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Montag, 12.08.2013

Zug um Zug ins Chaos

Wegen des Desasters am Mainzer Hauptbahnhof soll nun ein Bahn-Manager gehen. Und das Unternehmen fragt bei Mitarbeitern im Urlaub an.

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Ja wo bleiben Sie denn? Auf dem Mainzer Bahnhof wartet man derzeit vergeblich auf viele Züge.
Ja wo bleiben Sie denn? Auf dem Mainzer Bahnhof wartet man derzeit vergeblich auf viele Züge.

© dpa

Mainz scheint derzeit der Nabel der Bahn-Welt zu sein. Das allerdings, weil Züge dort gar nicht halten oder vorbeifahren. Der Hauptbahnhof der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt leidet seit etwa einer Woche unter Zugausfällen und Umleitungen, weil fast die Hälfte der Fahrdienstleiter krank oder im Urlaub ist. Heute wird es noch schlimmer: Der Notfahrplan trifft dann auch Tausende Pendler im ganzen Rhein-Main-Gebiet. Die Deutsche Bahn zieht nun die Reißleine, damit die Situation sich etwas entspannen kann. Sie fährt zweigleisig. Zum einen soll der Produktionschef der Bahn-Tochter DB Netz, Hansjörg Hess, gehen. Zum anderen fragt die Bahn, ob Mitarbeiter freiwillig aus dem Urlaub zurückkommen. Noch am Donnerstag hatte der Vorstandschef der DB Netz, Frank Sennhenn, gesagt: „Wir haben einfach auch als Arbeitgeber die Pflicht, diesen Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, ihre Erholung sicherzustellen.“

Gestern dann der Ansturm Tausender Fans aus dem Südwesten zum Bundesligaspiel Mainz 05 gegen den VfB Stuttgart. Ursprünglich hatte die Bahn hierfür nur einen Sonderzug zusätzlich vorgesehen. Dann schalteten sich Politiker aus Berlin und Mainz ein, nicht nur wegen des Fußballspiels. Schließlich fuhren laut Bahn mehr S-Bahnen und auch ein zusätzlicher Regionalzug. Wie war das möglich? Ein zuvor nicht eingeplanter Fahrdienstleiter sprang kurzfristig ein. Ob Fahrdienstleiter tatsächlich aus dem Urlaub zurückkommen, war noch gestern offen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG ist allerdings dagegen: Mitarbeiter im Mainzer Stellwerk hätten schon früher mehrfach ihren Urlaub verschieben müssen oder seien aus dem Urlaub zurückgeholt worden, erklärte EVG-Chef Alexander Kirchner gestern. In vielen anderen Stellwerken in Deutschland sei dies nicht anders. „Das ist einfach kein Zustand.“ Das meint auch das Bundesverkehrsministerium mit Blick auf die Zugausfälle. Im Urlaub soll künftig genug Personal da sein, fordert Staatssekretär Michael Odenwald.

Die Personalentscheidung wird vermutlich nicht für schnelle Abhilfe sorgen, auch nicht die ausgeweitete Ausbildung von Fahrdienstleitern, die die Bahn angekündigt hat. Von diesem Montag an müssen Fahrgäste in Mainz erst einmal mit dem Stundentakt statt dem Halbstundentakt bei Regionalzügen vorliebnehmen. Und Fernzüge machen bis auf zwei Verbindungen weiter einen Bogen um Mainz. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Wolfgang Barthel

    Wenn man eine öffentliche Einrichtung (immerhin ist die DB noch ausschliesslich Eigentum des Bundes) wie die Bahn nach privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten betreibt und auf Gewinnmaximierung trimmt, wird irgendwann die Decke dünn. Statt dem Bahnverkehr in Deutschland zu stabilisieren, tummelt sich die Bahn mit Großprojekten lieber in den Diktaturen auf der arabischen Halbinsel. Offenbar ist die DB überhaupt nicht an einer Verbesserung der Zustände in Deutschland interessiert. In schöner Regelmäßigkeit wiederholen sich jedes Jahr die gleichen Fehler und Schwächen im Bahnverkehr und Bahnvorstand und Verkehrsminister schauen zu.

  2. Steffen Stein

    Das Problem der Bahn kommt doch nur in die Schlagzeilen, weil es den öffentlichen Bereich unseres Lebens betrifft. Die Situation ist aber allgegenwärtig und betrifft sehr viele Bereiche. An den meisten Stellen merken es nur die Betroffenen selbst. Ohne Rücksicht auf Verluste wird überall Personal eingespart und dazu noch zusätzliche Arbeiten übertragen. Darunter muss die Qualität einfach schlechter, oberflächlicher werden. Aber auch die Gesundheit vieler Betroffener leidet darunter. Die Gier der Verantwortlichen nach immer höheren Profiten ist einfach unerträglich! Doch wie überall schaut die Politik nur zu - hier etwas für die Bürger zu verändern und zu verbessern wäre doch ein Wahlkampfthema!

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