erweiterte Suche
Freitag, 06.10.2017

Liebe in getrennten Wohnungen

Mit meiner Freundin verbringe ich seit über einem Jahr gemeinsame Wochenenden und Urlaube. Wir sind über 50, wohnen 30 km voneinander entfernt und besitzen jeweils ein eigenes Haus. Ich genieße die Zeit mit ihr sehr, doch umso schwerer fällt es mir, die Einsamkeit während der Woche zu ertragen. Hat unser Miteinander unter diesen Voraussetzungen eine Zukunft?

Von Christian Thiel

9

© dpa

Neulich habe ich von einem Paar gehört, das für seine beiden Wohnsitze folgende Lösung gefunden hat: In der Woche sind beide bei ihr – am Wochenende sind beide bei ihm. Die beiden wohnen 80 Kilometer voneinander entfernt. Mir hat diese Regelung gut gefallen. Aber natürlich ist das auch nur eine Möglichkeit. Es gibt viele andere. Und auf Dauer wird sich wohl auch dieses Paar fragen, ob nicht ein Haus für zwei Menschen völlig reicht.

Manchmal wird bei Paaren, die sich erst spät kennengelernt haben, auch eine Wohnung zur Hauptwohnung, die andere zur Nebenwohnung.

Fragt sich natürlich, was Ihre neue Partnerin dazu sagt. Möchte sie auch mehr Zeit gemeinsam mit Ihnen verbringen? Diese Frage stellt sich bei Ihnen beiden ja ohnehin. Wer ein Jahr zusammen ist, der hat die von mir auch gerne Probezeit genannte Periode schon hinter sich. In diesen zwölf Monaten entscheidet sich, ob zwei Menschen wirklich ein Paar werden – oder ob die Unterschiede eben doch zu groß sind.

Ich kann Sie also nur ermuntern, das Thema „mehr gemeinsame Zeit“ anzusprechen. Machen Sie Ihre Wünsche deutlich. Fragen Sie ganz offen nach den Vorstellungen Ihrer Partnerin. Wie stellt sie sich denn die nächsten Jahre und Jahrzehnte vor?

Sie sollten dabei wirklich alle Optionen für die Zukunft offen prüfen. Kann einer von Ihnen sich vorstellen, sein Zuhause aufzugeben? Können Sie beide sich auch eine Zukunft in einem ganz neuen Haus vorstellen – einen Neuanfang sozusagen? Das sind Fragen, die Sie besprechen sollten. Dabei wird sich herausstellen, dass manches geht – und anderes nicht oder noch nicht. Auch das ist normal.

Als Paar haben Sie beide schon eine bewegte Vorgeschichte hinter sich, mit einer Partnerschaft, einer Trennung und erneuter Suche. Sie beide wissen, wie wertvoll es ist, erneut eine Liebe zu finden. Für die Zukunft müssen Sie jetzt zusammen einen Weg finden. Den meisten Paaren gelingt das. Mit vielen ruhigen Gesprächen. Mit viel Verständnis für die Position des anderen, auch wenn es nicht die Ihre ist. Damit Ihre gemeinsame Liebe eines Tages auch ein gemeinsames Haus hat.

Christian Thiel ist Single-, Partnerschaftsberater und Autor. Haben Sie Fragen an ihn? Schicken Sie eine Mail an expertentipp@redaktion-nutzwerk.de

Leser-Kommentare

Insgesamt 9 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Berg

    Zunächst ist so ein Wohnverhalten eine große Verschwendung von Wohnungen. Kein Wunder - diese Wohnungsknappheit. - Gleichfalls muss man sich das Getrenntwohnen auch leisten können: 2 Mieten, 2 Schlafzimmer, 2 Kühlschränke etc, Gut, wer nichts Besseres mit seinem Gelde anzufangen weiß... - Doch: am wichtigsten war es mir, als Paar zusammenzuziehen, um ALLE Lebenssituationen gemeinsam zu erleben. Nur so kann eine Partnerschaft gründlich und komplett entstehen und andauern.

  2. Klar

    @1: Und die passende Arbeit vor Ort besorgen Sie dann? Oder wollen Sie etwa zum täglichen Pendeln = Umweltbelastung raten?

  3. Volker W.

    @Klar: Vielleicht pendeln sie auch jetzt schon. Wenn beide bei ihr wohnen, kann ja der Partner trotzdem 80 km entfernt arbeiten. Wenn beide bei ihm wohnen ist sie auch unterwegs. Was eher verwundert, dass es im Untertitel heißt "...wohnen 30 km voneinander entfernt...". Wohnen die beiden 30 km oder 80 km voneinander entfernt?

