erweiterte Suche
Mittwoch, 20.09.2017

Das sagen Krebsorganisationen: KONTRA

KONTRA: Für den Zusammenhang von Psyche und Krebs fehlen die Beweise – das ist die Meinung des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Nach dem heutigen Wissensstand gibt es keinen Nachweis für eine „Krebspersönlichkeit“. Dieses Konzept ist wissenschaftlich überholt. Denn bestimmte Charaktereigenschaften haben nichts mit der Neigung zu Erkrankungen zu tun.

Psychische Belastungen und Stress beeinflussen zwar die Widerstandskraft und das Wohlbefinden. Eine maßgebliche Rolle bei der Krebsentstehung kann ihnen aus wissenschaftlicher Sicht aber nicht zugeordnet werden. Anders ist die Sache, wenn Stress und andere Belastungen dazu führen, dass Menschen vermehrt rauchen, Alkohol trinken und sich ungesund ernähren. Dann besteht nachgewiesenermaßen ein erhöhtes Risiko. Dafür sind aber das Rauchen beziehungsweise der Alkohol und nicht der Stress verantwortlich. Krebsforscher gehen zudem davon aus, dass bei der Krankheitsentstehung viele verschiedene Faktoren zusammenspielen. Der Nachweis, welcher Faktor welchen Einfluss hat, ist kaum möglich.

Die Annahme einer psychischen Ursache von Krebs ist bei vielen Patienten eher ein Erklärungsversuch und eine Möglichkeit der Einordnung der Krankheit in die eigene Lebensgeschichte. Die Kehrseite dessen sind Schuldgefühle, weil damit dem Patienten die Botschaft vermittelt wird, für seine Krankheit in gewisser Weise selbst verantwortlich zu sein.

Ob eine bestimmte Art der Krankheitsverarbeitung den Krankheitsverlauf oder die Überlebenszeit maßgeblich beeinflusst, ist wissenschaftlich schwer zu prüfen, weil das für jeden Patienten etwas anderes bedeuten kann. Viele Menschen können nicht permanent kämpfen. Eine solche Forderung setzt sie unter Druck und hinterlässt ein Gefühl der Unzulänglichkeit. Wut, Angst und Traurigkeit müssen genauso möglich sein wie Lethargie und Abschalten. Denn solche Gefühle bringt eine schwere Krankheit mit sich. Deshalb ist eine psychoonkologische Begleitung so wichtig.

Im Verlauf der Krankheit durchleben die meisten unterschiedliche Phasen. Dabei kann eine positive Einstellung zwar hilfreich sein, aber ob es auch positiv für die Genesung ist, kann wissenschaftlich nicht belegt werden. Jeder muss seinen eigenen Weg im Umgang damit finden. Es gibt hier kein Falsch und kein Richtig.