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Freitag, 21.04.2017

50 Jahre lernen mit LÜK

Vor einem halben Jahrhundert gab es den ersten LÜK-Kasten. Seitdem haben Tausende von Schülern mit ihnen geübt und gelernt. Das Prinzip funktioniert auch heute noch.

Von Christian Brahmann

Seit 50 Jahren steht LÜK für Lernen, Üben, Kontrollieren. Die genaue Geburtsstunde ist allerdings nicht bekannt.
Seit 50 Jahren steht LÜK für Lernen, Üben, Kontrollieren. Die genaue Geburtsstunde ist allerdings nicht bekannt.

© dpa

Braunschweig. Generationen sind mit den kleinen roten Kästen aufgewachsen. Die Aufgabe aus dem Übungsheft lösen, eines der vierfarbigen Plättchen auf die Antwort legen und dann darauf hoffen, dass nach der Drehung des Kastens das richtige Muster erscheint. Das ist das LÜK-Lernsystem. Seit 50 Jahren steht LÜK für lernen, üben, kontrollieren. Die genaue Geburtsstunde lässt sich bei der Westermann Verlagsgruppe mit Hauptsitz in Braunschweig nicht mehr rekonstruieren. Aber sicher ist: 2017 ist das Jubiläumsjahr.

Die Idee für das Lernspiel hatte der Wilhemshavener Verleger Heinz Vogel. Er entwickelte 1967 das erste Konzept für das selbstständige Lernen mit eingebauter Selbstkontrolle. Durch eine schwere Schussverletzung am Kopf im Zweiten Weltkrieg hatte er sein Sprachvermögen verloren und war halbseitig gelähmt. „Aufgrund dieser persönlichen Beeinträchtigung entwickelte er LÜK, um sich die Sprache wieder anzueignen“, berichtet Regine Meyer-Arlt, Sprecherin beim Westermann Verlag. Durch das Prinzip des Gedächtnistrainings habe er tatsächlich wieder sprechen gelernt.

Bei der ersten Präsentation auf der Bildungsmesse Didacta im Jahr 1968 sei das System so gut angekommen, dass die Heinz Vogel Lehrmittelhandlung 15 000 Geräte und 37 000 Übungshefte verkaufte. Im gleichen Jahr verkaufte Vogel seine Firma an die Westermann Gruppe in Braunschweig, die die LÜK-Produkte bis heute anbietet. „Die ersten Hefte enthielten Matheaufgaben für Grund- und Hauptschüler“, erzählt Meyer-Arlt.

Es folgten Themenhefte zu Biologie, Sach- und Gemeinschaftskunde sowie Zeitgeschehen. Heute gibt es das System in 35 Ländern und 18 Sprachen für alle möglichen Medien und Alterstufen. Da der digitale Wandel auch vor den Klassenräumen und Kinderzimmern keinen Halt gemacht hat, passte Westermann das Angebot mehrfach an. Ende der 1990er Jahre kamen die ersten CD-Roms auf den Markt. 2011 entstanden die ersten Apps, von denen es heute mehr als 80 gibt.

„Das Prinzip und damit auch das Erfolgsrezept haben sich dabei aber nicht verändert“, sagt Hartmuth Brill, Geschäftsführer bei Westermann. Es gehe hauptsächlich darum, dass Kinder spielend leicht lernen und sich vor allem selbst kontrollieren können. Deshalb sei das Lernsystem vor allem bei Eltern als Ergänzung zur Schule beliebt.

Nach Angaben des Verbands der Spielwarenindustrie erscheinen in Deutschland jährlich rund 1 500 neue Spiele - Kinder sind eine unverzichtbare Zielgruppe. Zu den Erfolgsprodukten der vergangenen Jahre gehört das audiodigitale Lernsystem tiptoi vom Ravensburger Verlag, bei dem Bücher und Spiele mit einem elektronischen Stift bedient werden. In diesem Wettbewerb kann sich Westermann nach eigenen Angaben mit stabilen Verkäufen behaupten.

Die Veranstalter der Spielwarenmesse in Nürnberg bescheinigen dem LÜK-System zwischen all den Neuheiten einen erfolgreichen Start ins Jubiläumsjahr 2017. „Für uns als Leitmesse sind Traditionsunternehmen, die sich der voranschreitenden Digitalisierung annehmen und damit den Markt bereichern können, ein wichtiger Bestandteil“, sagt Ernst Kick, Vorstandsvorsitzender der Spielwarenmesse.

„Gerade weil das Angebot digitaler Bildungsmedien wächst, haben aber auch analoge Produkte ihren Platz“, ergänzt Kaja Hoppe. Sie ist Kommunikationsleiterin der Didacta bei der Messe Stuttgart, bei der die Digitalisierung im Februar ein Topthema war. Dennoch gehörten die traditionellen Bildungsmedien wie das LÜK-System weiterhin dazu. „Sie setzen darauf, dass Kinder die Dinge im Wortsinn begreifen müssen, um zu lernen“, sagt Hoppe. Viele Eltern setzten bewusst auf die analogen Systeme, weil sie sie aus der eigenen Jugend kennen und ihnen deshalb vertrauen. „Sie befürchten, dass ihre Kinder zu früh und zu intensiv den digitalen Angeboten ausgesetzt sind.“

Bei Westermann sind sie ganz froh, dass sie zwischen den Befürwortern von analogen und digitalen Systemen keine Position beziehen müssen. „Unser Fokus liegt auf dem Inhalt der Spiele- und Lernsysteme“, sagt Hartmuth Brill. „Was das Medium betrifft, sind wir Dienstleister und erfüllen die Kundenwünsche.“ Mit LÜK klappt das seit 50 Jahren. (dpa)