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Dienstag, 08.01.2013

Geschenkeonkel sein reicht nicht

Wer Pate wird, sollte mehr zu bieten haben als Geschenke zu Weihnachten und Geburtstagen. Doch es ist nicht immer einfach, der moralischen Verantwortung gerecht zu werden.

Von Britta Schmeis

Amtlicher Patenonkel: Alle zwei Jahre lädt Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich alle Familien mit Drillingskindern ein, für die er Pate ist. Hier posiert der Politiker 2010 im Saurierpark Kleinwelka mitden Drillingen Luisa, Arne und Timo Schönfelder (v.l.n.r.) aus Chemnitz. Wer nur ein oder Patenkinder, sollte sie nach Möglichkeit häufiger besuchen.Archivfoto: dpa
Amtlicher Patenonkel: Alle zwei Jahre lädt Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich alle Familien mit Drillingskindern ein, für die er Pate ist. Hier posiert der Politiker 2010 im Saurierpark Kleinwelka mit den Drillingen Luisa, Arne und Timo Schönfelder (v. l. n. r.) aus Chemnitz.Archivfoto: dpa

Spätestens mit der Geburt des ersten Kindes besinnen sich viele Eltern, die kaum einen Bezug zur Kirche haben, christlicher Traditionen. Egal, ob sie sich dadurch einen Platz in einer konfessionellen Kindertagesstätte sichern oder dem Kind den Weg in die Kirche ebnen wollen: Taufen haben für viele Familien immer noch einen festen Platz – ebenso die Paten.

Taufpaten stehen für die Tatsache, dass jemand in die Gemeinschaft der Glaubenden aufgenommen werde, erklärt Matthias Kopp von der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn. Viele Eltern verbänden mit dem Patenamt den Wunsch, dem Kind Menschen an die Seite zu stellen, die es auf seinem Lebensweg begleiten.

„Egal, ob es sich bei den Paten um Freunde der Eltern oder um Familienmitglieder handelt, in der Regel entwickelt sich eine ganz besondere Beziehung zwischen Paten und Patenkind“, sagt Pfarrer Sven Waske von der Evangelischen Kirche in Deutschland. Oft halte sie bis ins Erwachsenenalter an.

Die Psychologin Gisela Steins sieht in Patenschaften die Möglichkeit für das Kind, weitere Perspektiven kennenzulernen, Anregungen und Erfahrungen zu bekommen, die das Repertoire der Eltern erweitern. Dadurch würden sie zum Nachdenken, Vergleichen und Reflektieren angeregt. „In einer Patenschaft kann das nochmals auf besonders intensive Weise geschehen“, erklärt die Professorin an der Universität Duisburg-Essen.

Großer Vertrauensbeweis

Steins verweist auch auf ganz andere Patenschaften – jenseits des religiösen Gedankens – etwa die von Menschen, die die Patenschaft für bedürftige Kinder übernehmen. „Patenschaften können den Kindern Fröhlichkeit, Selbstbewusstsein und Aufgeschlossenheit bringen.“ Denn im Idealfall sind die Patenkinder auch für die Paten etwas Besonderes.

Egal, aus welcher Motivation heraus, Eltern sollten die Paten für ihre Kinder gut überlegt wählen. „Ich lege den Familien immer nahe, mit möglichen Paten sehr genau zu besprechen, was sie erwarten“, sagt Sven Waske. Was zunächst ein sehr persönlicher Freundschafts- und Vertrauensbeweis ist, kann auch zur Last und Verpflichtung werden. „Nur zu Weihnachten oder zum Geburtstag ein Geschenk zu schicken, reicht nicht“, sagt der katholische Theologe Jochen Jülicher aus Köln. Er hat Mitte der 1990er-Jahre mit der Kirche gebrochen und bietet seitdem nichtkonfessionelle Trauungen und Trauerfeiern an.

Jülicher rät den Paten, sich über die moralische Verantwortung dieses Amtes Gedanken zu machen. Denn entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass Paten im Todesfall der Eltern automatisch die Vormundschaft oder gar das Sorgerecht übertragen bekommen, handelt es sich bei der Patenschaft um eine rein moralische beziehungsweise kirchliche Verpflichtung.

„Die meisten Eltern suchen die Paten nach ihrer Verlässlichkeit und der eigenen Intensität der Beziehung aus“, sagt Jülicher. Weil sich Beziehungen im Laufe der Jahre veränderten, lasse er Paten und Eltern genau definieren, wie sie sich das Patenamt vorstellen.

„Manchen Menschen ist die Patenschaft als angetragenes Amt zu groß, sei es aus persönlichen Gründen, sei es, weil man sich beruflich verändert und wegzieht“, sagt der evangelische Pfarrer Waske. Dann sollten die möglichen Paten den Mut haben, das den Eltern zu sagen. Doch in Zeiten von Skype und Facebook relativierten sich räumliche Distanzen, sagt Kopp. Dann könnten Paten gemeinsam mit den Eltern überlegen, wie sie trotz der Entfernung im Leben des Kindes präsent sein können.

Oft sind es zwei Paten, die die Eltern auswählen, mitunter auch mehr. Formal müssen sie in der katholischen Kirche mindestens 16 Jahre alt, getauft und katholisch gefirmt sowie Kirchenmitglied sein. „Nichtkatholische Christen können neben einem katholischen Paten die Aufgabe des Taufzeugen übernehmen“, erläutert Kopp. Mitunter wird das von einigen Pfarrern aber etwas laxer gehandhabt.

Lebenslang verbunden

Bei den Protestanten können getaufte und konfirmierte Jugendliche ab 14 Jahren Pate werden, und mindestens einer der Paten muss evangelisch, beide aber Mitglied in der Kirche sein.

Bei allen formalen Voraussetzungen ist eine Patenschaft vor allem das, was man daraus macht. Für manche Kinder entwickeln sich Freunde oder Verwandte der Eltern zu Vertrauten. Bei anderen kehrt sich das Verhältnis irgendwann um, und die Patenkinder werden zu Begleitern der Paten, wenn die alt geworden sind. (dpa)

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