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Freitag, 01.07.2016

Zuschüsse zum barrierefreien Wohnen

Haltegriffe, breite Türen und bodentiefe Duschen – so ein Umbau kostet Geld. Aber es gibt finanzielle Unterstützung vom Staat für solche Maßnahmen.

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  • Auch ein Treppenlift kann gefördert werden..Foto: www.fotolia.com © Ingo Bartussek
    Auch ein Treppenlift kann gefördert werden..Foto: www.fotolia.com © Ingo Bartussek

Das vertraute Umfeld der eigenen vier Wände – viele möchten im Alter nicht darauf verzichten. Doch die Bedürfnisse ändern sich. Oft sind Umbaumaßnahmen nötig, damit Haus oder Wohnung barrierefrei werden. Von der ebenerdigen Dusche im Bad bis zu breiteren Türen sind häufig hohe Investitionen erforderlich. Dafür gibt es Zuschüsse von der Pflegekasse. So werden bis zu 4 000 Euro für den pflegegerechten Umbau einer Wohnung gewährt. Ändert sich die Pflegesituation, können Zuschüsse erneut beantragt werden. Damit Zuzahlungen fließen, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, darunter in der Regel die Einordnung in eine Pflegestufe durch den Medizinischen Dienst. Die Pflegestufe (I bis III) gibt an, wie viel Hilfe ein Betroffener im Alltag benötigt. Gut zu wissen: Die Fördersumme von bis zu 4 000 Euro steht jedem pflegebedürftigen Versicherten zu. Einem Ehepaar können also bis zu 8 000 Euro gewährt werden.

Zuschüsse für Umbaumaßnahmen werden direkt bei der Pflegeversicherung beantragt. Es ist sinnvoll, sich vorher individuell von den Mitarbeitern beraten zu lassen. Erforderlich für die Genehmigung sei unter anderem ein amtliches Gutachten über die Pflegebedürftigkeit. Dafür komme ein Arzt oder eine Pflegekraft nach vorheriger Absprache ins Haus, um sich ein genaues Bild von der Situation machen zu können.

Der Staat förder altersgerechte Umbaumaßnahmen außerdem mit günstigen Krediten oder Zuschüssen durch verschiedene Förderprogramme. Eines davon ist das vom Bund initiierte Programm „Altersgerecht umbauen“ (159), in dessen Rahmen die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Darlehen in Höhe von bis zu 50 000 Euro vergibt. Zudem fördert die Sächsische AufbauBank (SAB) die Anpassung von Wohnraum für ein generationsübergreifendes Wohnen.

Zusätzliche Fördermöglichkeiten kommen etwa von Wohnungsgenossenschaften, die ihren Mietern Zuschüsse für den Umbau anbieten. Auch Reha- und Sozialversicherungsträger geben in bestimmten Fällen Geld dazu. Kam die Behinderung durch einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit zustande, dann sind die gesetzlichen Unfallversicherungen zuständig. Finanzielle Hilfen gewähren außerdem Stiftungen wie die „Sächsische Behindertenselbsthilfe Otto Perl“, Sozialämter und Wohnungsbauförderstellen, wenn keine anderen Einrichtungen die nötige Wohnraumanpassung fördern. Sind alle Möglichkeiten ausgelotet, kann ein Kredit bei der Bank helfen.

Höhenverstellbare Möbel, intelligente Beleuchtung und High-Tech-Sensoren können heute das Wohnen im Alter erleichtern. Einen Eindruck davon gibt das Projekt „Ermündigung“. In Berlin haben zahlreiche unterschiedliche Unternehmen eine Musterwohnung eingerichtet, die auch besichtigt werden kann (www.ermuendigung.de). Zur Ausstattung der Musterwohnung zählt unter anderem ein elektrischer Kleiderlift, der Bekleidung platzsparend hoch oben in Schränken verstaut und auf Knopfdruck herunterfährt. Ähnlich funktioniert ein Gardinenlift, der älteren oder gebrechlichen Menschen die riskante Nutzung der Leiter erspart und die Gardinen, wenn sie gereinigt werden sollen, elektrisch absenkt. Praktisch für Menschen aller Altersgruppen sind beleuchtete Sockelleisten, die mit einem Funkschalter oder Bewegungsmelder gekoppelt sind und nachts beispielsweise den Weg ins Bad ausleuchten. In der Küche wurden unter anderem absenkbare Oberschränke und ein automatisch abschaltbarer Herd installiert, der mit einem Bewegungssensor kombiniert ist. Ein hoch innovatives Ausstattungselement ist die Heizung mit selbstlernender Einzelregelung. Über Sensoren „erlernt“ die Heizung das Verhalten des Bewohners in den einzelnen Räumen und passt dementsprechend die Raumtemperatur an. Im Bad wurden neben der barrierefreien Einrichtung auch multifunktionale Fenstergriffe montiert. Diese verfärben sich bei hoher Luftfeuchtigkeit oder geben Signale an einen Pflegedienst, falls beispielsweise ein dementer Bewohner über Tage nicht den Raum lüftet. Eine ähnliche Funktion erfüllt ein Wasserflusssensor, der eine Meldung an Angehörige oder die Pflegezentrale auslöst, wenn über einen längeren Zeitraum kein Wasser entnommen wird.djd/ab/ih