Dienstag, 21.08.2012

Die Tücken von Gratis-SMS

Mit Apps lassen sich kostenlos Kurznachrichten verschicken. Doch ausgerechnet die beliebteste fällt im Test durch.

Von Andreas Rentsch

Statistisch gesehen verschickt jeder Deutsche 40 Kurznachrichten im Monat. Doch immer weniger Nutzer wollen dafür extra bezahlen. Sie laden stattdessen eine meist kostenlose App auf ihr Smartphone und verschicken Botschaften, Bilder und andere Inhalte übers Internet. Außer der Gebühr für die ohnehin gebuchte Surf-Flat-rate kostet das nichts. Doch die Programme haben Tücken, warnt die Zeitschrift „Computer Bild“. Bei einigen Apps fanden die Tester gravierende Mängel.

Welche Gratis-SMS-Apps sind getestet worden?Fünf. Darunter ist mit WhatsApp die beliebteste App des Genres. Dazu kommen Chat On von Samsung, Yuilop Messenger, MySMS und iMessage. Letzeres ist eine Software, die es nur vorinstalliert auf Apple-Smartphones mit dem System iOS 5 gibt. Die anderen laufen unter Android, teilweise auch auf Blackberrys, Geräten mit Windows Phone, Bada, Symbian beziehungsweise im Internetbrowser am PC oder Mac und iOS. Bis auf die iPhone-Variante von WhatsApp, die 79 Cent kostet, sind alle Apps gratis. Nachrichtentransfers sind aber fast immer nur dann kostenfrei, wenn Sender und Empfänger das gleiche Programm installiert haben.

Drei Apps – MySMS, Yuilop und ChatOn – erreichten im Test das Gesamturteil „gut“. iMessage landete mit „befriedigend“ auf dem vierten, WhatsApp mit „mangelhaft“ auf dem letzten Platz.

Welche Mängel fanden die Tester bei den Apps?Als gravierendstes Problem nennen die Tester den „Adressbuchklau“. So laden die WhatsApp-Betreiber das komplette Kontakte-Verzeichnis eines neuen Nutzers auf ihren Server, um festzustellen, wer die App ebenfalls verwendet. Auch Datenschutzklauseln werden bemängelt. Etwa die Einwilligung, dass Daten gespeichert, an Dritte weitergegeben und zu Werbezwecken genutzt werden dürfen.

Doch das ist noch nicht alles. Unter Umständen können per WhatsApp gesendete Nachrichten an Besitzer von Android-Smartphones sogar von Hackern mitgelesen werden, warnt „Computer Bild“. Dafür müssten die Datenspione nur eine sogenannte Sniffer-App installieren und sich in das gleiche offene W-Lan-Netzwerk einwählen wie ihr Opfer. Angeblich wisse WhatsApp bereits seit April von diesem Problem. Reagiert habe er bisher nicht.

Zumindest ist die Spionage-Software nicht mehr über die Plattform Google Play verfügbar. Doch wer im Netz danach sucht, findet mühelos auch anderswo einen Link zum Heruntenladen der App.

Wie schützt man sich vor heimlichen SMS-Mitlesern?Wer über das Mobilfunknetz seines Providers mit dem Internet verbunden sei, müsse sich bei der Verwendung von WhatsApp nicht um die Sicherheit seiner Daten sorgen, erklärt „Chip Online“. Gleiches gelte für jeden, der ein passwortgeschütztes W-Lan nutzt.

Welche versteckten Kosten lauern in den Apps?iPhone-Besitzer ärgern sich beispielsweise darüber, dass iMessage Bilder als MMS sendet. Das verursacht Extra-Kosten. Vermeiden lässt sich das nur, wenn man in den Einstellungen den Unterpunkt „Nachrichten“ anklickt und dort die Option „MMS-Messaging“ abschaltet.

Welche Alternativen zu den getesteten Apps gibt es?Jede Menge. Eine der am häufigsten genutzten dürfte der Facebook Messenger sein. Auch über die bekannte Internettelefonie-App Skype lassen sich bequem und kostenlos Botschaften hin und her schicken. „Chip Online“ empfiehlt außerdem Text Me!, Kakao Talk Messenger, Pinger oder Trillian. Für welche App man sich entscheidet, hängt vor allem davon ab, welche Funktionen man haben möchte. Der Facebook Messenger beispielsweise ermöglicht auch Gruppen-Chats, Skype oder Text Me! eignen sich dafür besser für den Versand verschiedenster Dateien.

Wie simst man auch von PC oder Mac aus kostenlos?Von den getesteten Apps bieten MySMS und ChatOn auch die Möglichkeit, über den Internetbrowser am Windows-PC oder Mac gratis Nachrichten zu verschicken und zu empfangen. Gleiches ist mit iMessage möglich – zumindest, sobald das neueste Betriebssystem OS 10.8 „Mountain Lion“ installiert ist. Neu ist dort außerdem, dass man seine Botschaften an Freunde und Bekannte auch per Sprachsteuerung diktieren kann. Die Funktion gibt es beim iPhone 4S schon – dort nennt sie sich „Siri“.Ausführliche Testergebnisse der Gratis-SMS-Apps in: „Computer Bild“, Heft 17/2012