Dienstag, 08.01.2013

Brauche ich noch eine Überweisung für den Facharzt?

Die Praxisgebühr ist passé – was bei Patienten neue Fragen aufwirft.

Der Wegfall der Praxisgebühr hat bei Patienten nicht nur zu Freude geführt. „Viele Menschen sind jetzt auch irritiert“, sagt Rainer Sbrzesny von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Muss ich künftig weniger Zuzahlungen leisten?

Die Annahme, dass sich mit dem Entfallen der Praxisgebühr der individuelle Gesamtbetrag für Zuzahlungen verringert habe, sei ein Irrtum, sagt Sbrzesny. Die Höhe der jährlichen Belastungsgrenze liegt auch 2013 bei zwei Prozent des Bruttoeinkommens, für chronisch Kranke bei einem Prozent. Die Zuzahlungen sind fällig für verschreibungspflichtige Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel, stationäre Behandlung, Fahrtkosten und häusliche Krankenpflege. Bis Ende 2012 konnte man auch die bezahlten Praxisgebühren geltend machen.

Für wen ist es sinnvoll, alle Quittungen sammeln?

Wer regelmäßig hohe Zuzahlungen hat, kann diese bis zu seiner Belastungsgrenze im Voraus bezahlen und muss so nicht alle Quittungen sammeln und bei der Krankenkasse einreichen. „Das ist besonders sinnvoll für chronisch Kranke“, sagt Sbrzesny. Wer nicht sicher ist, ob er die Grenze auch ohne die Praxisgebühr erreicht, sollte die Belege zunächst sammeln, bis er seinen individuellen Betrag erreicht hat. Anschließend kann man sich für das restliche Jahr von Zuzahlungen befreien lassen.

Brauche ich für den Facharzt noch eine Überweisung?

„Auch hier hat sich gegenüber vorigem Jahr nichts geändert“, sagt Sbrzesny. In Deutschland kann man mit wenigen Ausnahmen den Facharzt seiner Wahl ohne Überweisung aufsuchen. Bis Ende 2012 war dann nur erneut die Praxisgebühr fällig. Ausnahmen gelten etwa bei besonderen Fachärzten oder der Teilnahme an einem Hausarztmodell. Zudem hätten Überweisungen durchaus ihren Sinn, meint der Patientenberater: „Wenn man sich zu Fachärzten überweisen lässt, behält der Hausarzt besser den Überblick und kann die Behandlung entsprechend ausrichten.“ Nicht aufeinander abgestimmte Medikamente und überflüssige Mehrfachuntersuchungen lassen sich so eher vermeiden. (SZ)

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