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Sonntag, 01.10.2017

Im Alter noch mal Vater werden

Wenn andere Opa werden, legt manch einer selbst noch mal nach. Väter jenseits der 50 oder 60 sind längst keine Seltenheit mehr. Was bedeutet so eine Konstellation für die Familie? Und wie geht man damit um, wenn einen alle für den Opa halten?

Von Teresa Nauber

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Vater und Tochter Hand in Hand. Reiner Kuhn lebt mit seiner Ehefrau, den jugendlichen Töchtern und der kleinen Katharina in Hessen.
Vater und Tochter Hand in Hand. Reiner Kuhn lebt mit seiner Ehefrau, den jugendlichen Töchtern und der kleinen Katharina in Hessen.

© dpa-tmn

Wiesbaden/Hannover. Als Tochter Nummer vier geboren wurde, machte sich Reiner Kuhn schon Sorgen: Würden seine Nerven das mitmachen? Ein Baby, das kaum schläft und viel schreit - in seinem Alter? Kuhn war 55, als die heute Sechsjährige zur Welt kam. Ein alter Vater, ohne Frage, aber in zunehmend guter Gesellschaft.

Kuhns Sorgen bestätigten sich nicht. Die Entbehrungen der ersten Monate fielen ihm nicht schwerer als bei seinen anderen Töchtern. Die erste wurde geboren, als er Anfang 30 war, bei den anderen beiden war er Mitte 40. „Alle 10 Jahre krabbelte ein Baby durch mein Haus, und für mich gibt es nichts Schöneres“, sagt er. Ruhestand, Reisen, sein Ding machen - das kommt für ihn vorerst nicht infrage.

Ist es egoistisch, auch in höherem Alter noch Kinder in die Welt zu setzen? Vater zu werden, wenn andere Opa werden? „Es kommt darauf an“, sagt Familientherapeut Björn Enno Hermans, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie. Grundsätzlich kann jeder ein guter Vater sein, unabhängig vom Alter. „Häufig bringen ältere Väter viel Lebenserfahrung mit und sind gelassener im Umgang mit ihren Kindern.“ Aber: Es sei wichtig, nicht die Rolle eines Großvaters einzunehmen. „Der Vater sollte nicht derjenige sein, bei dem mehr durchgeht oder bei dem das Kind mehr verwöhnt wird.“

Auf der anderen Seite sind Kinder keine kleinen Erwachsenen. Dana Mundt von der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung hat die Erfahrung gemacht, dass ältere Väter manchmal zu viel von einem Kleinkind erwarten. „Kinder sollte man behandeln wie Kinder“, sagt sie. Sie zu fördern, braucht manchmal viel Geduld.

Reiner Kuhn hat nicht das Gefühl, dass er seiner kleinen Tochter mehr oder weniger durchgehen lässt als der ältesten. Natürlich sei er erfahrener, vielleicht auch etwas ruhiger. Er sei aber immer schon ein sehr gelassener Vater gewesen. Sorgen bereitet ihm etwas ganz anderes: „Man rechnet schon nach, wenn man mit Mitte 50 noch mal Vater wird.“ Ist die Kleine jugendlich, wird er bereits 70 sein. „Wie fit bin ich dann noch?“

Hermans zufolge muss die Tatsache, dass der Vater vielleicht nicht mehr auf Bäume klettern kann, nicht zwingend ein Nachteil sein. Entscheidend ist, dass man es im Blick hat und im Zweifelsfall kompensiert. „Fußballspielen kann ja vielleicht auch ein Onkel oder Freund der Familie mit den Kleinen.“ Eins müsse man sich ihm zufolge allerdings klarmachen: Die Zeit, die ein älterer Vater mit dem Kind hat, sei zumindest statistisch gesehen begrenzt.

