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Dienstag, 23.07.2013

Jeden Tag 10.000 Schritte – und Sie werden nicht krank

Der Dresdner Professor Peter Schwarz geht nie ohne Schrittzähler aus dem Haus, um in Bewegung zu bleiben. 100 SZ-Leser können es ihm jetzt nachtun.

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Immer in Bewegung – auch beim Telefonieren: Professor Peter Schwarz an seiner Arbeitsstätte, dem Dresdner Universitätsklinikum.
Immer in Bewegung – auch beim Telefonieren: Professor Peter Schwarz an seiner Arbeitsstätte, dem Dresdner Universitätsklinikum.

© Matthias Rietschel

  • Immer in Bewegung – auch beim Telefonieren: Professor Peter Schwarz an seiner Arbeitsstätte, dem Dresdner Universitätsklinikum.
    Immer in Bewegung – auch beim Telefonieren: Professor Peter Schwarz an seiner Arbeitsstätte, dem Dresdner Universitätsklinikum.
  • Mit einem Schrittzähler kontrolliert er sein tägliches Pensum. SZ-Leser können jetzt seinem Beispiel folgen. Mit Unterstützung der TK Sachsen verlosen wir 100 Stück des abgebildeten Gerätes
    Mit einem Schrittzähler kontrolliert er sein tägliches Pensum. SZ-Leser können jetzt seinem Beispiel folgen. Mit Unterstützung der TK Sachsen verlosen wir 100 Stück des abgebildeten Gerätes

Einfach nur herumsitzen ist nicht sein Ding: Peter Schwarz, 42, ist Europas erster Professor für Prävention und Versorgung des Diabetes. Und er ist ständig in Bewegung. Seine Mission: Er will die Deutschen von chronischen Krankheiten befreien. Im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung erklärt der Experte, der am Dresdner Uniklinikum arbeitet, sein einfaches Rezept – und warum das für (fast) jeden zum Erfolg führen kann.

Herr Professor Schwarz, wie viele Schritte sind Sie heute schon gelaufen?

(Schaut auf seinen Schrittzähler.) 5.738.

Und wie viele sollen es bis heute Abend noch werden?

Wie jeden Tag: 10.000.

Warum ausgerechnet 10.000?

Wer ab seinem 25. Lebensjahr täglich 10.000 Schritte läuft, verhindert damit nahezu jede chronische Krankheit.

Das müssen Sie uns genauer erklären.

Ernährung und Bewegung stellen eine Balance dar. Die ist aber immer mehr gestört, und zwar in beiderlei Richtungen: Wir ernähren uns zunehmend ungesund, weil zu fett und mit zu vielen Kohlehydraten. Und wir bewegen uns zu wenig. Dieses Ungleichgewicht bringt den Stoffwechsel durcheinander und führt letztlich zu den bekannten Volkskrankheiten wie Diabetes, Arteriosklerose und Bluthochdruck, aber auch zu Depressionen, Demenz und Zeugungsunfähigkeit. Ein Mann mit 4,7 Kilogramm Bauchfett hat nur noch fünf Prozent vitale Spermien. Anders gesagt: Für eine erfolgreiche Befruchtung braucht er 20 Versuche!

Und das alles lässt sich mit Bewegung vermeiden?

Richtig. Vereinfacht könnte man sagen: Durch die Bewegung wird Energie verbrannt, die der Körper sonst speichern würde. Das macht er, indem er Fettdepots anlegt. Und die bilden zum Beispiel Hormone, die zu einigen der genannten Krankheiten führen. 40 Jahre ungesunder Lebensstil haben etwa zur Folge, dass man 15 Jahre früher an Demenz erkrankt.

Man könnte ja auch weniger und gesünder essen.

Die Erfahrung zeigt, dass das vielen schwerfällt. Gesunde Ernährung ist tendenziell teurer und schwieriger. Es gibt zwar viele Informationen, aber diese Fülle führt eher zu einer Verunsicherung. Bewegen kann sich dagegen jeder, unabhängig von Geldbeutel und Bildungsgrad. Bewegung hat einen sehr soliden Effekt, der den einer gesunden Ernährung sogar noch übersteigt – das ist jedenfalls meine persönliche Meinung. Noch besser ist es natürlich, man kombiniert beides.

Erziele ich den gleichen Effekt auch, wenn ich zweimal in der Woche im Fitness-Studio trainiere?

Das ist gut für die Psyche, aber gar nicht so effektiv für den Stoffwechsel. Wenn Sie sich jeden Tag mit einem gewissen Pensum bewegen, erreichen Sie damit schon nach zwei bis drei Wochen eine nachhaltige Wirkung. Für die alltägliche Bewegung braucht man auch keine besonderen Schuhe oder Sportbekleidung.

10.000 Schritte klingt ganz schön viel. Wie viele Schritte machen denn die Deutschen so im Schnitt?

Leider gibt es dazu keine verwertbaren Studien. Bei einer Umfrage kam unlängst zutage, dass sich die Deutschen mehr bewegen, als man bislang glaubte. Aber es ist auch bekannt, dass sich Menschen in der Regel eher überschätzen. In England kam eine Studie zu dem Ergebnis, dass die Menschen im Schnitt weniger als 3.000 Schritte am Tag gehen. Ich denke, das ist in Deutschland nicht viel anders. Auch ich war da bis vor ein paar Jahren keine Ausnahme. Unser Alltag lädt einfach zur Bequemlichkeit ein: Wir können überall mit dem Auto hinfahren, wir können uns die Ware nach Hause liefern lassen, wir können Fahrstühle statt Treppen benutzen, und immer mehr Menschen müssen zur Arbeit nicht mal mehr ihr Haus verlassen.

