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Samstag, 11.03.2017

Zugfahrt durch bunte Seen zum Tagebaublick

Ostern bekommt die Muskauer Waldeisenbahn ihre Tonbahn zurück – als elf Kilometer lange Erlebnis-Strecke. Das wird gefeiert.

Von Jenny Thümmler

Heiko Lichnok ist so kurz vorm Saisonstart oft im Stress. Der Chef der Waldeisenbahn Muskau betreut gleich mehrere Projekte in der Endphase.
Heiko Lichnok ist so kurz vorm Saisonstart oft im Stress. Der Chef der Waldeisenbahn Muskau betreut gleich mehrere Projekte in der Endphase.

© Joachim Rehle

Bad Muskau. Der Schreibtisch von Heiko Lichnok quillt über. Papiere über Papiere stapeln sich am Arbeitsplatz vom Geschäftsführer der Waldeisenbahn Muskau in Weißwasser. Vom Telefon ist nur ein Teil unter einem Aktenordner zu sehen, hören kann man es aber noch gut. So ist das, wenn Großes bevorsteht. Schon in gut einem Monat. Dann wird die Waldeisenbahn ein Stück kompletter. Jahre nach ihrer Stilllegung werden die Züge der Tonbahn wieder über die Gleise zwischen Weißwasser und Schwerem Berg rollen.

Fünf Wochen vor der offiziellen Eröffnung haben die Mitarbeiter von Gesellschaft und Verein der Waldeisenbahn schon mächtig viel geschafft. Die elf Kilometer lange Strecke ist komplett fertig und von den Behörden abgenommen. Völlig neu sind nur die letzten vier Kilometer bis zum Haltepunkt Schwerer Berg mitten im Tagebaugebiet. Der Rest besteht aus der alten Trasse, wie sie Mitte der 1960er Jahre gebaut und bis kurz nach der Wende für den Transport des Tons zwischen Tonschacht Mühlrose und Ziegelei Weißwasser genutzt wurde. „Wir mussten an vielen Stellen sanieren“, sagt Heiko Lichnok.

Das begann schon in den 1990er Jahren, als die Bahn touristisch genutzt wurde. „Jetzt kostete das Ganze aber noch einmal richtig Kraft“, so Lichnok. Besonders aufwendig war es unter anderem an der Brücke über den Gleisen der Deutschen Bahn auf der Strecke Cottbus-Görlitz, wo die Waldeisenbahn auf sechs, sieben Meter Höhe schnaufen muss. Und am Abzweig der früheren Strecke nach Forst mussten gleich 200 Meter Gleis komplett saniert werden. „Wir haben sehr viel in Eigenregie geleistet“, sagt der Eisenbahn-Geschäftsführer.

Was jetzt schnell erzählt ist, hat sich über mehrere Jahre hingezogen. Schließlich stand schon vor dem tagebaubedingten Ende der Tonbahnstrecke 2013 fest, dass sie eines Tages wieder fahren soll. Ein Dutzend Änderungen hat der Plan im Laufe der Jahre erfahren, zehn Jahre haben sich die Beteiligten seit dem Abbaggerbeschluss damit befasst, aber am Ende scheint nun alles gut zu werden.

Entstanden ist eine Strecke für eine einstündige Fahrt. Sehr abwechslungsreich nennt Heiko Lichnok sie. Vom Altbergbaugebiet durch den Geopark Muskauer Faltenbogen mit bunten Seen und versunkenen Wäldern hin zum Blick in den aktiven Tagebau samt Rekultivierung. „Das ist schon sehr schön“, sagt Lichnok und grinst. „Aber das sind unsere anderen beiden Strecken nach Kromlau und Bad Muskau ja auch.“

Immer wenn die Mitstreiter der Waldeisenbahn im Alltagsbetrieb Zeit hatten, wurde an der Sanierung der Tonbahnstrecke gearbeitet. Nicht selten auch bei niedrigen Temperaturen, solange es eben ging. Der Winter ist eigentlich die stressigste Zeit für die Eisenbahner, weil dann neben der Pflege der Gleise für alle Fahrzeuge die Durchsicht auf dem Programm steht. In der Werkstatt stehen gerade zwei Loks, der Motor der einen ist völlig auseinandergebaut. Dahinter ein frisch gestrichener Waggon, in dem nach der Generalüberholung noch die Bänke fehlen.

Alle acht Jahre ist diese große Instandsetzung nötig – und bei 22 Wagen im Besitz der Waldeisenbahn in jedem Winter ein Thema, zumal die Sanierung eines Wagens einen ganzen Monat dauert. Hinzu kommen sechs Diesel- und Dampfloks. Außenstehende können den Eisenbahnern nur schwer folgen, wenn sie für jede Lok detailliert berichten, welche Durchsichten noch erledigt, welche Genehmigungen beantragt und welche Eigenheiten beachtet werden müssen. „Viel Papierkrieg“, nennt es Heiko Lichnok kurz. Eine Lok ist erst vor wenigen Tagen zurück von der Hauptinspektion gekommen und muss jetzt noch technisch abgenommen werden, inklusive Belastungsfahrt mit ganz viel Dampf.

Fest steht inzwischen, dass Ostern zwei Loks zwischen Weißwasser und Schwerem Berg fahren werden. Mit genügend Waggons für die Fahrgäste. Diese sollten sich dennoch vorher Fahrkarten besorgen. Der Vorverkauf ist schon gut angelaufen, heißt es. Von Karfreitag bis Ostersonntag finden die Einweihungsfahrten statt, dazu gibt es bunte Feste am Aussichtsturm Schwerer Berg sowie am Bahnhof Weißwasser-Teichstraße. Ersteres wird von der Leag organisiert.

Außerdem fährt die Waldeisenbahn wie gewohnt mit Diesellok nach Kromlau. 30 Waldeisenbahner sowohl von GmbH als auch Verein sind dann tagelang im Einsatz. Ein Kraftakt, sagt Susann Lichnok, die beim Unternehmen für das Marketing zuständig ist. „Und uns kommt zugute, dass unsere Mitarbeiter universell einsetzbar sind.“ Wer sonst im Büro sitzt, übernimmt dann den Imbiss, Mechaniker werden zu Fremdenführern. Schließlich ist es für alle etwas Besonderes, nach dem langen Winter wieder in die Saison zu starten – noch dazu mit neuer Strecke.

Nur nach Bad Muskau kommt derzeit niemand. Dort entsteht ein neues Bahnhofsgebäude eigens für die Waldeisenbahn, das Anfang Mai feierlich eingeweiht wird. Als Heiko Lichnok davon berichtet, wirkt es wie ein Stichwort zum Aufspringen. „Ich muss los! Der nächste Termin wartet!“ Die Gleise in Bad Muskau bekommen neuen Schotter. Und der Chef packt natürlich mit an.