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Dienstag, 14.11.2017

Zerstörte Waldwege sorgen für Ärger

Das Oberland ist Wanderregion. Doch nach Forstarbeiten sind viele Strecken nicht nutzbar. Das wird jetzt sogar noch schlimmer.

Von Katja Schäfer

Vielerorts im Oberland brauchen Wanderer derzeit Gummistiefel, weil Waldwege in katastrophalem Zustand sind. Das trifft auch auf den ehemaligen Wanderparkplatz an der Straße zwischen Irgersdorf und Arnsdorf zu.
Vielerorts im Oberland brauchen Wanderer derzeit Gummistiefel, weil Waldwege in katastrophalem Zustand sind. Das trifft auch auf den ehemaligen Wanderparkplatz an der Straße zwischen Irgersdorf und Arnsdorf zu.

© Steffen Unger

Wilthen. Der Schlamm ist knöchelhoch. In tiefen Furchen dazwischen steht Wasser. So sehen Waldwege im Oberland immer häufiger aus. Nicht nur bei Wanderern und Pilzsuchern sorgt das für Ärger. „In den letzten zwei Jahren hat sich der Zustand der Wanderwege und -parkplätze sehr verschlechtert“, sagt Wilthens Bürgermeister Michael Herfort (CDU). Als Ursache dafür nennt er „eine extrem gestiegene forstwirtschaftliche Nutzung“. Das geschlagene Holz werde mit großen schweren Maschinen aus dem Wald geholt. „Dabei wird die Oberfläche der Wege zerstört“, ärgert sich der Bürgermeister. Er fordert mehr Verständnis und Respekt von Waldbesitzern und Forstunternehmen dafür, dass die Forstwege auch als Wanderwege dienen.

„Das Oberland ist ein Wandergebiet“, betont Herfort, der Vorsitzender der Touristischen Gebietsgemeinschaft Oberlausitzer Bergland ist. Doch der gute Ruf leidet. Tilmann Schwenke vom Wilthener Naturfreundeverein berichtet: „Kürzlich hat mir eine Wandergruppe von außerhalb gesagt, dass sie nicht mehr herkommt, weil einige ausgeschilderte Wege so schlecht sind“. Aktuell betrifft das zum Beispiel etliche Strecken oberhalb der Wanderhütte. Aber auch anderswo. „Auf dem Weg zum Picho versinkt man knietief im Schlamm und in Fahrspuren von Forstfahrzeugen. Wo früher ein schmaler Pfad war, wandert man jetzt auf einer sechs Meter breiten Schneise. Auch der südliche Kammweg ist sehr desolat“, ärgert sich Dagmar Liebscher. Die Wilthener CDU-Stadträtin ist seit der Kindheit viel zu Fuß in ihrer Heimat unterwegs.

Waldbesitzer ist für die Wege verantwortlich

Verständnis für Waldbesitzer und Forstunternehmen hat Johannes Kühnel, der für die Freien Wähler im Stadtrat sitzt und stellvertretender Bürgermeister ist. Aber nur in gewissem Maß. „Es ist teilweise gar nicht vermeidbar, dass die Wege beschädigt werden“, sagt der studierte Forstingenieur. Allerdings müssten sie nach einem Holzeinschlag schnell wieder in Ordnung gebracht werden. Verantwortlich dafür ist immer der Waldbesitzer, der die Arbeiten in Auftrag gegeben hat, erklärt er und betont: „Er ist zur Wiederherstellung der Wege verpflichtet, die für den Holzabtransport genutzt wurden.“ Die Auftraggeber könnten aber auch per Vertrag regeln, dass das Forstunternehmen die Wege in Ordnung bringt. Außerdem rät Kühnel Waldbesitzern, vorm Holzeinschlag die Eigentümer der Wege zu informieren. „Am besten ist es, sich zuerst an die Kommune zu wenden. Dort erfährt man, wem welcher Bereich gehört“, sagt er.

Bernd Riechen, der als Forstverwalter beim Domkapitel Sankt Petri tätig ist, musste unlängst das Gegenteil erleben. Auf dem Parkplatz an der Straße zwischen Irgersdorf und Arnsdorf, der dem Domkapitel gehört und ihm als Holzlagerplatz dient, der aber auch gern von Wanderern genutzt wurde, hatte jemand unabgesprochen Holz abgelegt und eine Schlammwüste hinterlassen. „Jetzt sind wir mit ihm überein gekommen, dass der Platz wieder in Ordnung gebracht wird“, sagt Riechen. – „Wir haben jetzt sogar mal eine Forstmaßnahme stoppen lassen, weil das Einverständnis von den Besitzern der Wege und Plätze nicht vorlag, die für den Abtransport des Holzes genutzt wurden“, berichtet Norman Schaller. Er leitet das Forstrevier Sohland, das weite Teile des Oberlandes umfasst. An Waldbesitzer appelliert er, darauf zu achten, dass Holztransport nur bei Trockenheit erfolgt. Allerdings weiß er, dass das schwierig ist. „Seit Ende Juni hat es immer wieder geregnet. Die Wege konnten gar nicht abtrocknen“, sagt der Förster. Nur im Winter Holz zu ernten, wie es früher üblich war, sei nicht mehr möglich. „Einerseits wollen die Sägewerke kontinuierlich Holz haben. Andererseits gibt es keine regelmäßigen Frostperioden mehr“, begründet der Förster. Er erwähnt, dass es Fördermöglichkeiten für Bauarbeiten an Waldwegen gibt, die der Erschließung forstwirtschaftlicher Flächen dienen, und bietet an, Interessenten zu beraten.

Stadt erstattet Anzeige

Die Stadt Wilthen will sich mit dem schlechten Zustand vieler Wege nicht abfinden. Sie ist bemüht, zuständige Waldbesitzer und Unternehmen zu ermitteln, erstattet Anzeige oder fordert die Instandsetzung mit Fristen ein. „Bisher leider mit mäßigem Erfolg“, bedauert Michael Herfort. In nächster Zeit ist gar noch mit einer Verschlechterung der Lage zu rechnen. Durch den jüngsten Sturm sind große Schäden in den Wäldern im Landkreis entstanden. „Bei den Aufbereitungsarbeiten können gerade jetzt bei feuchter Witterung durch Forstmaschinen Schäden an Waldwegen auftreten, die nicht immer kurzfristig zu beheben sind“, sagt Sabine Rötschke von der Pressestelle des Landratsamtes.