Johannstadt-Nord Mittwoch, 21.11.2012

Zum 100. auf die Waldschlößchenbrücke

Marianna Walczak kennt jedes Detail des Baus. Jetzt bekam sie eine ganz besondere Führung.

Von Kay Haufe

Brückenbild mit Dame: Zu ihrem 100. Geburtstag besuchte Marianna Hoch gestern die Waldschlößchenbrücke. Schon in den 1950er-Jahren wünschte sie sich eine Elbquerung an genau dieser Stelle. Heute verfolgt sie alle Bauabschnitte und Streitereien. Foto: Max Patzig
Brückenbild mit Dame: Zu ihrem 100. Geburtstag besuchte Marianna Hoch gestern die Waldschlößchenbrücke. Schon in den 1950er-Jahren wünschte sie sich eine Elbquerung an genau dieser Stelle. Heute verfolgt sie alle Bauabschnitte und Streitereien. Foto: Max Patzig

Sonnenschein und ein erfüllter Herzenswunsch: Zu ihrem 100.Geburtstag war Marianna Walczak am Montag einfach nur glücklich. Mit schnellen Schritten lief sie mit ihrem Rollator bis in die Mitte der Waldschlößchenbrücke. „Hurra, ich stehe auf der Brücke“, rief die Jubilarin laut und lachte. „Genau das habe ich mir für meinen 100. gewünscht. Schön, dass es geklappt hat.“

Seit 2000 verfolgt die gelernte Köchin Bau und Stillstand auf der Brücke in der Sächsischen Zeitung. Regelmäßig fährt ihr Sohn Bernd sie an der Baustelle vorbei. „Es gab Monate, da hatte ich wirklich Angst, dass sie nie fertig wird“, sagt die Seniorin.

Als ihre beiden Kinder noch klein waren, habe sie sich sehnsüchtig eine Bücke an genau dieser Stelle gewünscht. Denn der Wochenendausflug von der Wohnung am Käthe-Kollwitz-Ufer zu Fuß in die Heide dauerte lange. Damals in den 50er-Jahren musste sie den Umweg über die Fähre nehmen. „Ich war begeistert, als die Stadt sich für den Bau entschied. Die Bedenken vieler Dresdner, dass sie das Stadtbild störe, teile ich nicht“, sagt Marianna Walczak. Als eine Bekannte im Sommer fragte, welchen Geburtstagswunsch sie zum 100. hätte, fiel ihr sofort die Waldschlößchenbrücke ein. „Wer weiß, ob ich die Fertigstellung noch erlebe, so wie sich das bisher hinzieht“, sagt sie.

Dass es wirklich klappen würde, glaubte Marianna Walczak damals nicht. Doch sie hatte nicht mit der Hartnäckigkeit ihrer Freundin Christine König gerechnet. Die fährt täglich mit dem Fahrrad an der Brücke vorbei und beobachtet das Baugeschehen. „Ich habe einfach einen Bauarbeiter gefragt, wer mir weiterhelfen kann. So landete ich beim Projektleiter Michael Wothe. Und mit ihm habe ich problemlos einen Termin gefunden“, so Christine König.

Weil das Wetter im November auch schon sehr ungemütlich sein kann, einigte man sich damals auf den 11. September. Mariannas erster Besuch. „Auch damals stand ich schon glücklich auf der Brücke. Doch am Geburtstag mit Sonnenschein ist es richtig erhebend. Die Fußwege sind schon fast fertig und man sieht den Baufortschritt deutlich“, sagt Marianna Walczak. Lachend winkte sie gestern Michael Wothe zu. „Da bin ich schon wieder“, rief sie ihm entgegen. Gerührt schüttelte Wothe der Jubilarin die Hand. „So ein Gast ist etwas ganz Besonderes. Eine Hundertjährige, die nur auf die Waldschlößchenbrücke will. Das glaubt mir doch kein Mensch“, sagte er lachend.

Liebevoll beobachtete Bernd Walczak seine Mutter während des Besuches. „Sie lebt in einer betreuten Wohneinrichtung, kümmert sich noch um fast alles allein, macht Spaziergänge. Nur den Weg zur Brücke schafft sie nicht mehr“, sagt er. Besonders dankbar ist er Christine König, dass sie den Brückenbesuch arrangiert hat. „Davon wird meine Mutter noch ewig schwärmen.“

Drucken Empfehlen

  • Facebook
  • Twitter