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Donnerstag, 17.05.2018 Unter uns

Mein Begräbnis

Von Manuela Müller

Bei den wenigsten Menschen gehört der Tod zu den Lieblingsthemen.
Bei den wenigsten Menschen gehört der Tod zu den Lieblingsthemen.

© Ralf Hirschberger / dpa

Sonne schien, schön warm war es auch. Ich lag im Garten im Liegestuhl, da setzte sich Kind 2 auf meinen Schoß. Es machte mir Schatten. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch, dieser Schatten: „Willst du verbrannt werden oder vergraben?“, fragte Kind 2. Ich fand es nett, dass sich das Mädchen nach meinen Zukunftsplänen erkundigt. Aber ein Zweitklässler sollte sich noch nicht damit beschäftigen, wie die Mutter unter die Erde kommt. Zweitklässler sollten der Mutter etwas Nettes basteln. Deshalb antwortete ich, dass ich mir das noch überlegen werde. Manche Entscheidungen schiebe ich gerne vor mir her. „Nur zur Info“, sagte Kind 2: „Kuscheltiere kriegst du nicht aufs Grab, die werden nass.“ Dann verschwand es im Trampolin.

Am Abend waren wir bei Freunden zum Grillen eingeladen. Während sich die Würste bräunten, unterhielten wir uns über unsere Beerdigungswünsche. Ich hätte lieber über diesen Blütenstaub gesprochen, der gerade wie gelber Nebel vom Himmel rieselt, meinetwegen auch über Gesundheitsrisiken beim Grillen. Manche behaupten ja, ein Steak sei so schlimm wie mehrere Schachteln Zigaretten.

Da wären wir wieder beim Thema. „Verbrennen oder vergraben?“, fragte Kind 2. „Im Moment nichts von beidem“, sagte ich und schickte es zu den anderen Kindern. Nun wollten die Gastgeber über ihre Begräbnisse reden. Dem Freund schwebt eine Seebestattung vor. Alternativ würde er sich schockgefrieren und zu einem angemessenen Zeitpunkt auftauen lassen. Die Freundin fände es nett, würde ihre Asche im Wald verstreut werden. Ich zählte auf, neben wem ich auf keinen Fall meine letzte Ruhe finden möchte. Dann aßen wir Bratwürste.

Das war einer dieser Tage, die man nicht einfach so ziehen lassen kann. Der Tod gehört nicht zu meinen Lieblingsthemen. Ich fragte Kind 2, warum es an Begräbnisse denke. Weil wir neulich bei Opa auf dem Friedhof waren, erzählte das Mädchen. Dort gibt es große und kleine Gräber, je nachdem, auf welche Art und Weise die Leute darunter von der Bühne des Lebens verschwanden. Das gruselt Kind 2 so sehr, dass es ständig daran denken muss. Besonders jetzt. Ich als Mutter würde es ihr mit meinem rechten großen Zeh nicht leichter machen, die Sache zu vergessen. Mir ist beim Sport der Fußnagel ausgefallen.

Vielleicht fällt noch mehr ab, befürchtet Kind 2.