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Samstag, 03.04.2010

Bauch weg durch Hypnose

Das Unterbewusstsein lässt sich so beeinflussen, dass falsche Essgewohnheiten korrigiert werden können.

Von Kristina Grunwald

Abnehmen durch Nichtstun! Kein abendlicher Heißhunger mehr, keine Lust auf Süßes – durch Hypnose. Real oder Scharlatanerie? Dr. Sven Johne, Heilpraktiker in Dresden, hat schon einige Übergewichtige per Hypnose von ihren Pfunden befreit. Doch er warnt vor übertriebenen Hoffnungen: „Es geht langsam voran, dafür aber beständig“, sagt er. „Ein halbes bis ein Kilo pro Woche schaffen fast alle meiner Patienten.“ Die Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie bestätigt die Wirksamkeit von Hypnose beim Abspecken und listet im Internet weitere Therapeuten in Sachsen auf – wie zum Beispiel Irmtraud Teschner. Sie kann drei Viertel ihrer Patienten von Übergewicht befreien.

Offen für Suggestionen

Johnes Behandlung ist keine Zauberei, sondern beruht auf einem ganzheitlichen Konzept. „Die Hypnose ist nur ein Baustein beim Abnehmen“, sagt er. Sie sei auch nicht für jeden geeignet. Wer sich zum Beispiel nur zu dick fühlt oder von anderen zum Abnehmen gedrängt wird, komme nicht infrage. Bei Stoffwechselproblemen und psychischer Labilität indes kann Johne helfen. „Dazu gehören Erwachsene, die als Kind immer aufessen mussten, oder Menschen, die unter Stress zu häufig in die Süßigkeitenschublade greifen“, sagt er.

Viele Übergewichtige essen Dinge, die ihrem Körper nicht guttun. Deshalb führt Johne bei seinen Patienten zuerst eine Darmfloraanalyse durch: „Der Nachweis von Bakterien und eventuell vorhandenen Pilzen bestimmt, welche Lebensmittel meine Patienten essen dürfen und welche sie meiden sollten.“ Erst nach einer umfassenden Ernährungsberatung geht es zur ersten Hypnosesitzung.

Gefühlte Sättigung

„Die medizinische Hypnose hat nichts mit kindlichem Lallen oder auftragsmäßig durchgeführten Handlungen zu tun“, sagt Dirk Revenstorf, Hypnose-Experte der Universität Tübingen und Leiter der Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose. Hypnose ist ein besonderer Bewusstseinszustand. Die Aufmerksamkeit eines Menschen ist dabei nach innen gerichtet und damit offen für Suggestionen – also für eine Lenkung des Verhaltens oder des Erlebens.

Mit entspannenden Klängen und sogenannten posthypnotischen Suggestionen arbeitet auch Sven Johne. Die meisten seiner Patienten verfolgen falsche Ernährungsmuster: Sie trinken zu wenig, essen unregelmäßig, wählen die falschen Speisen. Viele kommen tagsüber kaum zu einer richtigen Mahlzeit und stopfen abends in sich hinein, was der Kühlschrank hergibt. Dort kann der Therapeut ansetzen. Befindet sich der Patient in einer Hypnose, lässt sich Johne zum Beispiel beschreiben, wie solch ein abendlicher Gang zum Kühlschrank abläuft. Der Patient antwortet in einfachen Sätzen. Johne fragt nach, lässt sich die Küche beschreiben und will wissen, wo der Kühlschrank steht. Der Patient antwortet. Nun will Johne noch in Erfahrung bringen, wo die Wasserflaschen stehen. So kann der Therapeut eine Fantasiereise aufbauen: Auf dem Weg zum Kühlschrank schickt er seinen Patienten an der Wasserflasche vorbei. „Füllen Sie sich ein Glas Wasser ein und trinken Sie es“, sagt Johne in sonorer Stimme. Nun kommt die Suggestion: „Ihr Magen fühlt sich gut gefüllt an.“ Ist der Patient auf seiner Fantasiereise am Kühlschrank angekommen, hat er tatsächlich ein Sättigungsgefühl.

Das funktioniert wirklich, sagt der Therapeut. Er könnte das Ganze auch verschärfen und dem Patienten beim Kühlschranköffnen Unwohlsein oder Brechreiz suggerieren. So weit gehe er aber nicht. Der Heilpraktiker versucht vielmehr, falsche Ernährungs- oder Erziehungsmuster mithilfe des Unterbewusstseins zu berichtigen. Außerdem kann er während der Hypnose Ursachen für Übergewicht erforschen – zum Beispiel, dass das Essen den Verlust einer geliebten Person kompensieren soll.

„Es ist bekannt, dass die Psyche eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Übergewicht und Essstörungen spielt“, sagt Revenstorf. Eine Studie seiner Universität in Tübingen beweist die Wirksamkeit von Hypnose beim Abnehmen. 43 übergewichtige Frauen erhielten Seminare zur Verhaltenstherapie, die Hälfte nahm zusätzlich Hypnosetherapie in Anspruch. Ergebnis: Die Frauen beider Gruppen nahmen bis zu 5,2 Kilogramm ab. Die Hypnosegruppe konnte allerdings ihr Gewicht stärker reduzieren.

Krankenkassen zahlen nicht

Die Dauer einer Hypnosebehandlung ist von dem vereinbarten Ziel, der Art und Dauer der Essprobleme und der Belastbarkeit der Patienten abhängig. In jedem Einzelfall sind diese Fragen zwischen den Therapeuten und den Patienten abzustimmen. Es empfiehlt sich, nach spätestens fünf Sitzungen zu überprüfen, ob Veränderungen eingetreten sind und die Behandlung Erfolg hat. Eine psychotherapeutische Hypnosesitzung kostet zwischen 60 und 120 Euro pro 50 Minuten. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen sie in der Regel nicht, im Einzelfall lohnt jedoch eine Anfrage bei der Kasse.

Mehr Informationen zum Thema und seriöse Anbieter finden Sie bei folgenden Gesellschaften: Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose, Regionalstelle Tübingen; Deutsche Gesellschaft für Hypnose e. V.

Der Thearpeut: Sven Johne hat Philosophie und Psychologie studiert, darin promoviert und sich zum Heilpraktiker weitergebildet. Seine Spezialgebiete sind neben der Hypnose – auch zur Raucherentwöhnung – die Akupunktur und Homöopathie. Seine Praxis befindet sich in Dresden-Neustadt.

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