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Donnerstag, 05.10.2017

Zuhause auf Zeit

Die Bürgerhilfe Sachsen betreut nun auch Kleinkinder im Haus „Eva Maria“ in Gräfenhain. Etwas fehlte aber bisher noch.

Von Nicole Preuß

Nathalie hatte zur Eröffnung Spaß an der neuen Matschanlage der Kleinkindwohngruppe in Gräfenhain. Florian Schwab (links) leitet die Gruppe im Haus Eva Maria.
Nathalie hatte zur Eröffnung Spaß an der neuen Matschanlage der Kleinkindwohngruppe in Gräfenhain. Florian Schwab (links) leitet die Gruppe im Haus Eva Maria.

© Matthias Schumann

Gräfenhain. Die Matschanlage steht schon seit einer Weile im Garten der Bürgerhilfe in Gräfenhain. Wasser war aber noch nicht geflossen. Das wollte sich der Leiter der Kinderwohngruppe Florian Schwab für die Eröffnung mit Kindern und Unterstützern aufheben. Der junge Erzieher hat seit mehr als einem halben Jahr Verantwortung für die Wohngruppe für Kinder vom Babyalter bis zu sechs Jahren. 2015 wurde sie gegründet. Sechs Kinder können er und die anderen Mitarbeiter aufnehmen. Doch bisher fehlte noch eine geeignete Spielfläche für die Kleinen auf dem Außengelände.

Die Bürgerhilfe hat die Kinderwohngruppe zusätzlich zu ihrer familienorientierten Wohngruppe gegründet, weil im Kreis Bautzen Betreuungsplätze für diese sehr jungen Kinder fehlten. 88 Kinder wurden allein im ersten Halbjahr 2017 im Kreis aus den Familien genommen. Viele von ihnen sind noch sehr jung. Und die Gräfenhainer konnten bis dahin nur ältere Kinder und Jugendliche aufnehmen.

Florian Schwab und seine Kollegen kümmern sich um Kinder, die Schwierigkeiten in ihrer Ursprungsfamilie haben. Manche Eltern bitten selbst um Hilfe, wenn sie nicht mehr klarkommen. Andere müssen ihre Kinder in eine Einrichtung geben. Der Fachmann spricht von Kindeswohlgefährdung. Florian Schwab und seine Kollegen wollen den Kindern dann das geben, was sie in ihrer Familie oft nicht erfahren haben. „Wir setzen auf einen geregelten Tagesablauf, auf Strukturen. Wir wollen aber auch zur Selbstständigkeit erziehen und den Kindern Liebe, Geborgenheit und Schutz geben“, sagt er.

Das Ziel bleibt dabei immer, dass die Kinder irgendwann wieder zu ihrer Familie zurückgehen können. Deshalb ist die Arbeit mit den Eltern ein wesentlicher Baustein. „Es wird gewünscht, dass die Eltern Kontakt zu ihren Kinder halten“, sagt der Erzieher. Manchmal kommt es auch vor, dass ein Kind wieder bei den Eltern leben kann. „Die Rückführung ist aber auch oft nicht möglich, deshalb gibt es auch die Möglichkeit der Adoption oder einer Pflegefamilie.“ 13 Kinder lebten in den vergangenen zwei Jahren schon in den Räumen am Rand von Gräfenhain. Manche wechselten mit ihrem sechsten Geburtstag auch in die familienorientierte Wohngruppe, die sich im selben Haus befindet. Einige haben dort Geschwister. „Wir kennen uns und das macht einiges leichter“, sagt die Leiterin der familienorientierten Wohngruppe.

Kerstin Schute war eine der Befürworterinnen, dass aus der ehemaligen Leiterwohnung und der späteren Verselbstständigungsgruppe die Kleinkindwohngruppe wurde. Ein Zimmer hat sie aus ihrem Bereich dafür abgegeben. Damit bekamen die Kinder eine größere Wohnküche zu den drei Zimmern, in denen jeweils zwei Kinder schlafen und wohnen können.

Viele Kinder, die in der Kinderwohngruppe betreut werden, gehen in den Kindergarten. Sie brauchten aber auch am Nachmittag eine Möglichkeit, draußen zu spielen. Florian Schwab und Kerstin Schulte haben sich deshalb über eine Spende der Allianz und auch die Entscheidung des Trägers gefreut, neue Spielgeräte anzuschaffen. So entstanden zwei voneinander getrennte Spielplätze für die beiden Altersgruppen mit Rutschen, Schaukeln und Klettermöglichkeiten. „Die Kinder haben mit ausgewählt“, sagt Kerstin Schute. Und etwas Schönes ist entstanden.