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Schaffen Sie wirklich jeden Tag 10.000 Schritte?

Ich trage seit Anfang vorigen Jahres einen Schrittzähler. Mein Durchschnitt lag damals bei etwa 5.000 Schritten. Zwei Monate habe ich gebraucht, um das Ziel zu schaffen. Seitdem erreiche ich es täglich.

Innerhalb von zwei Monaten das doppelte Schrittpensum – das klingt uns nun wirklich zu einfach.

Ich versichere Ihnen: Das kann jeder schaffen. Wichtig ist dabei, dass man sich am Anfang kleine Ziele setzt und dann allmählich steigert. Sonst ist die Gefahr des Scheiterns zu groß, und Scheitern ist der häufigste Grund, etwas nicht mehr zu tun. Wer nach dem Essen nur 1.000 Schritte mehr als bisher läuft, senkt seinen Blutzucker mehr als mit der gängigsten Diabetespille.

Aus Erfahrung weiß ich, dass man schnell ein Gespür dafür kriegt, wie man Schritte sammeln kann. Ich diktiere und telefoniere nur noch im Gehen, bei Vorträgen oder beim Warten aufs Flugzeug gehe ich ebenfalls auf und ab. Die Stunde der Wahrheit schlägt bei der Tagesschau: Wenn ich dann noch weit vom Ziel entfernt bin, trippele ich auf der Stelle. Das sieht vielleicht dämlich aus, aber das ist mir dann auch egal.

Könnten Sie nicht einfach am nächsten Tag etwas mehr laufen?

Aus gesundheitlicher Sicht wäre das kein Problem. Frauen kriegen das sicher auch hin, sie denken mehr an ihre Gesundheit. Aber wir Männer brauchen klare Vorgaben. Ansonsten finden wir am nächsten Tag bestimmt eine neue Entschuldigung, warum wir die 10.000 wieder nicht geschafft haben.

Was ist Ihr persönlicher Rekord?

Im Urlaub an der Ostsee habe ich es mal auf 42.000 Schritte geschafft, indem ich mehrere längere Fußmärsche zurücklegte. Ich war mir sicher, dass ich meine Frau damit übertrumpfen konnte. Aber sie war am Abend mit unserer Tochter noch bei einer Strandparty und tanzte anderthalb Stunden lang. Dabei kamen 35.000 Schritte zusammen, und mit den 10.000 Schritten vom Tage hatte sie mich wieder geschlagen. Merke: Tanzen ist eine hocheffektive Bewegungsmethode.

Viele Menschen würden sich gern mehr bewegen, können es aber nicht, zum Beispiel wegen großer Schmerzen.

Die beste Therapie gegen Schmerzen beim Gehen ist das Gehen selbst. Das gilt für die allermeisten Menschen. Nur bei etwa zehn Prozent gibt es andere Ursachen. Mein Tipp: Jeder sollte zunächst verschiedene Bewegungsformen ausprobieren und die beste davon für sich auswählen. Vielen Leuten, insbesondere jenen mit starkem Übergewicht, hilft Schwimmen. Eine andere beliebte Form ist Radfahren. Schwimmen und Radfahren haben nur einen Nachteil: Man kann die Bewegungen nicht so gut messen wie beim Gehen.

Macht es mit 70 überhaupt noch Sinn, sich mehr zu bewegen?

Mit Blick auf die meisten Krankheiten ist es dafür nie zu spät. Schon wer sein Bewegungspensum drei Tage lang spürbar steigert, aktiviert seinen Stoffwechsel und erzielt die eingangs geschilderten positiven Effekte. Das geht im Alter übrigens noch besser: Je älter der Mensch ist, desto schneller werden – zum Beispiel bei Bewegung – neue Muskelzellen gebildet. Die bauen den Zucker ab, das Risiko für Diabetes und Arteriosklerose sinkt.

Gespräch: Andrea Schawe und Steffen Klameth.

Sie möchten an der Aktion teilnehemen? Dann bewerben Sie sich bitte hier.

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Monika Wendler

    Ich finde den Artikel sehr gut. Er könnte auch auf mich zutreffen. Möchte gern mit dem Schrittzähler auf meine Gesundheit achten. (Habe Diabetis und soll abnehmen- mir fällt es bisher schwer, mich mehr zu bewegen.)

  2. Dana Schiekel

    Ich bewerbe mich um einen Schrittzähler, weil ich seit April diesen Jahres meine Ernährung umgestellt und das tägliche Laufen für mich entdeckt habe. Damit möchte ich mehr auf meine Gesundheit achten. Ein guter Grund zum Ausprobieren des Schrittzählers um zu überprüfen, ob ich tatsächlich 10.000 Schritte täglich erreiche.

  3. Beate Hänsel

    Ich will an der Aktion teilnehmen, weil ich mindestens 100 Jahre alt werden möchte.

  4. Gabriele Anders

    mit dem Schrittzähler möchte ich etwas für meine Gesundheit tun und die viele Erledigungen im Alltag "per Pedes" zu meistern und das Auto auch einmal stehenzulassen. Es ist bestimmt wissenswert, wieviele Schritte man täglich geht

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