruhig öfter mal auf „eine gemeinsame Ebene“ begeben.

Langfristig besteht eine gute Chance, dass seine anfängliche Begeisterung für das Rauchen aufgrund der bekannten Gründe wie Mundgeruch, Gesundheitsfolgen mit eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit eher wieder nachlässt.

Ist die Beziehung zum Ihrem Sohn allerdings grundlegend belastet, kann das Thema Rauchen zur Zuspitzung bestehender und bedeutenderer Konflikte werden. Dann würde ich Ihnen raten, vordringlich in eine Verbesserung Ihrer Beziehung zu investieren und dafür eventuell sogar professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Haben auch Sie eine Frage an den Kinderpsychiater Prof. Dr. med. Veit Rößner vom Dresdner Uniklinikum? Schreiben Sie an die Sächsische Zeitung, Nutzwerk, 01055 Dresden oder eine Mail an expertentipp@redaktion-nutzwerk.de

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