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Donnerstag, 24.04.2008

Diagnose Abnutzung des Knies

Als Scharnier zwischen Ober- und Unterschenkel ermöglicht das Knie das Beugen und Strecken der Beine. Bei Abnutzung verweigert es den Dienst.

Von Sylvia Redlich

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Vorher: Das Röntgenbild zeigt das abgenutzte Kniegelenk im Stehen. Der Knorpel ist verschwunden, knöcherne Auswüchse haben sich gebildet.  Aufnahmen: Gemeinschaftspraxis Dr. Klein und Dr. Wittig Dresden
Vorher: Das Röntgenbild zeigt das abgenutzte Kniegelenk im Stehen. Der Knorpel ist verschwunden, knöcherne Auswüchse haben sich gebildet. Aufnahmen: Gemeinschaftspraxis Dr. Klein und Dr. Wittig Dresden
  • Vorher: Das Röntgenbild zeigt das abgenutzte Kniegelenk im Stehen. Der Knorpel ist verschwunden, knöcherne Auswüchse haben sich gebildet.  Aufnahmen: Gemeinschaftspraxis Dr. Klein und Dr. Wittig Dresden
    Vorher: Das Röntgenbild zeigt das abgenutzte Kniegelenk im Stehen. Der Knorpel ist verschwunden, knöcherne Auswüchse haben sich gebildet. Aufnahmen: Gemeinschaftspraxis Dr. Klein und Dr. Wittig Dresden
  • Nachher: Mit dieser ungekoppelten Vollprothese wurden die abgenutzten Gelenkoberflächen ersetzt.
    Nachher: Mit dieser ungekoppelten Vollprothese wurden die abgenutzten Gelenkoberflächen ersetzt.
  • Vorher: Das Röntgenbild zeigt das geschwollene Knie in gebeugter seitlicher Haltung und verdeutlicht die Abnutzung der Kniescheibenrückfläche.
    Vorher: Das Röntgenbild zeigt das geschwollene Knie in gebeugter seitlicher Haltung und verdeutlicht die Abnutzung der Kniescheibenrückfläche.
  • Nachher: Das Einsetzen dieser Oberflächenprothese, die die Form eines Hufeisens hat, ist derzeit die Standard-Operation beim künstlichen Kniegelenk.
    Nachher: Das Einsetzen dieser Oberflächenprothese, die die Form eines Hufeisens hat, ist derzeit die Standard-Operation beim künstlichen Kniegelenk.

Hand aufs Herz, wer denkt beim Gehen, Rennen, Setzen oder Aufstehen schon dankbar an sein Knie? Doch an jedem Tag hebelt das Kniegelenk ein Vielfaches des eigenen Köpergewichtes und federt – wie ein Stoßdämpfer – auch einen Großteil der Erschütterungen ab. Mit der Zeit können die dauerhaften erheblichen Belastungen die Knorpelschicht stark abnutzen. Dieser Gelenkverschleiß am Knie wird als Gonarthrose bezeichnet. Sie führt zu einer fortschreitenden Zerstörung des Gelenkknorpels und der Gelenkstrukturen. Neben Knorpelflächen können der gelenkbildende Knochen, Gelenkkapsel sowie die Muskulatur betroffen sein.

Ursachen

Vor allem Übergewicht und zu wenig Bewegung begünstigen den Verschleiß der Knorpelschichten im Knie. „Die sehr häufig vorkommende Gonarthrose kann sich auch als Folge von Verletzungen, Fehlstellungen und Fehlbelastungen wie X- oder O-Beine oder wegen Überlastungen im Beruf und beim Sport einstellen“, sagt Dr. Uwe Wittig, stellvertretender Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Orthopäden in Sachsen.„Als Ursachen kommen auch Stoffwechsel- oder rheumatische Erkrankungen, in selteneren Fällen Infektionen im Knie in Betracht.“ Bei manchen Menschen tritt mit zunehmendem Alter auch ohne erkennbare Ursachen eine Abnutzung des Kniegelenkes auf.

