erweiterte Suche
Samstag, 28.01.2017

Ja oder Nein zur Mammografie?

Die Kassen zahlen das Screening ab 50. Wissenschaftler fordern, schon früher zu beginnen.

Von Stephanie Wesely

Das Mammographie-Screening kann dabei helfen, Brustkrebs früher zu erkennen.
Das Mammographie-Screening kann dabei helfen, Brustkrebs früher zu erkennen.

© dpa

Der frühe Brustkrebstod der beiden Moderatorinnen Jana Thiel und Miriam Pielhau mit 44 und 41 Jahren hat eine Diskussion über den richtigen Zeitpunkt des Mammografie-Screenings ausgelöst. Denn die Krankenkassen übernehmen nur für Frauen zwischen 50 und 69 alle zwei Jahre die Kosten. Bei allen anderen wird nur die vorsorgliche Tastuntersuchung bezahlt. Die Brustkrebshäufigkeit ist zwar bei den 50- bis 69-Jährigen am höchsten. Doch auch bei den 40- bis 50-Jährigen gibt es deutliche Zunahmen, wie aus dem aktuellen Bericht des Gemeinsamen Krebsregisters hervorgeht.

Kritik an Übertherapie

Je früher Brustkrebs erkannt wird, um so erfolgreicher kann er behandelt werden. Und diese frühen Stadien werden im Screening immer häufiger gefunden. Laut Mammografie-Report vom Dezember 2016 wurden in Sachsen rund 187 000 Frauen untersucht, dabei 911 mal Brustkrebs diagnostiziert. Mehr als 78 Prozent der Tumore waren kleiner als zwei Zentimeter. Ein weiteres Fünftel sind Vorstufen, sogenannte In-situ-Karzinome, die noch keine Tochtergeschwülste bilden können.

Besonders dieser hohe Anteil der In-situ-Karzinome wird kontrovers diskutiert. Kritiker sprechen hier von Übertherapie. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich nach Monaten oder Jahren aus einem unbehandelten In-Situ-Karzinom ein invasiver Brustkrebs entwickeln kann.

Wissenschaftler haben errechnet, dass eine von 1 000 Frauen durch das Mammografie-Screening vorm Brustkrebstod bewahrt wird. Sieben Frauen allerdings sind vermeintlich zu Unrecht behandelt worden, weil ihr Tumor vielleicht nie klinisch bedeutsam geworden wäre.

Recht auf Nichtwissen

Professorin Pauline Wimberger, Direktorin der Unifrauenklinik in Dresden, ist eine Befürworterin des Screenings: „Bislang kann nämlich nicht sicher vorhergesagt werden, wann aus einem In-situ-Karzinom ein metastasierender Krebs wird. Erst nach operativer Entfernung kann ausgeschlossen werden, dass nicht doch schon ein frühes Mammakarzinom vorlag. Deshalb werden auch Vorstufen leitliniengerecht behandelt.“ Ob eine Frau zum Mammografie-Screening geht, müsse sie für sich entscheiden. Es gebe auch ein Recht auf Nichtwissen“, sagt Dr. Klaus Hamm, Vorsitzender des Berufsverbandes der Radiologen in Sachsen. Im Freistaat ist die Beteiligung am Screening sehr hoch: Zwei von drei Frauen nutzten das Angebot. Im Bundesdurchschnitt ist es nur etwa jede Zweite.

Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie empfiehlt Mammografie-Untersuchungen sogar schon zwischen 40 und 50. Sie sollten alle zwölf bis 18 Monate wiederholt werden. Für Wimberger gehört zur guten Früherkennung auch die begleitende Tast- und Ultraschalluntersuchung sowie die gezielte Erhebung der Krankengeschichte. Denn bei einigen Frauen gibt es eine familiäre Häufung. Sie sollten eine genetische Beratung und Testung erhalten. Die Überwachung ist engmaschiger. Frauenärzte können Patientinnen vor dem 50. Lebensjahr zur Mammografie überweisen, wenn dies medizinisch sinnvoll ist – zum Beispiel bei unklarem Tastbefund oder bei sehr festem Drüsenkörper, der schwer zu beurteilen ist. Auch Mikrokalk, der auf eine Krebsvorstufe hinweisen kann, ist nur in der Mammografie nachweisbar.