Freitag, 16.11.2012

Zschäpe möglicherweise Drahtzieherin des Terrortrios

Welche Rolle spielte Beate Zschäpe? War sie gar Drahtzieher im Neonazi-Terrortrio NSU? Die Anklageschrift lege dies nahe, so der Tenor eines Zeitungsberichts.

War Beate Zschäpe Drahtzieher im Neonazi-Terrortrio NSU? Foto: Polizeidirektion Suedwestsachsen
War Beate Zschäpe Drahtzieher im Neonazi-Terrortrio NSU? Foto: Polizeidirektion Suedwestsachsen

Karlsruhe. Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe war nach einem Medienbericht möglicherweise Drahtzieherin des Zwickauer Terrortrios. Nach Informationen der Zeitung „Die Welt“ legt dies die Anklageschrift der Bundesanwaltschaft nahe. Sie zeichne ein neues Bild Zschäpes. Die Anklage werfe der 37-Jährigen 27 „rechtlich selbstständige Handlungen gemeinschaftlich mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos“ vor, darunter zehn Morde, einen versuchten Mord, zwei Sprengstoffexplosionen, eine Brandstiftung mit versuchter Tötung in drei Fällen.

Laut Berliner „Tagesspiegel“ (Samstag) hält die Bundesanwaltschaft für Zschäpe eine Sicherungsverwahrung für notwendig. Diese kann bei Straftätern, die ein besonders schweres Verbrechen begangen haben und auf unabsehbare Zeit als extrem gefährlich gelten, für die Zeit nach der zu verbüßenden Haftstrafe angeordnet werden.

Zschäpe ist die einzige Überlebende des Trios, das aus Jena stammt und jahrelang in Sachsen untergetaucht war, zuletzt in Zwickau. Ihre mutmaßlichen Komplizen töteten sich selbst. Als „Managerin des Geldes“ habe sie einen bestimmenden Einfluss gehabt, schreibt „Die Welt“ zur Anklageschrift. Zschäpe habe die Beute verwaltet, die Mundlos und Böhnhardt bei mehr als einem Dutzend Banküberfällen gemacht hätten - insgesamt mehr als 600.000 Euro. Als sich die Männer nach Südafrika absetzen wollten, sei dies am Einspruch Zschäpes gescheitert, die Deutschland nicht verlassen wollte, so das Blatt weiter.

Die 37-Jährige muss sich als Mitglied der Organisation Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) und als Mittäterin verantworten. Die Anklage wurde vorige Woche beim Oberlandesgericht München erhoben. Von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe gab es zunächst keine Stellungnahme zu den Berichten. Neben Zschäpe sind auch vier mutmaßliche Unterstützer und Helfer der sogenannten Zwickauer Zelle angeklagt, darunter der frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben.

Die Anklageschrift mit dem Aktenzeichen 2 BJs 162/11-2, die der „Welt“ vorliegt, soll 488 Seiten umfassen, als Verschlusssache eingestuft und von Generalbundesanwalt Harald Range persönlich gezeichnet sein. Er hatte vor einer Woche Zschäpe als ein gleichberechtigtes Mitglied der NSU bezeichnet. Sie habe der Gruppe „den Anschein von Normalität und Legalität“ gegeben. (dpa)

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