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Mittwoch, 04.10.2017

Jetzt zur Grippeimpfung?

Die Impfsaison beginnt. Sachsen setzt auf einen Dreifach-Impfstoff, obwohl ein Vierfacher empfohlen wird.

Oktober und November sind die günstigste Zeit für die Grippeschutzimpfung - vorausgesetzt, man ist gesund.
Oktober und November sind die günstigste Zeit für die Grippeschutzimpfung - vorausgesetzt, man ist gesund.

© dpa

Die letzte Grippeimpfung hat laut Robert-Koch-Institut nur zu 21 Prozent gewirkt. Wie treffsicher der nun eingesetzte neue Impfstoff sein wird, kann noch niemand sagen. Die Sächsische Zeitung hat Experten zum Thema befragt.

Zurzeit gibt es viele Erkältungskranke. Ist das der Beginn der Grippewelle?

Nein. Derzeit sind nur ganz vereinzelt Grippefälle gemeldet worden, doch die gibt es das ganze Jahr über. Die Grippewelle mit vielen Hundert Erkrankten pro Woche geht laut Robert-Koch-Institut (RKI) in Deutschland meist erst im Januar richtig los.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Grippeimpfung?

Oktober und November sind die günstigste Zeit, vorausgesetzt, man ist gesund. Die Grippewelle in Europa beginnt häufig in den südwestlichen Ländern Europas (Spanien, Portugal) und setzt sich dann über Mitteleuropa nach Osteuropa fort, so das RKI. Deshalb beginnt sie in Sachsen meist etwas später als im Westen der Bundesrepublik – häufig erst im Februar. In Sachsen wäre also November der bessere Zeitpunkt. Da die Impfung etwa zwei Wochen braucht, um ihre Schutzwirkung zu entfalten, sollte man laut RKI aber nicht gar so spät im Jahr starten.

Wer sollte sich überhaupt impfen lassen?

Vor allem ältere Menschen ab 60 Jahre, denn Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge wird wieder ein starker H3N2-Virustyp erwartet. Er sorgte auch im letzten Winter für besonders schwere Krankheitsverläufe bei Senioren. Weitere Risikogruppen sind chronisch Kranke
mit einer schwächeren Immunabwehr, Schwangere und medizinisches Personal. Die sächsische Impfkommission empfiehlt den Schutz aber allen – Kindern ab vollendetem sechsten Lebensjahr, Jugendlichen und Erwachsenen jeden Alters.

Welche Impfstoffe gibt es in Deutschland?

Neben Impfstoffen, die gespritzt werden, gibt es einen Nasenspray-Impfstoff für Kinder und Jugendliche zwischen zwei und 17 Jahren. Speziell für Personen über 65 Jahre wird ein wirkverstärkter Impfstoff angeboten. Die Mehrzahl der Impfstoffe schützt vor drei Virustypen, ist also dreifach wirksam. „Einige Hersteller haben Vierfach-Impfstoffe auf den Markt gebracht, die vor allen kursierenden Hauptstämmen des Influenzavirus schützen“, sagt Professor Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts.

Werden alle diese Impfstoffe von den Krankenkassen bezahlt?

Nein. Laut AOK Plus sollen in Sachsen vorzugsweise die Dreifach-Impfstoffe Influvac und Afluria eingesetzt werden. Die Hersteller haben sich bei einer Ausschreibung, die die AOK Plus federführend für alle Kassen durchführt, durchgesetzt. Ihre Impfstoffe sind rabattiert, also kostengünstiger. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen und die sächsische Impfkommission kritisieren das, weil für jede Zielgruppe der jeweils wirksamste Impfstoff eingesetzt werden sollte. Sie empfehlen den Vierfachimpfstoff für alle, weil er die breiteste Schutzwirkung hat. Das neue Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz schließt die Rabattierung von Impfungen aus. Die Kassen hatten aber mit den Herstellern bereits Rabattverträge geschlossen, die erst 2019 auslaufen, so die Kassenärztliche Vereinigung. Dennoch dürfen Ärzte von den empfohlenen Impfstoffen abweichen, wenn dies notwendig ist. Das bestätigt auch die AOK Plus.

Wie teuer ist die Impfung mit dem Vierfach-Impfstoff?

Gesetzlich Versicherte, die sich entgegen der Empfehlung des Arztes für den Vierfach-Impfstoff entscheiden, müssen diesen selbst bezahlen. Laut AOK Plus kostet eine Dosis 23 Euro. Die Leistung des Arztes müsse nicht bezahlt werden, da diese bei einer Grippeimpfung ohnehin angefallen wäre.

Wirken Dreifach-Impfstoffe so lange wie vierfache oder wirkverstärkte?

Ja. Der Impfschutz hält zwischen sechs und zwölf Monaten an. Deshalb soll man sich jedes Jahr aufs Neue impfen lassen.

Wie ist der neue Impfstoff zusammengesetzt?

Dreifach-Impfstoffe enthalten laut RKI zwei Influenza A-Komponenten (H1N1 und H3N2) sowie eine Influenza B-Komponente – sie heißt Brisbane. Vierfach-Impfstoffe enthalten die zusätzliche B-Komponente Phuket. Der Impfstoff der letzten Saison war bis auf die H1N1-Komponente genauso zusammengesetzt.

Hat der Fipronil-Eierskandal Auswirkungen auf die Qualität der Impfstoffe?

Nein, so das Paul-Ehrlich-Institut, denn die Eier, die zur Anzucht von Influenzaviren für die Produktion von Grippeimpfstoffen verwendet werden, stammen nicht aus normalen Hühnerbetrieben. Für die Impfstoffherstellung gelten besondere Qualitätsanforderungen.

Gibt es für Allergiker auch einen hühnereiweißfreien Impfstoff?

Nein. „Das ist auch nicht nötig“, sagt Professor Klaus Chichutek vom Paul-Ehrlich-Institut. „Studien belegen, dass bei Hühnereiweißallergikern schwere Reaktionen auf die Impfung selten und nicht häufiger sind als bei Nichtallergikern.“

Soll man sich auch mit einer Erkältung impfen lassen?

Impfungen sind grundsätzlich etwas für Gesunde, da sie den Körper auch belasten können. Keinesfalls darf geimpft werden, wenn der Patient Fieber über 38,5 Grad hat. Bei leichten Erkältungssymptomen ist aber nichts dagegen einzuwenden, sagen Impfärzte. Da jetzt aber noch genügend Zeit ist, kann der Infekt ruhig erst auskuriert
werden.

Wie schwer war die letzte Grippewelle?

Sie war die schwerste bislang, informiert die Barmer. Das RKI registrierte im Winter 2016/17 in Sachsen fast 16 700 Erkrankte, 6 000 mehr als ein Jahr zuvor. Deutschlandweit waren 120 000 Menschen betroffen, fast doppelt so viele wie ein Jahr zuvor.

Die Fragen stellte Stefanie Wesely.

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