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Mittwoch, 04.10.2017

Zwei Buchstaben sorgen für Verwirrung

Der Baubürgermeister spricht hochdeutsch. Sächsisch sei für ihn kein Problem – eigentlich...

Von Andreas Weller

Raoul Schmidt-Lamontain
Raoul Schmidt-Lamontain

© Norbert Neumann

Berührungsängste mit Mundart hatte Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) noch nie. Seine Frau stammt aus Wien, lebte lange im Badischen – spricht also quasi zwei Dialekte. Der Baubürgermeister selbst kommt aus Hannover. Die Region in Deutschland, der nachgesagt wird, dort werde das beste Hochdeutsch gesprochen.

„Der Dialekt hat meine Entscheidung für Dresden gar nicht beeinflusst“, sagt Schmidt-Lamontain. Zum einen habe er ja schon immer mit unterschiedlichen Sprachgewohnheiten zu tun gehabt. Außerdem hat er eine Weile in Cottbus studiert. Pfannkuchen statt Krapfen oder Berliner und Jägerschnitzel, das gar kein Schnitzel ist – all das kannte er lange, bevor er nach Dresden kam.

Doch dann gab es, kurz vor seinem Amtsantritt 2015, dieses eine Telefonat mit der Parteifreundin und Bürgermeisterkollegin Eva Jähnigen (Umwelt). „Wenn ich etwas gesagt habe, hat sie mehrfach ,nu‘ erwidert. Ich wertete das als Widerspruch, hörte auf zu reden, weil ich dachte, sie wollte etwas sagen.“ Es entstanden „peinliche Pausen“ – mehrfach. Schmidt-Lamontain war verunsichert. Die sächsische Variante der Zustimmung kannte er nicht.

Im persönlichen Gespräch klärte sich die Sache schnell auf. „Heute lachen wir beide immer wieder über die Geschichte“, so Schmidt-Lamontain. Jähnigen seien die Pausen ebenfalls aufgefallen, sprach sie damals aus Höflichkeit aber nicht an.

Nun kann ein „Nu“ den Baubürgermeister nicht mehr erschüttern. Er hat sich auch an Begriffe gewöhnt, die er vorher so nicht kannte. „Ein Notfall ist hier immer eine Havarie – das kannte ich sonst nur aus der Seefahrt.“ Auch Buchteln und Dresdner Eierschecke waren ihm neu. „Was mir auch nicht bewusst war, ist die sehr gute Qualität sächsischer Weine.“ Also ist Sachsen für den Hannoveraner ein klarer Zugewinn. „Es gibt eine Eigenart zu reden, aber man versteht die Sachsen sehr gut.“