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Sprechstunde

Hilft Sport gegen Arthrose?

Anfang 60 und Arthrose im Knie – ist da mehr Bewegung sinnvoll? Das fragt eine SZ-Leserin unseren Experten Doktor Wimmer.

05.10.2017
Von Dr. Johannes Wimmer

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rt gegen Arthrose?
Bewegung tut gut – aber auch bei Arthrose?

© dpa

Ich bin Anfang 60 und leide unter Arthrose in den Knien. Wenn ich gehe oder laufe, vor allem über einen längeren Zeitraum, habe ich Schmerzen. Dadurch bewege ich mich insgesamt deutlich weniger als früher. Ich würde gerne wieder mehr tun. Ist Bewegung bzw. Sport bei Arthrose überhaupt hilfreich?

Weltweit ist Arthrose die häufigste Gelenkerkrankung. In Deutschland leiden ungefähr fünf Millionen Menschen darunter. Dabei sind ältere Mitbürger häufiger betroffen als jüngere – vor allem ab dem 60. Lebensjahr ist die Wahrscheinlichkeit höher, an Arthrose zu erkranken. Wenn von einer Arthrose die Rede ist, meinen wir Ärzte einen Gelenk-, genauer gesagt einen Knorpelverschleiß. Das müssen Sie sich wie folgt vorstellen: Zwischen zwei Gelenkknochen, nämlich an den jeweiligen Knochenenden, befindet sich Knorpel. Dieser fungiert als Schutzschicht, sodass die Knochen bei Bewegung nicht aufeinander reiben und körperliche Belastung gleichmäßig auf das Gelenk verteilt wird. Wenn diese Schutzschicht immer dünner wird, schwindet die dämpfende Wirkung des Knorpels, und die Knochen reiben direkt aufeinander. Stellen Sie sich vor, Sie hantieren mit einem Stößel in einem Mörser – nur, dass Sie damit nichts zerkleinern, sondern der Stößel direkt auf den Mörser schlägt. Ungefähr so ist es, wenn zwei Knochen ohne Puffer aufeinandertreffen. Kein Wunder also, dass das wehtut.

Besonders schmerzhaft ist die von Ihnen beschriebene Kniearthrose, medizinisch auch Gonarthrose genannt. Denn die Knie tragen eine enorme Last – unseren gesamten Oberkörper. Je mehr Gewicht auf den Knien lastet, desto schneller schreitet der Knorpelverschleiß voran, und desto schmerzhafter wird die Angelegenheit. Es ist daher nachvollziehbar, dass Sie jegliche Bewegung meiden. Ratsam ist das aber leider nicht.

Wir Ärzte sprechen in diesem Fall von einem Teufelskreis, der im Übrigen bei sehr vielen Arthrose-Patienten auftritt. Durch die Schmerzen, die die Bewegung verursacht, bewegen sich die Betroffenen immer weniger. Durch die mangelnde Bewegung wird der Knorpel jedoch schlecht durchblutet und verliert noch schneller seine Schutzfunktion. Die Arthrose schreitet dadurch weiter voran.

Sie wissen sicherlich, dass Arthrose zwar nicht heilbar ist, durch bestimmte Verhaltensweisen aber verzögert werden kann. Dazu gehört zum Beispiel angemessene Bewegung. Denn wenn wir uns bewegen, wird in unseren Gelenken eine Schmierflüssigkeit produziert, die sogenannte Synovialflüssigkeit. Sie wirkt dämpfend und sorgt für reibungslose Beweglichkeit.

Aber nicht jede Art von Bewegung und nicht jede Sportart ist bei Arthrose geeignet. Üben Sie beispielsweise eine Sportart aus, bei der es zu ruckartigen Abbremsbewegungen kommt, wie es beim Tennis üblich ist, werden Ihre Gelenke stark durch das eigene Körpergewicht belastet. Empfehlenswert sind daher solche Sportarten, die die Gelenke schonen und trotzdem ausreichend Bewegung garantieren. Denn ein wichtiger Grundsatz bei Arthrose lautet: Viel bewegen, wenig belasten.

Hierzu gehören Sportarten wie Schwimmen, Nordic Walking oder Radfahren. Besonders das Schwimmen gilt in der Behandlung von Arthrose als effektiv, da die Gelenke durch die Schwerelosigkeit im Wasser sehr stark entlastet werden. Beim Nordic Walking wird die Belastung durch Stöcke abgefedert – es ist daher ebenfalls zu empfehlen. Wer lieber Rad fahren möchte, sollte darauf achten, ein Fahrrad mit vielen Gängen zu nutzen und dann eher in den niedrigeren Gängen zu fahren.