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Sonntag, 27.11.2011

Günstigere Autoversicherung per Internet – so geht’s

Online-Rechner schaffen Durchblick im Tarifdschungel. Wer den Anbieter wechseln will, hat noch bis Ende November Zeit.

Von Tobias Hanraths

Wann sind Sie geboren? Wo wohnen Sie? Und was macht Ihr Partner beruflich? Solche Fragen stellen Online-Tarifrechner auf der Suche nach der günstigsten Kfz-Versicherung. Das Verhör kann sich finanziell durchaus rechnen – es gibt aber auch Fallstricke.

Warum kann sich ein Wechsel des Versicherers lohnen?

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft rechnet damit, dass die Beiträge bis Ende des Jahres um 3,4 Prozent steigen werden. Grund dafür sind unter anderem deutlich gestiegene Unfallzahlen wegen der harten Winter, sagt Verbandssprecher Christian Lübke. Jochen Oesterle vom ADAC verweist zudem auf ständig neue Tarife und Angebote, die einen Wechsel attraktiv machen: „Gerade für Fahranfänger und Familien hat sich im vergangenen Jahr einiges getan.“

Eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Versicherungswirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin stützt die Aussagen. Beim deutschlandweiten Vergleich für zehn Musterkunden betrug der Preisunterschied zwischen dem jeweils teuersten und günstigsten Angebot durchschnittlich 1357Euro.

Wo findet man günstige Angebote?

Die meisten Verbraucher greifen zum Tarifvergleich auf Seiten wie Finanzscout24, Toptarif oder Check24 zurück. Allerdings braucht die Suche etwas Zeit. „Ein paar Stunden würde ich mir schon nehmen“, sagt Siegfried Karle vom Verein Geld und Verbraucher. Für den Vergleich benötigt man Fahrzeug- und Führerschein sowie die aktuellen Versicherungspapiere. Hat man sich für einen Anbieter entschieden, sind die entsprechenden Formulare in zehn bis 20 Minuten ausgefüllt.

Was taugen Suchergebnisse im Internet?

Verbraucherschützer Karle rät, nicht jedes Ergebnis für bare Münze zu nehmen: „Nicht alle Vergleichsdienste berücksichtigen wirklich alle Anbieter.“ Dahinter stecken manchmal technische Hürden, manchmal aber auch kommerzielle Interessen der Betreiber. Deshalb sollten Autobesitzer lieber die Ergebnisse mehrerer Tarifrechner einbeziehen – auch wenn die Suche dann etwas länger dauert. „Bei manchen Diensten lassen sich die Suchergebnisse zwischenspeichern“, sagt Karle. Das erleichtere das Vergleichen.

Auch Sven Kretzschmar von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt in Magdeburg empfiehlt, den Online-Preisvergleich nicht als Allheilmittel zu sehen: „Für den Nutzer ist nur schwer nachvollziehbar, wie diese Systeme genau arbeiten.“ Allerdings sagt er auch: Ohne Computerunterstützung gehe es nicht mehr, weil die Tarifsysteme in den vergangenen Jahren immer komplexer geworden seien. „Es geht heute nicht mehr nur um Teil- oder Vollkasko, sondern um viel mehr Fragen.“

Was zeichnet einen guten Online-Rechner aus?

Einen guten Online-Tarifvergleich erkennt man unter anderem daran, dass er diese Komplexität abbildet. „Wenn der Computer sie nur nach Automodell und jährlicher Kilometerleistung fragt, ist das zu wenig“, sagt Kretzschmar. Eine Rolle beim Versicherungstarif spielen auch andere Faktoren – zum Beispiel die Frage, ob das Auto in der Garage steht, wer es neben dem Fahrzeughalter noch fährt und sogar, ob der Besitzer eine Bahncard hat. Gleichzeitig warnt der Verbraucherschützer aber davor, unbesorgt zu viele persönliche Daten ins Internet einzugeben. Rausrücken sollte man nur, was wirklich gebraucht wird: „Die Postleitzahl braucht der Tarifrechner schon, die genaue Anschrift auf keinen Fall.“

Sind alle Daten eingegeben, empfehlen Tarifrechner häufig sogenannte Direktversicherer. Bei denen werden die Policen nicht mehr mit Außendienstlern abgeschlossen, sondern direkt mit der Versicherung. Beratung und Kundenservice laufen über Internet und Telefon. „Da muss sich jeder selbst entscheiden, ob ihm das reicht“, findet Kretzschmar.

Kann man auch individuelle Wünsche berücksichtigen?

Aber nicht nur auf den Preis und die Art der Beratung sollten Autofahrer vor dem Versicherungsabschluss achten. Siegfried Karle: „Entscheidend ist nicht, ob ich 20Euro mehr oder weniger bezahle, sondern dass ich im Schadensfall anständig geschützt bin.“ Und das hänge immer von den eigenen Lebensumständen ab: „Wenn das Auto nicht in der Garage steht, lohnt sich eine Versicherung gegen Marderbisse und die entsprechenden Folgeschäden“, gibt Karle ein Beispiel. Bei vielen Versicherungen lassen sich solche Zusatzoptionen nach dem Bausteinprinzip hinzubuchen – zum Beispiel spezielle Policen für Fahrten ins Ausland, Entschädigung für Wildtierschäden oder länger geltende Neuwertentschädigungen.

Was muss ich bei einer Kündigung beachten?

Die Kündigungsfrist endet in der Regel am 30.November. Jochen Oesterle vom ADAC empfiehlt, mit der Kündigung bis zur Unterzeichnung des neuen Vertrags zu warten. Denn Versicherer können Anträge für den Kaskoschutz ablehnen. Die entsprechenden Schreiben werden am besten per Einschreiben mit Rückschein verschickt. Eventuell können Autobesitzer sich den Stress aber auch sparen, sagt Oesterle: „Wenn Sie mit Ihrem Versicherer zufrieden sind, sollten sie sich vor der Kündigung erst mal nach einem besseren Tarif erkundigen.“ (dpa/SZ)