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Österreich Samstag, 16.02.2013

Zugspitze mal anders

Kurz hinter der Grenze bei Garmisch-Partenkirchen lockt ein Skigebiet. Es ist immer noch ein Geheimtipp.

Von Jana Mundus

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Die Tiroler Skigebiete rund um die Zugspitze (Mitte) sind noch ein Geheimtipp. Dabei versprechen sie eine Menge Abwechslung.Fotos: Stefan Mundus-Weichert
Die Tiroler Skigebiete rund um die Zugspitze (Mitte) sind noch ein Geheimtipp. Dabei versprechen sie eine Menge Abwechslung.Fotos: Stefan Mundus-Weichert
  • Die Tiroler Skigebiete rund um die Zugspitze (Mitte) sind noch ein Geheimtipp. Dabei versprechen sie eine Menge Abwechslung.Fotos: Stefan Mundus-Weichert
    Die Tiroler Skigebiete rund um die Zugspitze (Mitte) sind noch ein Geheimtipp. Dabei versprechen sie eine Menge Abwechslung.Fotos: Stefan Mundus-Weichert
  • Atemberaubend ist der Ausblick von der Zugspitze nicht nur im Winter.
    Atemberaubend ist der Ausblick von der Zugspitze nicht nur im Winter.
  • Wer Glück hat, trifft im Skigebiet am Grubigstein auf Josl Rieder. Der war 1958 Weltmeister im Ski-Slalom.
    Wer Glück hat, trifft im Skigebiet am Grubigstein auf Josl Rieder. Der war 1958 Weltmeister im Ski-Slalom.
  • In diesem Winter öffnete das neue Tirolerhaus im Gebiet Ehrwalder Alm. .
    In diesem Winter öffnete das neue Tirolerhaus im Gebiet Ehrwalder Alm. .
  • Drinnen ist es modern und urig-gemütlich
    Drinnen ist es modern und urig-gemütlich
  • Rodelalarm: Zweimal pro Woche sind in Ehrwald die Hornschlitten ein Muss.
    Rodelalarm: Zweimal pro Woche sind in Ehrwald die Hornschlitten ein Muss.

Der Schnee stiebt, als der Skifahrer die nächste Kurve zieht, und legt sich danach wieder glitzernd auf sein weißes Bett. Tief in der Hocke ist der Mann unterwegs, fährt sicher den Hang hinab. Die Pisten im Skigebiet Grubigstein im österreichischen Lermoos machen solche Abfahrten an diesem Wintertag zum Kinderspiel. In der Nacht gab es Neuschnee, die Armada der Pistenbullys hat danach gut gearbeitet. Alle Strecken sind präpariert. Dann stoppt der Wintersportler, grüßt kurz und schiebt die Skibrille nach oben. Wer ihm ins Gesicht schaut, ist überrascht. Der flotte Skifahrer ist um die 80. „Genau 80, seit ein paar Wochen“, sagt Josef Rieder. In Lermoos, seinem Heimatort, nennen sie ihn nur Josl – und er ist hier eine Berühmtheit. Im Jahr 1958 wurde er Weltmeister im Ski-Slalom. Ein paar Jahre später entzündete er die Flamme bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck. Auf den Hängen am Grubigstein ist er mehrmals in der Woche anzutreffen. „Wenn das Wetter gut ist, bin ich draußen.“ Früher hat er hier trainiert. Seine alte Wettkampfstrecke ist heute allerdings fest in den Händen der Urlauber und als „Sportabfahrt“ beliebt. Auch rund um den Ort Lermoos herum haben Wintersportler in der Region der Tiroler Zugspitz-Arena beste Voraussetzungen. Gleich sieben verschiedene Skigebiete locken.

Kurz hinter der deutschen Grenze, nur wenige Kilometer von Garmisch-Partenkirchen entfernt, versprüht die Region ihren ganz eigenen Charme. Sie ist kein Ski-Mekka, wo sich Après-Ski-Bar an Après-Ski-Bar reiht und jeden Tag Party ist. Hier ist es gemütlich, erholsam, authentisch. Langeweile kommt trotzdem nicht auf. Insgesamt 148 Pistenkilometer gehören zur Zugspitz-Arena, 93 Kilometer davon sind beschneit und garantieren so auch bei wenig Neuschnee gute Pistenverhältnisse. Die Skigebiete sind abwechslungsreich und versprechen einen Urlaub abseits der Hektik der Wintersport-Hotspots. Immer noch gilt die Region als Geheimtipp.

