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Mittwoch, 15.06.2016

Zehn neue Häuser für den Neumarkt

An einem der letzten Quartiere ist Baustart. Vorher gab es einen Mega-Deal. Trotzdem bleiben Fragen.

Mit dem Baustart auf einer der letzten freien Flächen verändert der Neumarkt um die Frauenkirche in Dresden sein Gesicht.
Mit dem Baustart auf einer der letzten freien Flächen verändert der Neumarkt um die Frauenkirche in Dresden sein Gesicht.

© Visualisierung: USD/PR

Die Archäologen haben kein Geheimnis aus ihrer Suche gemacht, der Bauherr aus seiner schon. Die Handarbeiter hatten Ende März die Grabungen in den alten Kellergewölben hinter dem Kulturpalast beendet. Jetzt sind Bagger angerückt und konzentrieren sich aufs Grobe.

Das Quartier VI am Neumarkt

Doch was genau im Quartier VI am Neumarkt geschehen soll, wollte die verantwortliche USD GmbH („Unser Schönes Dresden“) lange nicht bekannt geben. Das Areal ist eine der letzten großen Lücken auf Dresdens Vorzeigeplatz und durch seine Top-Lage besonders prägend. Doch die Geheimniskrämerei hatte einen Grund.

Hinter den Kulissen verhandelten die Dresdner Projektentwickler mit dem Immobilienvermittler Patrizia. Dem Unternehmen mit Stammsitz in Augsburg gehörte seit 2005 unter anderem das Altmarktkarree an der Seestraße, mit seinen rund 320 Wohnungen und 40 Gewerbeflächen. Vor einem Dreivierteljahr hat die AG es aber verkauft. Am Dienstag vermeldet sie den Abschluss eines neuen Mega-Deals: dem Erwerb des Filetgrundstücks zwischen Frauen-, Galeriestraße und Jüdenhof. Vor der Zerstörung im Februar 1945 standen hier Bauten, die dem Neumarkt ein Gesicht gaben und die möglichst historisch wiedererrichtet werden sollen.

Diese Aufgabe wird die USD übernehmen, denn trotz des Verkaufes bleibt die Firma der Bauherr. Was der Deal wert war, darüber wurde Stillschweigen vereinbart. Ansonsten sind seit Dienstag endlich viele Details des Großprojektes bekannt. Es bekommt den Namen Neumarkt-Palais „City One“. Der Vierseithof soll aus zehn Einzelobjekten bestehen. Für neun ist die USD verantwortlich. „Wir werden die Gebäude in großen Teilen und dort, wo möglich und sinnvoll, anhand historischer Vorlagen der klassischen Dresdner Stadthäuser teils originalgetreu rekonstruieren“, sagt Projektleiter Arndt Anger, ohne dabei das Maximum zu versprechen. Die Visualisierungen geben ihm teilweise recht.

Nach wie vor plant USD auch mit vier statt drei Geschossen beim großen Eckhaus am Jüdenhof. Auf dem Regimentshaus daneben taucht ein Belvedere auf, eine Art Dachpavillon, bei dem unklar ist, ob es den früher einmal gab. Alles sei aber mit der Stadtverwaltung abgesprochen, versichert Anger. Vis-à-vis der Frauenkirche sollen die Gebäude auf dem 2 400 Quadratmeter großen Areal bis zum August 2018 fertiggestellt sein. Geplant sind 57 barrierefreie Zwei- bis Fünfraumwohnungen mit einer Gesamtfläche von 5 400 Quadratmetern. Zehn Geschäfte oder Restaurants, ein öffentliches WC sowie 14 Büros entstehen auf der restlichen Mietfläche von 3 100 Quadratmetern. Im Innern des Komplexes werden vier Höfe gestaltet und es gibt eine gemeinsame Tiefgarage mit 86 Stellplätzen. Für acht der Einzelgebäude war im Juni Baubeginn. Dazu zählt das Regimentshaus. Der erhaltene Kellerbereich, der am Standort bei den archäologischen Ausgrabungen entdeckt wurde, wird gesichert und in den Neubau integriert. Ein öffentlicher Zugang ist nicht vorgesehen.

An der Frauenstraße standen früher unter anderem das Klepperbeinsche Haus und daneben das Dinglingerhaus. Letzteres gilt jetzt als Leitbau und war das Domizil des Hofgoldschmiedes Johann Melchior Dinglinger und wird oft mit dem gleichnamigen Gebäude am Jüdenhof verwechselt, welches die Kimmerle GbR gerade als Leitbau für ihr Projekt errichten lässt. Ebenso gehört das Chiapponische Haus, einst für eine italienische Kaufmannsfamilie hochgezogen, zum Straßenzug. Allerdings ist im Moment unklar, wann dafür Baustart ist. Ebenso, wie die Fassade aussehen wird. Ursprünglich war eine Rekonstruktion des Rokoko-Ensembles angedacht. Das wird schwierig, denn für den Lieferverkehr des Kulturpalastes hat die Stadt mehr Platz gefordert. Noch wird verhandelt. Die Gesellschaft Historischer Neumarkt, Wächter des Platzes, fordern einen Wiederaufbau möglichst nah am Original. „Doch erst einmal sind wir froh, dass an der Westseite gebaut wird“, sagt Vorstand Torsten Kulke.

Nicht im Verkaufspaket, dafür aber im Quartier VI liegt das erste Kaufhaus Dresdens. Zwischen 1850 und 1851 von Heinrich Hermann Bothen als „Au petit bazar“ an der Frauenstraße/Ecke Neumarkt errichtet, gehört das Grundstück heute Günter Blobel. Mit seinem Partner Kondor Wessels plant der Nobelpreisträger im Erdgeschoss eine Kunstgalerie. Wie genau der Neubau aussehen wird, ist nicht bekannt. Nur so viel: Vorbild ist das Original, eine Kopie wird es aber nicht.