  4. Berg

    #2 Klar: Ihr Einwand ist haltlos. Die Millionen zusammen lebenden Paare zeigen, wie es gemacht wird. Klar, auch wir wohnten zusammen und gingen in verschiedene Richtungen auf Arbeit. DAS ist normal. - Und: von Pillnitz bis Radebeul wie auch von Langebrück nach Bannewitz) sind es ca 25 km. Man kann also innerhalb einer Großstadt auch lange Arbeitswege zu bewältigen haben, dgl. Baustellenmonteure, Fernfahrer usw. Diese sog. "Umwelt" wird von uns gepflegt, mehr als sie durch Bewegen belastet ist.

  5. kein Partnerschaftsberater

    Werter Christian Thiel - aus meiner Sicht ist so ein Artikel überflüssig. Wenn ein befreundetes Paar gemeinsame Zeit wie auch immer gemeinsam verbringen will ist die Frage wo man diese verbringt unerheblich.Da braucht es auch keine Hinweise irgendeines Partnerberaters. Eine ernsthafte Liebesbeziehung führt in der Regel auch dazu das man das Leben gemeinsam gestalten möchte u. nicht getrennt . Aber das ist eben jeem selbst überlassen.

  6. Radebeuler

    @4: Radebeul gehört nicht zu Dresden, liegt also nicht innerhalb einer Großstadt (Dresden). Und wenn es bisher so wahr, dass Paare zusammenlebt, warum kann das nicht zukünftig anders sein? Alten Staub muss man auch mal abklopfen.

  7. Berg

    #6 Radebeuelr: Sie stellen eine Frage, besser wäre eine Antwort/Begründung dafür, dass Getrenntwohnen dauerhaft gut ist. Das nämlich bezweifelt der Fragesteller und ich auch. Gründe für das Auseinanderbleiben werden ja nicht genannt. Gibt es sie?? - Einige Bedenken sind: die doppelte Haushaltführung ist nicht nur für Großmöbel fraglich, sondern auch für die Bleibeorte von Klamotten, Büchern, CDs, Musikinstrumenten, Küchengeräten bis hin zu Kosmetik und Zahnbürste. Zweitens: jedem außenstehenden Mann/Frau kommen Getrenntlebende so vor, als sei es nichts Festes und so wachsen Verlockungen - Sie wissen schon. - Drittens: im Krankheitsfalle ist u.U. rund um die Uhr gegenseitige Hilfe nötig. - Und: wo trifft man sich/oder wohnt mit Enkeln und Kindern?

  8. Dresdnerin

    Ich lebe seit 4 Jahren mit meinem Lebensgefährten in getrennten Wohnungen. Wir haben jeder unser Leben im Vorfeld aufgebaut, und wir haben unterschiedliche Dienste. Er arbeitet im Büro, hat seine Dienste früh und ich arbeite Mittags bis Abends. Wir brauchen jeder seinen Freiraum unter der Woche und freuen uns auf das Wochenende und unternehmen viel. Wenn man sich als Paar einig ist über die Wohnsituation, dann kann auch dieses Partnermodell funktionieren. Die Anmerkung von @Berg im Krankheitsfall helfen zu können, funktioniert auch mit Getrenntlebenden, denn dann ist auch der Partner für einen da und bleibt auch unter der Woche da. Und von wegen nichts halbes und nichts ganzes, das dieses Partnermodell zum fremdgehen verlockt, ist der größte Quatsch. Vertrauen ist die Basis jeder Beziehung, sonst braucht man keinen festen Partner. Und mit Enkeln und Kindern treffen, kann man einmal da in der Wohnung und auch einmal beim anderen Partner machen.

  9. Berg

    Gut, Dresdnerin, ich nehme nun zum zweiten Male zur Kenntnis, dass es Leute gibt, die sich in diesem unnatürlichen, egozentrischen, nichtanpassungsfähigen Getrenntleben wohl fühlen. Unsere Enkelin (27) ohne Auto wohnt 3 km vom "Freund" entfernt, ohne ÖNv. Buchstäblich jede Stunde muss durchgeplant werden, das Smartphone steht nicht still, nächtliche Wanderungen sind die Regel. Danke! Danke - für mich absolut undenkbar. Viel Spaß weiterhin beim Parzellieren des Alltagslebens!

Alle Kommentare anzeigen

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.