Für seine Heimat begeistern will auch Anton Bader die Urlauber. Auf den Anton verzichtet er dabei meist. „Ich bin der Toni“, sagt er mit festem Händedruck. Der Skilehrer wirkt wie eine Werbereklame auf Skiern. Aber die Art, wie er über seine Berge und Pisten erzählt, ist sympathisch, vollkommen unaufdringlich. Über jeden Gipfel kann er eine Geschichte erzählen, fast überall ist er gewesen. Schon als junger Mann begann er in den 1960er-Jahren, anderen das Skifahren beizubringen. „Ich wollte eigentlich nie etwas anderes machen.“ Er hat die Entwicklung des Skitourismus rund um die Zugspitze miterlebt. Es klingt wie ein Märchen aus lange vergessenen Tagen, wenn er von den alten Liftanlagen mit ihren eiförmigen Ein-Mann-Gondeln erzählt. „Die Fahrt dauerte ewig, da fing jeder an zu frieren.“ Kein Vergleich zu den modernen Gondeln und Liften heute.

Auch ohne Skilehrer können die Urlauber die Skigebiete erkunden. Nur ein Problem müssen sie dabei jeden Tag lösen: Die Frage, welches der sieben an der Reihe ist. Wer länger bleibt und viel fahren will, kann in die Top Snow Card investieren. Sie gilt in allen Skigebieten der Tiroler Zugspitz-Arena und zusätzlich in Garmisch-Partenkirchen, Grainau und Mittenwald. Erwachsene zahlen für zwei Tage 75,50 Euro. Billig ist das nicht, doch im Vergleich zu anderen Skigebieten Österreichs erschwinglich. Für Familien gibt es spezielle Tarifangebote.

Zum Start in die Skiwoche gut geeignet ist die Skischaukel Berwangertal in Berwang und Bichlbach. Die vielen Skischulklassen, die sich auf den Pisten tummeln, beweisen, dass sie fürs erste Warmwerden ideal ist. Insgesamt 36 Pistenkilometer stehen zur Verfügung, mit sanft abfallenden Hängen und romantischen Routen durch Waldschneisen. Bei Familien beliebt ist auch das Skigebiet Ehrwalder Alm. Mit knapp 27 Pistenkilometern zwar kleiner als die Skischaukel, trotzdem sehr weitläufig. Vor allem die breiten Pisten überzeugen. Das Ausruhen auf dem Berg ist seit diesem Winter komfortabler geworden. Dafür hat auch Franz Dengg gesorgt, der Junior-Chef des neuen Restaurants Tirolerhaus. In nur fünf Monaten wurde es nach Ende der vergangenen Skisaison gebaut. „Wir mussten alles ganz genau planen, damit es pünktlich fertig wird“, so Dengg. Insgesamt fast zehn Millionen Euro hat der Bau gekostet. Für 1100 Gäste ist nun Platz. Die können, je nach Wetterlage, auf der Terrasse sitzen oder sich in einer der urig eingerichteten Stuben Kaiserschmarrn und Käsespätzle schmecken lassen.

Zweimal pro Woche macht auch das Team des Tirolerhauses Überstunden, denn dann herrscht auf der Ehrwalder Alm Rodelalarm. Das Nachtrodeln ist nicht nur bei Touristen beliebt, auch viele Einheimische trifft man mit ihren Hornschlitten. Mit der Top Snow Card ist das Rodelvergnügen kostenlos, Schlitten gibt es an der Talstation zur Ausleihe. Bis 22.30 Uhr bringt die Seilbahn die Rodler immer wieder auf den Berg, wo es auf den breiten beleuchteten Pisten ins Tal geht.

Kein Besuch in der Region ohne eine Fahrt auf die Zugspitze. Wer möchte, kann dort sogar skifahren. Das schneesichere Gletscherskigebiet öffnet bereits Anfang Dezember. Viele wollen aber vor allem die grandiose Aussicht von Deutschlands höchstem Berg genießen. Zu empfehlen ist die Auffahrt mit der Tiroler Zugspitzbahn. Die geräumige und moderne Gondel bietet einen Rundumblick – auf die deutsche und die österreichische Seite der Zugspitze.