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Montag, 21.03.2016

Zwischen Eierschecke und Rio

Die Hahner-Zwillinge lassen sich auf dem Weg zu Olympia von Dresden motivieren, auch wenn nicht alles klappt.

Von Tino Meyer

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Und los! Insgesamt 3400 Teilnehmer starten beim Dresdner Citylauf in die Saison – und Anna Hahner (links neben der Säule) diesmal ohne ihre Schwester.
Und los! Insgesamt 3 400 Teilnehmer starten beim Dresdner Citylauf in die Saison – und Anna Hahner (links neben der Säule) diesmal ohne ihre Schwester.

© Matthias Rietschel

  • Und los! Insgesamt 3400 Teilnehmer starten beim Dresdner Citylauf in die Saison – und Anna Hahner (links neben der Säule) diesmal ohne ihre Schwester.
    Und los! Insgesamt 3 400 Teilnehmer starten beim Dresdner Citylauf in die Saison – und Anna Hahner (links neben der Säule) diesmal ohne ihre Schwester.
  • Zum Citylauf-Wochenende in Dresden gehört für die Lauf-Zwillinge aus dem Schwarzwald unbedingt sächsische Eierschecke. Das ist Pflicht, sagen Anna (links) und Lisa Hahner.
    Zum Citylauf-Wochenende in Dresden gehört für die Lauf-Zwillinge aus dem Schwarzwald unbedingt sächsische Eierschecke. Das ist Pflicht, sagen Anna (links) und Lisa Hahner.

Als das Wochenende in Deutschlands ungekrönter Laufhauptstadt langsam zu Ende geht, wird es auf dem Elberadweg noch einmal schnell. Anna Hahner ist unterwegs und dies ihre zweite Trainingseinheit des Tages. Vormittags hat sie beim Internationalen Karstadt sports Citylauf in Dresden mal eben das Rennen über fünf Kilometer in 18:17 Minuten gewonnen, ist die Strecke gleich noch mal gelaufen, sozusagen zur weiteren Erwärmung, und hat danach den Hauptlauf über zehn Kilometer für sich entschieden. 33:55 Minuten ist die 26-Jährige gelaufen, wirklich verausgabt hat sie sich offensichtlich nicht.

Insgesamt knapp 3 400 Teilnehmer sind bei der 26. Auflage des traditionellen wie beliebten Starts in die Straßenlaufsaison dabei, so viel wie noch nie im vergangenen Vierteljahrhundert. Und während die allermeisten nun beim Kaffee sitzen, in der Sauna liegen oder Sport im Fernsehen verfolgen, hat Anna Hahner schon wieder die Laufschuhe an. Nach erneut zehn Kilometern, diesmal in rund 39 Minuten, stehen fünfmal 2 000 Meter auf dem Programm in jeweils genau sieben Minuten.

Das ist verdammt schnell und tut auch weh. Aber was macht man nicht alles für diesen einen, großen Traum.

Ihr Traum ist der olympische Marathon. Ort, Zeit und Raum sind fest abgespeichert. 14. August, 9 Uhr, Start und Ziel im Sambodromo von Rio de Janeiro. „Und dafür war das ein ganz wichtiger Tag, mein special day, die härteste Einheit vorm Hannover-Marathon Anfang April“, sagt Anna Hahner, die zwar schon für die Sommerspiele qualifiziert ist, aber noch einen Leistungsnachweis erbringen muss. 1:15 Stunden verlangt der Verband für den halben Marathon – die Vorgabe soll in Hannover erledigt werden. „Insofern waren der Citylauf und Dresden ein großer Schritt zu den Olympischen Spielen“, sagt die 16 Minuten ältere der selbsternannten Hahner-Twins, Deutschlands schnellste Lauf-Zwillinge.

Natürlich ist sie nicht ohne ihre bessere Hälfte zum Citylauf gekommen. Doch Lisa und Dresden – das scheint irgendwie nicht zu passen. Im vergangenen Jahr hat sie bei Kilometer acht aufgeben müssen – mit einem Ermüdungsbruch in der Wade. Diesmal sind es heftige Kopfschmerzen, die einen Wettkampf in dieser Saisonphase unmöglich machen. „Wir wollten das hier eigentlich gemeinsam durchziehen. Aber der special day ist so mega-intensiv, da muss man hundertprozentig fit sein“, erklärt Anna Hahner, die am Sonntagabend schließlich 40 ordentlich-flotte Kilometer ins Trainingstagebuch eintragen kann. Dazu noch die 20 Kilometer vom Samstag, die sie zusammen mit Falk Cierpinski absolviert.

Auch der Sohn des legendären Marathon-Olympiasiegers ist ein gern und oft gesehener Gast in Dresden. 2008 und 2011 hat er den Citylauf gewonnen. Dieses Mal wird er Dritter mit 30 Sekunden Rückstand auf den Kenianer Evans Kipkorir Taiget, der in 30:35 Minuten gewinnt. Die bestaunt, hofiert und gefeierten Stars heißen allerdings eindeutig Hahner.

Am Freitag füllen sie beim Ehrenpokalabend der Laufszene Sachsen mit ihrem Vortrag über Training, Motivation und Ernährung einen Kinosaal mit gut 500 Leuten, sind Samstag vom Dynamo-Präsidenten zum Ostduell gegen Rostock eingeladen und freuen sich danach bei der Startnummernausgabe über einen ihrer Hauptgründe für den Ausflug nach Dresden: original sächsische Eierschecke. Süßes ist ihre größte Leidenschaft, wie sie verraten. Da lässt es sich natürlich auch viel leichter verschmerzen, wenn man dann zum Abschluss am späten Sonntagnachmittag die Intervalle fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit abspulen muss. „Umso schöner ist es, dass ich die ersten 20 Kilometer des Tages mit so vielen Leuten laufen konnte“, betont Anna Hahner.

Dass sie beim Start der fünf Kilometer gestürzt ist – passiert auch mal. Beim Aufrappeln, erzählt sie später, habe ihr die Ju-Jutsu-Ausbildung aus der Zeit vorm Laufen geholfen. Ellenbogen raus, sich behaupten und dann, angetrieben von einer Extraportion Adrenalin, so richtig los.

Das Fazit fällt positiv aus, bei den Citylauf-Organisatoren und von den Hahners erst recht. „Dresden ist genial, sowohl die Läufer als auch die Zuschauer. Man spürt einfach die Laufbegeisterung in der Stadt“, meint Anna Hahner, die sich mit einem Versprechen verabschiedet: „Ich starte hier so lange, bis Lisa mit ins Ziel läuft.“

Wobei, streng genommen hat sie das ja, allerdings erst nach 46 Minuten, also für sie im Jogger-Tempo. „Nachdem ich vergangenes Jahr aussteigen musste, war das der nächste Schritt“, meint Lisa Hahner, die bereits fest für Olympia planen kann. Norm und Nachweis sind erbracht, Olympia kann kommen – notfalls mit Kopfschmerzen. „Das ist seit 2012 unser gemeinsamer Traum, und der wird im August wahr“, erklärt die kleine Schwester, die immerhin zwei Zentimeter größer ist als Anna.

Auch sie wirkt nach den zweieinhalb Tagen Dresden zufrieden, wenn auch das Lächeln nicht ganz so strahlend ist. „Es war wieder sehr cool. Die Eindrücke nehme ich als Motivation mit auf den Weg nach Rio.“

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