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Dienstag, 13.02.2018

Kombi-Arzneien sind oft keine gute Wahl

Werbung wirkt – doch das Beworbene nicht immer, so das Fazit der Stiftung Warentest.

Von Stephanie Wesely

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© Symbolbild: dpa/Ralf Hirschberger

Schnupfen, Husten, Halsweh und Kopfschmerzen – in Erkältungszeiten wie diesen greifen Patienten gerne zu Produkten, die sie aus der Werbung kennen. „Das ist nicht immer eine gute Entscheidung“, sagt Dr. Bettina Sauer von der Stiftung Warentest. Nach der Auswertung von Studien kommt sie zu dem Schluss, dass viele dieser Kombi-Arzneien nicht nützlich sind, weil die Erkältungssymptome, die damit behandelt werden, nicht immer gleichzeitig auftreten. 35 Arzneimittel haben sich die Tester vorgenommen – eine Auswahl:

Erkältung

Grippostad C-Kapseln enthalten Parazetamol, Chlorphenamin, Koffein und Vitamin C. Das Urteil: Eine Kombination aus einem Schmerzmittel und einem müde machenden Antihistaminikum, das auch die Nasenschleimhaut abschwellen lassen soll, ist nicht sinnvoll.

Wick MediNait Erkältungssirup für die Nacht enthält Parazetamol, Doxylamin, Ephedrin, Dextromethorphan und 18 Prozent Alkohol. Das Urteil: Bei diesem Mittel werden anregende und beruhigende Mittel kombiniert. Das ist nicht nachvollziehbar.

Die Alternativen zu beiden: Gegen Schmerzen und Fieber reicht Parazetamol allen. Bei Schnupfen ist die kurzzeitige Anwendung abschwellender Nasentropfen oder -sprays verträglicher. Da die einzelnen Erkältungssymptome nicht immer gleichzeitig auftreten, sollten sie besser einzeln behandelt werden.

Halsentzündung

Dolo-Dobendan Lutschtabletten enthalten Cetylpyridiniumchlorid und Benzokain. Das Urteil: Antiseptika wie Cetylpyridiniumchlorid sind gegen Viren lückenhaft bis gar nicht wirksam. Bakterien in tieferen Schleimhautschichten werden aber nicht erreicht. Das örtlich betäubende Benzokain kann Allergien hervorrufen.

Neo-Angin Halstabletten/Halsspray enthalten Dichlorbenzylalkohol, Amylmetacresol und Menthol. Im Spray sind fast 24 Prozent Alkohol. Auch diese beiden Hauptwirkstoffe sind Antiseptika, die wie bei Dobendan kaum oder nicht gegen Viren wirken. Kritisch wird der Alkoholgehalt bewertet.

Die Alternative zu beiden: Lutschtabletten mit Lidokain oder Ambroxol wirken ebenfalls örtlich betäubend und daher schmerzlindernd. Noch besser bewerten die Tester Emser Pastillen. Sie befeuchten die Schleimhäute und können Schluckbeschwerden lindern. Grundsätzlich helfe es, häufig zuckerfreie Bonbons zu lutschen.

Schmerzen

Doppel Spalt compact enthält Azetylsalizylsäure (ASS) und Koffein. Das Urteil: Es ist nicht sinnvoll, ein Schmerzmittel mit Koffein zu kombinieren. Denn Koffein belebt. Das kann dazu führen, dass sich der Patient fitter fühlt, als er ist und das Mittel zu oft und zu lange genommen wird.

Neuralgin und Thomapyrin enthalten ASS, Paracetamol und Koffein. Das Urteil: Die Kombination aus ASS und Parazetamol bietet keinen zusätzlichen therapeutischen Vorteil, birgt aber das Risiko der unterschiedlichen unerwünschten Wirkungen der beiden Schmerzwirkstoffe. Koffein kann den Missbrauch fördern.

Die Alternative zu beiden: Gegen Schmerzen reicht ein Schmerzmittel allein, also ASS oder Ibuprofen oder Parazetamol.

Mehr Informationen zu insgesamt 8 000 Medikamenten enthält das Buch „Medikamente im Test“ von der Stiftung Warentest zum Preis 29,90 Euro sowie die Online-Datenbank.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Danke

    Danke für die Info und die Erinnerung. Muß noch Wick Das med kaufen

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