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Donnerstag, 10.04.2008

Die Arthrose wird zur Volkskrankheit

Die Gelenkabnutzung ist unheilbar. Frauen haben ein deutlich höheres Risiko als Männer.

Von Renate Berthold

Die Ursache, warum Gelenke durch Abnutzung geschädigt oder sogar zerstört werden, hat einen Namen: Arthrose. Davon sind fast alle Menschen mit zunehmendem Alter betroffen. Frauen und Übergewichtige haben ein besonders großes Risiko, an Arthrose zu erkranken. Alle Gelenke können sich abnutzen. Am häufigsten sind die Wirbelsäule, das Hüftgelenk sowie die Knie-, Hand- und Fußgelenke betroffen.

Sechs Millionen Betroffene

Arthrose gilt als unheilbar. Das heißt: Die Medizin kann nur versuchen, das Fortschreiten dieser Erkrankung aufzuhalten oder wenigstens zu verlangsamen. Und vor allem sollen die Beschwerden gelindert werden. Denn Gelenkerkrankungen sind oft sehr schmerzhaft und sie schränken die Mobilität stark ein, sagt Professor Günther. „Das heißt, die Lebensqualität leidet erheblich darunter.“ Als letzte Konsequenz bleibt nur die Endoprothese, also der Ersatz des geschädigten Gelenks.Der Direktor der Dresdner Orthopädie-Uniklinik hat 2002 gemeinsam mit zwei Fachkollegen für die Gesundheitsberichterstattung des Bundes die sozialmedizinische Bedeutung der Arthrose in Deutschland erforscht. Demzufolge leiden bundesweit etwa sechs Millionen Menschen an diesen Gelenkerkrankungen. Damit ist die Arthrose eine Volkskrankheit.Bei den niedergelassenen Orthopäden zählen Kniearthrosen mit 12,8 Prozent und Hüftarthrosen mit 7,8 Prozent aller Behandlungsfälle zu den zehn häufigsten Diagnosen.

Lange im Krankenhaus

Etwa 335 000 Patienten mit Gelenkabnutzungen müssen im Jahr stationär behandelt werden. Meist werden dann künstliche Gelenke eingesetzt. In nur drei Jahren ist diese Zahl um knapp 20 Prozent gestiegen. Da die Häufigkeit der Arthrose mit dem Alter zunimmt, wird sich dieser Trend fortsetzen. Bemerkenswert ist auch, dass Arthrose-Patienten relativ lange im Krankenhaus bleiben müssen: Bei degenerativen Veränderungen der Hüfte waren es durchschnittlich 18,4 und bei Kniearthrose durchschnittlich 13,9 Tage. Demgegenüber lag die sogenannte allgemeine Verweildauer in Krankenhäusern bei 9,7 Tagen. Auch bei den Krankschreibungen zeigt sich, dass die Betroffenen deutlich länger pausieren müssen als andere Patienten – und zwar 56 Tage im Jahr, wenn die Hüfte betroffen ist und 27 Tage, wenn die Knie entsprechende Beschwerden machen.

Fast alle Gelenke ersetzbar

Dass Frauen häufiger mit diesen Problemen zu tun haben als Männer, auch das weist die Krankenhausstatistik aus. 20 von 10 000 Frauen werden jährlich mit Hüftgelenksabnutzungen stationär behandelt. Bei den Männern sind es 13. Mit entsprechenden Knie-Beschwerden kommen 26 von 10 000 Frauen ins Krankenhaus.„Insgesamt werden hierzulande mehr als sieben Milliarden Euro im Jahr für die Behandlung der Arthrose ausgegeben“, sagt Prof. Günther. Die wirtschaftlichen Kosten sind also enorm. Zum Glück für die Betroffenen entwickelt sich die Medizin immer weiter, so dass heutzutage fast alle Gelenke zu ersetzen sind. Häufig ermöglicht dies dann den Betroffenen ein weitgehend schmerzfreies Leben.