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Samstag, 28.12.2002 Jahreswechsel

Die Schattenseiten des Freuden-Feuerwerks

Von Renate Berthold

An diesem Wochenende beginnt der Verkauf der Silvesterraketen und der Böller. Für die Augenärzte heißt das: erhöhte Einsatzbereitschaft. Denn in dieser Zeit kommt es alle Jahre wieder zu Augenverletzungen durch den unsachgemäßen, aber auch den sachgemäßen Umgang mit Feuerwerkskörpern.

Prof. Dr. Lutz Pillunat, der Direktor der Dresdner Universitäts-Augenklinik, wird ein besonders dramatisches Ereignis wohl nie vergessen: Zwei Jugendliche, erzählt er, haben Knallkörper auseinander genommen, um das Schwarzpulver zu gewinnen. Das wurde in angebohrte Backsteine gefüllt, um diese zu sprengen. Als sie das Pulver mit dem Hammer festklopfen wollten, sind die Backsteine explodiert. Die traurige Bilanz: Ein Jugendlicher hat einen Arm und beide Augen verloren. Der zweite hat ein Auge verloren, das andere wurde schwer verletzt. „Das war echt der Wahnsinn“, sagt Pillunat, der bis heute die Fotos von diesen schweren Verletzungen aufgehoben hat. „Ich kann nur davor warnen, Feuerwerkskörper an Minderjährige zu verkaufen.“

Am sichersten mit

einer Schutzbrille

Gefahren für die Gesundheit ergeben sich auch, wenn Raketen oder Böller irgendwo und irgendwann gezündet und dadurch Passanten getroffen werden. Doch auch bei sachgemäßer Verwendung können Augenverletzungen entstehen, weiß Lutz Pillunat: Wenn nämlich verglühte Raketen vom Himmel fallen und den staunenden Beobachter des Silvesterschauspiels treffen. Daher rät der Augenarzt, erstens unbedingt sachgemäß mit Feuerwerkskörpern umzugehen und, wenn möglich, in der Silvesternacht eine Schutzbrille zu tragen. Das sollten vor allem jene tun, die ohnehin schon Probleme haben und auf einem Auge deutlich besser sehen als auf dem anderen. „So wie ein Butterbrot fast immer auf die belegte Seite fällt, treffen Verletzungen in der Regel das gute Auge. Das stellen wir generell in unserer Arbeit fest.“

Sollte es dennoch zu einer Augenverletzung kommen, dann ist unbedingt der Augenarzt oder der augenärztliche Notdienst aufzusuchen. „Der Betroffene kann die Schwere der Verletzung nicht selbst beurteilen“, sagt Pillunat.

Es gibt leichte Verletzungen des Auges wie Verschmauchungen, wenn zum Beispiel eine Rakete oder ein Böller vorzeitig explodiert und kleine Rußpartikel um das und in das Auge gelangen. Diese müssen möglichst schnell entfernt werden. Auch leichte oberflächliche Abschürfungen am Auge müssen behandelt werden, sagt der Klinikdirektor, sonst entzünden sie sich und können das Augenlicht gefährden. „Diese Verletzungen sind zwar ziemlich schmerzhaft, aber meist nicht problematisch.“

Anders sieht es mit augeneröffnenden Verletzungen aus, wie in der Fachsprache Verletzungen des Augapfels bezeichnet werden, die durch scharfe Kanten oder Druck entstehen können. Das sind, ebenso wie durch Feuerwerkskörper ausgelöste Risse in der Netzhaut schwere Augenverletzungen, die operativ behandelt werden müssen. Die schlimmste Form sei das Zerfetzen des Auges, sagt Professor Pillunat, so dass nichts anderes übrig bleibt, als den Augapfel zu entfernen. Nicht selten passieren derartige Unfälle unter Alkoholeinfluss, der viele unvorsichtig, ja übermütig werden lässt.

Universitäts-Augenklinik ist auf Notfälle eingestellt

Die Dresdner Universitäts-Augenklinik ist zum Jahresende auf derartige Notfälle eingestellt. „Wir haben in dieser Zeit sicherlich fünf Mal soviel zu tun wie normalerweise“, schätzt der Direktor. Viele Patienten kommen erst am Neujahrstag zum Arzt, weil sie in der Nacht unter Alkoholeinfluss die Verletzungen entweder gar nicht bemerkt oder aber deren Schwere falsch eingeschätzt haben.

Übrigens sollten auch Sektkorken nicht unterschätzt werden. „Ich habe davor größten Respekt“, sagt der Klinikdirektor. Sektkorken können „ganz schlimme Verletzungen“ verursachen, weil sie mit einem enormen Druck ins Auge knallen. Daher: Am besten den Korken festhalten oder ein Tuch beim Öffnen der Sektflasche verwenden und die Flasche so halten, dass niemand gefährdet wird.