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Googles Großangriff

Der US-Konzern stellt eine Vielzahl neuer Geräte vor. Sie dienen als Vehikel – für eigene, intelligente Software.

06.10.2017
Von Andreas Rentsch

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Funktioniert mit Googles Übersetzungssoftware: Konzernmanager Justin Payne erklärt die Pixel-Bud-Kopfhörer.

© Monica M. Davey/Shutterstock

Hardware und Software aus einer Hand: Was Apple schon seit vielen Jahren propagiert, setzt mittlerweile auch Google erfolgreich um. Am Mittwoch hat der US-Konzern neue Smartphones, Notebooks, vernetzte Lautsprecher, Kopfhörer und einiges mehr vorgestellt. Auch beim Preis orientiert sich manches Google-Produkt am großen Konkurrenten aus Kalifornien.

Smartphones

Wie erwartet, heißen die neuen Super-Handys aus dem Hause Google Pixel 2 und Pixel 2 XL. Technisch sind sie nahezu identisch, Unterschiede gibt es nur bei der Gehäusegröße, beim Display und im Design. Die XL-Version hat einen Sechs-Zoll-Bildschirm, der eine Auflösung von 2880 mal 1440 Pixeln bietet. Das kleinere Modell kommt mit einem Fünf-Zoll-Display auf 1920 mal 1080 Bildpunkte. Die Zwölf-Megapixel-Kamera soll laut Google die beste sein, die je in einem Smartphone steckte.

Es lohnt aber auch der Blick auf die Software. So gibt es jetzt eine Funktion, die bei Porträtaufnahmen den Hintergrund unscharf macht, wie man es von doppellinsigen Smartphone-Kameras kennt. Clever ist auch Google Lens: Mit dieser Funktion erkennt das Smartphone, wenn man eine Sehenswürdigkeit knipst, und verknüpft das Foto mit Infos aus der Google-Suche.

Um den digitalen Assistenten zu aktivieren, der auf dem Gerät arbeitet, müssen Nutzer den drucksensitiven Rahmen „quetschen“. Dieses Bedienkonzept ist allerdings nicht neu. Der Hersteller HTC hat es bereits in seinem U11-Smartphone umgesetzt.

Preislich orientieren sich die Pixel-2Handys an Mitbewerbern wie dem iPhone 8 oder Samsungs Galaxy S8: Das kleinere Modell kostet je nach Speichergröße knapp 800 oder über 900 Euro, das größere rund 940 oder 1050 Euro. In Deutschland erhältlich sein soll das Pixel 2 Mitte November.

Notebooks

Googles neuester Klapprechner mit hauseigenem Betriebssystem heißt Pixelbook. Das nur einen Zentimeter dicke Gerät ist ein Zwitter: Dank eines Spezialscharniers lässt es sich so zusammenfalten, dass man es wie ein Tablet benutzen kann. Das berührungssensitive 12,3-Zoll-Display lässt sich bei Bedarf auch mit einem elektronischen Stift bedienen. Je nach Konfiguration verfügt das Gerät über 128, 256 oder 515 Gigabyte internen Speicher. Der integrierte Akku soll bis zu zehn Stunden durchhalten. Erstmals läuft auch der digitale Assistent auf einem Google-Notebook.

Leider wird das Pixelbook vorerst nicht in Deutschland erhältlich sein. Wer es in den USA kauft, zahlt dort mindestens knapp 1000 Dollar. Der Bedienstift schlägt mit weiteren 99 Dollar zu Buche.

Smarte Kopfhörer

An Simultanübersetzungen, die per Kopfhörer eingespielt werden, haben sich schon diverse Hersteller versucht. Jetzt mischt Google auf diesem Markt mit: Die drahtlosen, knapp 180 Euro teuren Pixel-Bud-Ohrstöpsel sollen das, was ein Gesprächspartner in einer anderen Sprache sagt, in Echtzeit in die eigene Muttersprache übersetzen. Selbst Gesagtes gibt die firmeneigene Software Translate über das gekoppelte Pixel-Smartphone wieder. Die smarten Kopfhörer reagieren aber auch auf Sprachbefehle – etwa die Bitte, eingehende Nachrichten vorzulesen.

Vernetzte Lautsprecher

In diesem Segment muss es Google vor allem mit Amazon aufnehmen. So bekommen die Echo-Dot-Geräte des Versandriesen Konkurrenz von einer Mini-Version des Google-Home-Modells. Der Winzling ist nicht mal handtellergroß, beantwortet Fragen, spielt auf Befehl Musik ab oder kommuniziert mit anderen smarten Geräten im Haushalt. Kosten wird er knapp 60 Euro. Dazu gibt es eine zweite Variante namens Home Max, die jedoch vorerst nicht in Deutschland zu haben sein wird. Die knapp 300 Dollar teure Stereo-Box beherrscht dieselben Funktionen, kann aber noch mehr: Künstliche Intelligenz soll dabei helfen, den Hifi-Sound an den jeweiligen Stellplatz im Raum anzupassen.

Mobile Kamera

Auch die ultrakompakte Google-Clips-Kamera setzt auf künstliche Intelligenz. Die soll erkennen, wenn ein guter Schnappschuss zu erwarten ist, um dann selbsttätig kurze Videoclips aufzunehmen. Der Anwender kann dann die Clips sichten, um schöne Momente herauszupicken. Das System verfügt über 16 Gigabyte internen Speicher, der Kamerasensor bringt es auf zwölf Megapixel. Nach Deutschland soll Google Clips nicht kommen. (mit dpa)