Die Kinder selbst denken über solche Dinge natürlich nicht nach - zumindest solange sie klein sind. Ihnen wird die ungewöhnliche Konstellation häufig erst bewusst, wenn komische Kommentare aus dem Umfeld kommen. Bis dahin, das ist auch die Erfahrung von Erziehungsberaterin Mundt, ist der ältere Vater für das Kind ganz normal. Reiner Kuhns Tochter war kürzlich zum ersten Mal damit konfrontiert, als ihr auf dem Spielplatz jemand zurief: „Guck mal, da kommt dein Opa.“ Die Sechsjährige sei ganz cool geblieben und habe einfach geantwortet: „Nein, das ist mein Papa.“ Fertig. Genau die richtige Reaktion, sagt Mundt.

Hermans plädiert dafür, offen mit der Situation umzugehen. „Kinder vergleichen sich mit anderen.“ Sie stellen ganz schnell fest, dass andere Väter jünger sind als der eigene. Mundt rät, das Ganze dann möglichst altersgerecht zu verpacken und vor allem positiv zu formulieren: Tatsächlich ist es ja häufig so, dass einem die Familie sehr viel bedeutet und man sich ganz bewusst ein Kind gewünscht hat. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 15 Kommentare

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  1. Vernunftmensch

    Werte Teresa Nauber -sie machen sich Sorgen darüber das der Vater bereits 70 ist wenn Kind jugendlich nun das ist . Solange der Vater nicht wie ein Tatergreis ist gibt es da wohl kein Problem u. 60ig /70igjährige sind heute in der Mehrzahl nicht mit der Vergangenheit zu vergleichen. Gedanken machen aber muß man sich mit der dekadenten Aufassung der EHE für alle u. das Schwule oder Lesben in Ehe dann auch Kinder haben dürfen welche Entwicklung sollen Kinder nehmen die dann sehen wie die Männer oder Frauen mit dem gleichen Geschlecht küssen oder weitere intimitäten austauschen . Wir sind zZ. an einem Punkt angekommen der vieles als berechtigt ansieht was bisher extrem war. Nun wird auch noch darüber bereichtet das es in den USA Agwenturen gibt die eine Selbstheirat organisieren mit Fest eingeladenen Gästen Hochzeitskleid u. Ring sowie amtlicher Bestätigung das man sich selbst geheiratet hat - Ja die Menschheit ist dabei sich zu zerstören.Bietet dem Einhalt ehe es zu spät ist

  2. P. Lehmann

    @1 Die Ehe für alle mit allem drum und dran war richtig und längst überfällig. Gedanken machen muß sich über solche "Menschen" wie dich.

  3. @vernunftsmensch

    Dass verstehendes Lesen nicht zu Ihren Stärken zählt, können Sie kaum verleugnen. Vermutlich kommt auch noch Pech beim Denken dazu. Welche Entwicklung befürchten Sie denn bei Kindern, die bei schwulen oder lesbischen Eltern groß werden? Und im Umkehrschluss: wieso können dann Homosexuelle heterosexuelle Eltern haben? Und wem genau schade ich, wenn ich mich selber heirate? Fragen über Fragen, versuchen Sie es doch noch mal ;-)

  4. sletrabf

    @1: Es ist sicherlich richtig, immer mal über solche Fragen nachzudenken. Aber Ihrem Ansatz spreche ich die Vernunft ab. Es gilt nämlich als sicher, dass sexuelle Präferenzen genetisch bedingt sind und demzufolge ein heterosexueller Mensch genausogut in jeder in Deutschland erlaubten Eheform aufwachsen kann -- wo mit Küssen und andere Zärtlichkeiten immer gerechnet werden muss. Das Aufwachsen klappt übrigens sogar bei Alleinerziehenden. Schließlich wäre es aus meiner Sicht mehr als vernünftig, beim Thema des Artikels zu bleiben (alte Väter). @ all: Nicht immer ist der Nachwuchs in diesem Alter geplant. Offensichtlich kann es wie immer gut oder eben weniger gut gehen. Solange man sich um Ersatz bemüht für etwas, was man nicht mehr leisten kann, sehe ich darin jedoch kein Problem.

  5. Uwe

    @1 Es ist zwar etwas ungeschickt ausgedrückt, aber so ist es in der Tat. Über das was @ 2 und 3 geantwortet haben lohnt es nicht im geringsten nachzudenken.

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