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Samstag, 07.10.2017

Erkältungsmythen auf dem Prüfstand

Die Schnupfenzeit geht wieder los. Die SZ prüft, welche Tipps tatsächlich helfen.

Von Carina Brestrich

Erkältungsmythen und die Wahrheit

Viel Schlaf und Ruhe ist bei einem Infekt die beste Medizin.
Viel Schlaf und Ruhe ist bei einem Infekt die beste Medizin.

© dpa

Pirna. Keiner will sie, keiner braucht sie – und doch kommt sie immer wieder: die Erkältungszeit. Auch im ehemaligen Weißeritzkreis treiben triefende Nasen und kratzenden Hälse die ersten Patienten zum Hausarzt. Andere behelfen sich lieber gleich selbst und schwören auf Omas Hausmittelchen. Doch wie man die fiesen Viren am schnellsten loswird oder gar nicht erst bekommt, darüber existieren viele Mythen. Welche Tricks funktionieren wirklich? Die SZ hat den Check gemacht.

Erkältungsmythen und die Wahrheit

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Die Männergrippe: Männer leiden mehr als Frauen

Wenn es Männer erwischt, dann kann sich so manche Frau warm anziehen. Denn nicht selten wird eine harmlose Erkältung für so manchen Herren gefühlt zum Überlebenskampf. Inzwischen hat das Phänomen sogar einen Namen: der Begriff „Männergrippe“ beschreibt das wehleidige Verhalten der Männer während einer Erkältung. Doch jammern die Männer zurecht? Immerhin gibt es Studien, wonach Männer anfälliger für grippale Infekte sind, während das weibliche Immunsystem Infekte besser abwehren kann.

Mehr Männer als Frauen zählt Dr. Vinzenz Grahl in seinem Wartezimmer jedenfalls nicht. Der Hausarzt im Medizinischen Versorgungszentrum am Neumarkt in Freital kann die Existenz der Männergrippe nicht bestätigen. „Dass Männer mehr leiden, kann man so pauschal nicht sagen. Das Schmerzempfinden ist ganz individuell“, sagt er.

Vitamine zur Vorbeugung: Viel hilft viel

Vitamin C, Zink, Magnesium: In der Wintersaison sind Nahrungsergänzungsmittel der Renner in Drogeriemärkten. Doch die Wirkung ist es meist nicht. So sind die Kapseln und Dragees nicht nur umstritten, sondern im Normalfall auch überflüssig, sagen Experten. „Bei einem gesunden Menschen genügt zur Vorbeugung eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung“, sagt Vinzenz Grahl. So genüge bereits ein Glas Orangensaft oder eine halbe rote Paprika, um den Tagesbedarf an Vitamin C zu decken. Dagegen werden Vitamine, die der Körper nicht verbraucht, ohnehin ausgeschieden.

Die Grippe-Impfung: Wirkung wird überschätzt

Seit September ist der aktuelle Impfstoff gegen die Influenza-Grippe auf dem Markt. Auch Hausarzt Vinzenz Grahl hat schon die Ersten geimpft. Dennoch gibt es auch eine Menge Leute, die sich nicht mit einer Impfung gegen die Influenza schützen wollen, weiß er: „Mitunter kommt die Ausrede, dass sie den Impfstoff in der Vergangenheit nicht vertragen haben“, erzählt Grahl. Tatsächlich können nach einer Impfung Erkältungssymptome wie Fieber oder Gliederschmerzen auftreten. Diese allerdings verschwinden nach wenigen Tagen – „und sollten die Leute nicht von einer Impfung abhalten“, sagt er. Denn diese senkt das Risiko, an einer schweren Grippe zu erkranken, erheblich. Deshalb raten Mediziner zu einer Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche und Schwangere. Auch Personen über 60 Jahre und jenen, die viel mit anderen Menschen Kontakt haben, sollten sich impfen lassen. Allerdings räumt Dr. Grahl mit einem weit verbreiteten Irrtum auf: „Wer sich impfen lässt, ist trotzdem nicht vor grippalen Infekten gefeit.“ Der Impfstoff ist auf eine bestimmte Virus-Form zugeschnitten.

In der zurückliegenden Grippe-Saison waren im Landkreis mindestens 739 Menschen an Influenza erkrankt, sieben von ihnen sind an der Grippe gestorben.

Wenn’s einen erwischt hat: Ohne Medikamente geht’s schneller

Keine Medikamente sind die beste Medizin: Tatsächlich sind Ruhe, viel Schlaf und wenig Anstrengung das Wichtigste, um eine Erkältung oder einen grippalen Infekt auszukurieren, sagt Vinzenz Grahl. Dass ein Verzicht auf Medikamente die Genesung beschleunigt, stimme allerdings nicht. Zwar sind auch Arzneimittel kein Garant, schnell wieder gesund zu werden. So können Medikamente zwar helfen, die Symptome eines Infekts zu lindern, etwa das Fieber zu senken. Die Erkältungszeit aber verkürzt sich durch ihre Einnahme nicht. Auch Antibiotika helfen in der Regel nicht. „Einige Patienten kommen in die Praxis und hoffen, dass sie mit einem Antibiotikum wieder schnell auf den Beinen sind“, sagt Grahl. Meistens muss er die Patienten dann enttäuschen: Antibiotika helfen bei bakteriellen Infekten, nicht aber gegen Viren.

Wenn die Nase läuft: Hochziehen ist schädlich

Schnupfen und kein Taschentuch zur Hand? Denn Schleim einfach in der Nase hochzuziehen ist nicht nur für die Menschen unangenehm, sondern galt lange Zeit auch als schädlich. Ein Irrtum, sagt Dr. Grahl. „Beim Schnäuzen wird die Luft gegen einen Widerstand rausgeblasen“, sagt er. Durch den Druck können Keime bis in die Nasennebenhöhlen gelangen und dort schlimmstenfalls eine Entzündung hervorrufen. Auch den Schleim runterzuschlucken, ist nicht gefährlich, sagt der Hausarzt: „Die Keime im Schleim werden durch die Magensäure abgetötet.“

Nicht anstecken: Bloß keine Hände schütteln

Diese Empfehlung ist tatsächlich ernst zu nehmen: Die beste Vorbeugung gegen eine Erkältung ist es, sich regelmäßig die Hände zu waschen oder zu desinfizieren. Und den Körperkontakt zu Erkrankten zu vermeiden. „Ein Handschlag kann schon genügen, um sich anzustecken“, sagt Vinzenz Grahl. Auch das gute, alte Stofftaschentuch ist – sofern es nach dem Schnäuzen wieder in der Hosentasche verschwindet – eine Keimquelle. Stattdessen empfiehlt es sich, Papiertaschentücher zu verwenden – nur einmal, versteht sich.

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