Symptome

Schwellungen ohne größere Schmerzen oder starke Schmerzen können auf eine Kniegelenksarthrose hinweisen. Typisch sind Anlaufschmerzen. Eine Blockierung, die das Gefühl erzeugt, es sei Sand im Getriebe, kann sich bei zusätzlichem Verschleiß der Menisken und besonders bei Abnutzungsveränderungen unter der Kniescheibe ergeben. Eine Instabilität, die der Betroffene als „Wegrutschen“ des Gelenks empfindet, ist meist schon ein Zeichen der fortgeschrittenen Arthrose. Als Folgen können sich Bewegungseinschränkungen bis hin zur Versteifung einstellen.

Diagnose

Bei ersten Beschwerden wendet sich der Patient meist an seinen Hausarzt oder an einen Orthopäden. „Der ausführlichen Befragung folgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Dabei wenden wir verschiedene Handgriffe und Untersuchungstechniken an“, sagt Dr. Wittig. Mithilfe von Röntgenaufnahmen, Ultraschall oder in seltenen Fällen einer Magnetresonanztomografie lassen sich die wesentlichen Veränderungen gut erkennen. Die Gelenkspiegelung (Arthroskopie) ermöglicht es, krankhafte Veränderungen über ein optisches Gerät zu sehen und zu beurteilen. Zur alleinigen Diagnostik ist dieses Verfahren aber nicht mehr erforderlich.

Therapie

Eine Linderung der Schmerzen versprechen verschiedene Medikamente mit dem Wirkstoff Diclofonac und Ibuprofen, vorübergehende Schonung sowie Krankengymnastik. Für eine Entlastung des Knies sorgt die Erhöhung des Schuhaußenrandes. Dies gelingt über eine Einlage oder eine leichte Verdickung,die außen auf der Schuhsohle befestigt wird. Vielen Patienten hilft zudem die lokale Injektion eines Kortisonpräparates. Drei- bis viermal im Jahr kann es gespritzt werden. Umfangreiche Studien haben ergeben, dass auch Akupunktur Schmerzen lindern und die Gelenksfunktion verbessern kann. Auch die Neuraltherapie, bei der der Arzt dem Patienten das örtliche Betäubungsmittel Procain um die Kniescheibe herum injiziert, kann dem Patienten helfen. Weil ihre Wirksamkeit umstritten ist, sind manche anderen Therapien keine Kassenleistung. Das trifft insbesondere auf Spritzen mit Hyaluronsäure, einem Baustein der Knorpelgrundsubstanz, zu. Schließlich kommt als alternatives Heilverfahren die Magnetfeldtherapie zur Anwendung. Dabei wird das zu behandelnde Gelenk einem Magnetfeld ausgesetzt. „Der Knorpel regeneriert sich mit all diesen Maßnahmen zwar nicht, aber der Verschleiß lässt sich verzögern und der Schmerz verringern“, sagt der Orthopäde.

Operation

Als operative Maßnahmen, bei denen das Gelenk erhalten wird, kommen die Gelenkspiegelung (Arthroskopie) mit Teilentfernung von gerissenen Menisken und die Korrektur von Fehlstellungen in Betracht. Können eine medikamentöse Behandlung oder eine gelenkerhaltende Operation nicht mehr helfen, ist die Lebensqualität stark eingeschränkt und sind die Schmerzen nicht mehr durch andere Therapien beeinflussbar, ist ein künstlicher Gelenkersatz zu empfehlen.Prävention

Wer sein Gewicht in Grenzen hält, sich ausreichend bewegt und gesund ernährt, kann damit auch der Arthrose vorbeugen. Arbeitsmittel wie Knieschützer sollten genutzt, Sportverletzungen vermieden werden. Nordic Walking, Schwimmen, Wandern oder Radfahren belasten die Gelenke weniger als Tennis, Skifahren, Joggen oder Ballsportarten.